Das Werk des Archäologen Heinrich Schliemann

Der Pastorensohn aus Mecklenburg wurde als Archäologe berühmt

Schliemann am Museumseingang in Ankershagen - Harald Rossa
Schliemann am Museumseingang in Ankershagen - Harald Rossa
Heinrich Schliemann führte ein bewegtes Leben. Schließlich erfüllte er sich einen Jugendtraum: Er suchte und fand Troja. Damit wurde er als Archäologe weltberühmt.

Durch spektakuläre Entdeckungen und Funde in Troja, Mykene, Tiryns und an weiteren Orten hat Heinrich Schliemann die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf eine bis dahin nur wenig beachtete Feldarchäologie gelenkt. Die steckte zu seiner Zeit noch in den Kinderschuhen. Schliemann gilt als einer der Pioniere und Wegbereiter der modernen Archäologie. Er hat sich durch die Wiederentdeckung vorklassischer Kulturen in Griechenland und Anatolien große Verdienste erworben.

Der Einstieg Schliemanns in die Archäologie

1865 verfasste Heinrich Schliemann sein erstes Buch „La Chine et le Japon“. Ab 1866 studierte er Altertumswissenschaften an der Sorbonne in Paris. 1868 zog er nach Griechenland. 1869 promovierte er mit seinem zweiten Werk „Ithaque, le Péloponnèse, Troie. Recherches archéologiques“ an der Universität Rostock.

Die Suche nach Troja

Heinrich Schliemann war nicht der Erste, der unter dem Hügel namens Hissarlik in der Troas die Reste der Stadt Troja oder Ilion vermutete. Schon um 1800 hatte der britische Reisende Edward Daniel Clarke diese Gedanken geäußert. 1863 publizierte der Journalist Charles MacLaren ebenfalls diese Idee. Die hatte dann Frank Calvert aufgegriffen, der erste Grabungen durchführte. 1869/70 verifizierte Schliemann die Vermutungen Calverts. Dazu nutzte er die teilweise sehr exakten Beschreibungen der Lage der Stadt durch Homer und andere antike Autoren. In den ersten drei Grabungs-Kampagnen ab 1871 ließ Schliemann einen 40 Meter breiten und über 15 Meter tiefen Graben durch den Hügel treiben. Er hoffte so Ilion, die Burg des Priamos, zu finden. Dabei wurden allerdings wichtige Siedlungsspuren unwiederbringlich zerstört. In den folgenden Jahren und bei seinen Grabungen an anderen Orten nahm er den Rat des Fachmannes Wilhelm Dörpfeld in Anspruch und ging dann erheblich vorsichtiger zu Werke.

1873 wurde der sogenannte „Schatz des Priamos“ gefunden. Damit kam Heinrich Schliemann zu Ruhm und Ehren. Allerdings geriet er in eine Auseinandersetzung mit der Hohen Pforte um den trojanischen Schatz. Denn den brachte er heimlich aus dem Land. Gegen eine Zahlung von 50.000 Francs verzichten 1874 die osmanischen Behörden auf die Rückgabe. 1879 läuft die fünfte Grabungskampagne in Troja. An ihr beteiligen sich auch die Wissenschaftler Émile Burnouf aus Paris und Rudolf Virchow aus Berlin. 1882 wird die sechste Grabungskampagne in Troja unter Mitarbeit von Wilhelm Dörpfeld durchgeführt. 1889 fand die erste Troja-Konferenz auf Hissarlik unter Beteiligung des Hauptmanns Emil Bötticher, der seit 1884 die Grabungsresultate zu Troja öffentlich anzweifelte, statt. Im März 1890 fand die zweite internationale Gelehrtenkonferenz auf Hissarlik statt und die siebente Grabungskampagne in Troja mit Wilhelm Dörpfeld und Rudolf Virchow folgte.

Es gibt Hinweise, dass um den Siedlungsplatz immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen geführt worden sind. Ein archäologischer Beweis dafür, dass der Trojanische Krieg Homers tatsächlich um eben diese Siedlung geführt worden ist, ist jedoch noch nicht erbracht.

