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Das Weiße Dinner – ein Sommerfest mitten in der Stadt

Ganz in Weiß - herrlein-smilla / PIXELIO
Ganz in Weiß - herrlein-smilla / PIXELIO
Das Straßendinner, das erstmals 1988 in Paris stattfand, hat Nachahmer gefunden. Man feiert ganz in Weiß, in Hamburg am 13. August 2011 zum zweiten Mal.

Straßenfeste sind eine zwanglose Art, Nachbarschaft zu pflegen oder einen Stadtteil in Szene zu setzen. Zu essen und trinken gibt es bei diesen Anlässen immer, allerdings im Stehen oder an langen Tischen und Bänken. Ein eher rustikales Event. Das Weiße Dinner hingegen ist ein großes Festbankett, das alle Teilnehmer gemeinsam gestalten. Es gibt kein kommerzielles Interesse und dem Ganzen liegt auch keine politische Idee zugrunde. Weiß, die Farbe, die für Reinheit, Unschuld, Leichtigkeit und auch eine gewisse Feierlichkeit steht, wird zum Dresscode erhoben. Das Dîner en blanc ist in Paris bereits eine Institution. Es wird seit 1988 jedes Jahr gefeiert.

Wie es zum Dîner en blanc kam

Wenn man den Berichten glauben darf, so war es ein Zufall, dass François Pasquier 1988 eine private Gartenparty mangels Platz in den Bois de Boulogne verlegte. Die Veranstaltung war zwar nicht angemeldet, wurde aber von der Polizei geduldet. Seitdem findet jedes Jahr in Paris ein solches Sommerfest statt, bei dem alle ganz in Weiß erscheinen müssen. Sie bringen Tische, Stühle, eine Tischdecke und Servietten – selbstverständlich in Weiß – und einen gut gefüllten Picknickkorb mit. Es wäre schließlich nicht das Land der Gourmets, wenn anlässlich dieses spontanen Zusammentreffens keine erlesenen Köstlichkeiten aus dem Korb gezaubert würden.

Das Treffen findet in Paris immer im Juni statt. Nur den Interessierten ist der Tag bekannt. Doch erst kurz vor Beginn werden den Eingeweihten Ort und Zeit per SMS bekannt gegeben. Dieses geheimnisvolle Gebaren verleiht dem Geschehen etwas Konspiratives, als beträfe es nur eine kleine, verschworene Gemeinschaft. Doch genau betrachtet ist diese gar nicht so klein. 2010 waren am Carrousel du Louvre 12.000 Personen anwesend. Sie dinierten gemeinsam in einem festlichen Rahmen genau bis Mitternacht. Denn, ganz wie im Märchen von Aschenputtel, ist mit dem Gongschlag um null Uhr alles vorbei und man geht nach Hause.

Das Weiße Dinner in Hamburg – ein feines Straßenfest

Das Dîner en blanc hat wie in fast allen europäischen Großstädten auch in Deutschland seine Liebhaber gefunden. Einige veranstalten es im Rahmen eines Charity-Programms, wie 2009 der Kiwani-Club in Nürnberg, andere betrachten es schlicht als große Party. Manchmal bleibt wie in Paris der Treffpunkt geheim, meistens ist er jedoch zuvor bekannt und die Veranstaltung wird – dem deutschen Klischee entsprechend - ordnungsgemäß angemeldet. Anders als in Paris fällt der Termin nicht unbedingt in den Juni, sondern in Hoffnung auf einen regenfreien Abend wird der August gewählt.