Die Entdeckung der Burg Mykene

Die Ruinenstätte Mykene besuchte Schliemann erstmals 1869. Hier suchte er das Grab des Agamemnon, des sagenhaften Helden der griechischen Streitmacht vor Troja, innerhalb der Mauern der historischen Burg. 1874 führte er Versuchsgrabungen in Mykene durch. 1876 begannen die genehmigten Ausgrabungen. Sehr schnell entdeckte er fünf Schachtgräber aus der Zeit um 1600 vor Christus. Diese Gräber enthielten viele und wertvolle Grabbeigaben. Der größte Fund war die sogenannte „Maske des Agamemnon“. Die kann nach heutigen Erkenntnissen allerdings nicht Agamemnon zugeordnet werden, da sie rund 300 Jahre vor den Ereignissen des Trojanischen Krieges geschaffen wurde.

Die Grabung Orchomenos

1880 unternahm Heinrich Schliemann erste Grabungen in Orchomenos. Dabei wurde das „Schatzhaus des Minyas“ freigelegt. 1881 folgt eine zweite Ausgrabung in Orchomenos.

Die Grabung Tyrins

1884 begann Heinrich Schliemann mit den Grabungen in Tiryns, die 1885 und 1886 gemeinsam mit Wilhelm Dörpfeld fortgeführt wurden.

Ägypten

1886 unternimmt Heinrich Schliemann eine Nilreise durch Ägypten. 1888 beginnt er mit Ausgrabungen in Alexandria und unternimmt gemeinsam mit Rudolf Virchow eine weitere Reise durch das Land der Pharaonen.

Würdigung des Werkes von Heinrich Schliemann

Für sein radikales Vorgehen bei den ersten Grabungen in Hissarlik ist Heinrich Schliemann oft und scharf kritisiert worden. Dabei vergessen die Kritiker gern, dass es für derartige Grabungen keine Vorbilder gab. Er hat dann seine Methoden grundlegend geändert. So muss Heinrich Schliemann neben Flinders Petrie und Wilhelm Dörpfeld als ein Wegbereiter der wissenschaftlich-methodischen Grabungstechnik genannt werden.

Zahlreiche Publikationen aus seiner Feder haben das Interesse an seriöser archäologischer Forschung gefördert. Seine Berichte über die Zusammenhänge zwischen Tiryns, Mykene und Kreta machten diese Stätten erst zu einem Thema in der Geschichtswissenschaft. In Fachkreisen gilt Heinrich Schliemann als „Vater der mykenischen Archäologie“.

Ehrungen für Heinrich Schliemann

Bei aller Kritik, so wurden Heinrich Schliemann auch zahlreiche Ehrungen zuteil. 1876 wird er Ehrenmitglied der Society of Antiquaries of London. 1877 erhält er auf Vorschlag von Rudolf Virchow die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. 1881 erhält er nach der Schenkung seiner Sammlung trojanischer Altertümer dem deutschen Volk zu ungeteiltem Besitz und Aufbewahrung die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin. 1883 wird er Ehrendoktor der Universität Oxford und Ehrenmitglied des Queen's College. 1884 überreicht Königin Victoria in London ihm die „Große Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft".

Heute tragen die Heinrich-Schliemann-Gymnasien in Neubukow, Fürth und Berlin sowie das Heinrich-Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften der Universität Rostock seinen Namen. In Schwerin ist am Pfaffenteich seit 1895 eine Büste Schliemanns aufgestellt, die Hugo Berwald schuf.

Das Elternhaus von Heinrich Schliemann in Ankershagen beherbergt seit 1980 das Heinrich-Schliemann-Museum. Dort sind unter anderem keramische und bronzene Originalfundstücke oder Nachbildungen aus Mykene und Troja zu sehen. Sein Leben und Werk und das seiner Freunde und Förderer, insbesondere Rudolf Virchow und Wilhelm Dörpfeld, sind zu verfolgen.

Tod

Nach der siebten Kampagne in Troja starb Schliemann am 26. Dezember 1890 überraschend in Neapel. Seine Leiche wurde nach Athen überführt und dort 1892 in einem von ihm selbst entworfenen Mausoleum beigesetzt.

Weitere Information

Das Leben von Heinrich Schliemann ist gesondert beschrieben. Ausführliche Informationen bietet auch die Webseite des Heinrich-Schliemann-Museums in Ankershagen.

Werke von Heinrich Schliemann

La Chine et le Japon au temps présent, Paris 1867

Ithaka, der Peloponnes und Troja, Leipzig 1869

Trojanische Altertümer, Leipzig 1874

Mykenä, Leipzig 1877

Ilios, Leipzig 1881

Orchomenos, Leipzig 1881

Reise in der Troas, Leipzig 1881

Troja, Leipzig 1883

Tiryns, Leipzig 1886.