In Hamburg fand das Weiße Dinner 2010 zum erstem Mal statt, in der Schopstraße, einer kleinen Straße in Eimsbüttel. Das Bankett im Freien fand mehr Zuspruch als erwartet. Nach diesem Erfolg wird 2011 auf der Eimsbüttler Meile, der Osterstraße, gefeiert. Die Organisatorin war und ist die PR-Beraterin Manon Dunkel. Der Termin ist auf den 13. August festgelegt. Wer den 13. als ein unglücklich gewähltes Datum empfindet, sollte bedenken, dass es kein Freitag, sondern ein Samstag ist, und dass an diesem Tag auch keine Mauer errichtet wird, sondern Barrieren niedergerissen werden. Denn alle sind gern gesehen, unabhängig vom Alter, der sozialen und ethnischen Zugehörigkeit, solange sie sich an die Spielregeln halten. Die lauten auch hier, man kommt ganz in weißer Kleidung, sonst heißt es: Bitte, nach Hause gehen und noch mal umziehen.

Die Vorbereitungen für das Weiße Dinner

Doch da der Termin bereits feststeht, ist genug Zeit vorhanden, sich etwas zu leihen oder billig zu erstehen. Das Outfit darf auch extravagant sein. Ausgefallene Hüte für die Damen, die sich bisher nicht trauten, so etwas zur Schau zu tragen. Keine Angst, hier gibt es nur bewundernde Blicke. Ein weißer Anzug für den Mann. Wer mag, darf ruhig so tun, als ginge es zum Pferderennen nach Longchamp. Wer zeitgemäß und ganz unauffällig gekleidet kommt, ist ebenso gern gesehen.

Ganz nach dem französischen Vorbild muss alles mitgebracht werden. Tische, Stühle, Tischdecke, Geschirr, und – zum wiederholten Male – es muss weiß sein. Pappteller gelten übrigens als unfein. Wenn Plastikdosen, dann bitte farblose oder weiße. Immer ist an den feierlichen Rahmen zu denken. Und die Kerzen nicht vergessen, denn es wird am Abend gefeiert, und auf der Höhe des Festes werden Wunderkerzen angezündet. Auf dem Boden des Picknickkorbs befindet sich außerdem eine Mülltüte für den unschönen Rest, der zwar übrig, aber nicht liegen bleibt.

Das Essen für das Weiße Dinner

Für den Picknickkorb eignet sich vieles und ausnahmsweise darf damit auch Farbe auf den Tisch kommen. Die Teilnehmer können ein ganzes Menü zusammenstellen. Normalerweise geht man in einer Gruppe zu dem Fest und kann vorher beratschlagen, wer was vorbereitet. Als Vorspeisen eignen sich hervorragend Antipasti, Tapas oder Fingerfood. Den Hauptgang können kalte, aufgeschnittene Braten oder einige Quiches bestreiten. Immer ist daran zu denken, dass es kein zwangloser Grill-Abend ist, sondern ein Galadiner. So ist Opulenz angesagt. Zum Dessert reicht man als Referenz an das Ursprungsland dieses Gedankens vielleicht eine Tarte oder Petits Fours. Wer nicht gerne kocht, kauft ein paar Leckereien und lässt es sich was kosten. Auch bei den Getränken wird nicht gespart. Neben dem Durst löschenden Wasser wird der Lieblingswein aus dem Keller geholt oder vielleicht sogar eine Flasche fein perlenden Champagner gekauft. Man teilt ganz ungezwungen Essen und Trinken mit seinen Tischnachbarn, die man gerade erst kennen gelernt hat, und verlebt einen zauberhaften Abend, für den sich alle wünschen, dass es nicht regnen möge.

Übrigens das Weiße Dinner hat den Weg über den Atlantik längst geschafft. Auch in Kanada feiert man ganz nach französischem Vorbild. In Montreal waren 2010 immerhin 2.200 Personen anwesend.

Quellen:

Bildnachweis:

  1. herrlein-smilla, pixelio.de
  2. Rainer Sturm, pixelio.de
  3. Rainer Sturm, pixelio.de
  4. Rolf Handke, pixelio.de
Vera Carius, Sieke-Marthe Hamann

Vera Carius - Meine Geburtsstadt ist Hannover, dort wo man angeblich das beste Deutsch spricht. Nach dem Studium der Romanistik und Geschichte in ...

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