Das Wörterbuch der Brüder Grimm online

Von Aalfang bis Zyane ein sprachgeschichtliches Lehrbuch

Der Sprachschatz, den „das hundertjährige Wörterbuch" bereithält, macht den Grimm so kostbar. Das Grundlagenwerk zur Sprachentwicklung steht auch im Internet.

„Die biene weisz genau die zelle, zu welcher sie honig einträgt“, schrieb Jacob Grimm im ersten Vorwort zum Deutschen Wörterbuch. Abgezielt war damit auf das alphabetische Verzeichnis, in welches sich die Einträge im Wörterbuch hineinversammeln. Zum Alphabet der Sprache wurde das Grimmsche Wörterbuch in jahrelanger Sammeltätigkeit. Wie die fleißigen Bienen trugen die Bearbeiter Wort um Wort zusammen. Über hundert Jahre, von 1854 bis 1961, wurden für die Fertigstellung des Deutschen Wörterbuchs (DWB) verwandt. So ist ein einzigartiger Sprachschatz entstanden, von dem sich auch in digitalen Zeiten zehren lässt.

Deutsches Wörterbuch auch digitial

Hatte das Grimmsche Wörterbuch schon von der Anlage her dem einfachen Finden und dem schnellen Nachschlagen durch seine Anordnung und Genauigkeit, „einem uhrwerke gleich“, dienen wollen, so findet diese Abzweckung in Zeiten der Informationstechnologie ihre Fortsetzung. In einem Projekt des „Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier“ wurden alle 16 Bände des DWB in ihren 32 Teilbänden eingelesen und für die Arbeit am Computer aufbereitet. Was ein Aalfang ist und welche Belege es für die Zyane gibt, lässt sich damit vom PC aus recherchieren. Auch auf zwei CD-Roms ist der Digitale Grimm erschienen. So ist auch das „worthistorische Grundlagenwerk“ der Germanistik im neuen Kommunikationszeitalter angekommen.

Editionen des Wörterbuchs der Gebrüder Grimm

Damit nähert sich der Grimm möglicherweise zum ersten mal den ursprünglichen Vorstellungen seiner Verwendung. Als „wörterbuch zum hausbedarf“ zum schnellen und häufigen Nachschlagen war das DWB von seinen Begründern von Anfang an gedacht. Den riesigen Wälzern des Lexikons war eine solche Anwendung als „eines nachhaltigen füllhorns“ für die Alltagssprache freilich in den wenigsten Haushalten beschieden. Erst mit dem Nachdruck als Taschenbuchausgabe von 1984 und 1999 erhielt das monumentale Werk eine größere Verbreitung über die wissenschaftlichen Fachkreise hinaus. Ob es damit schon zum Hausbuch geworden ist, das durch allabendliche Lektüre die „Sprachgabe prüfen“ und zu ihrer Auffrischung beitragen möge, wie Jacob Grimm wünschte, ist aber fraglich.

Der Grimm ist ein monumentales Lesebuch

Mit dem Nachschlagen auf Klick könnte sich das ändern. Ob das „Sprachdenkmal“ und „monumentale Lesebuch“, wie der Grimm 1984 anlässlich des Reprints in den Zeitungen gerühmt wurde, tatsächlich via DSL in die Wohnstuben Einzug hält? „Für das Dachstübchen der Seele“ wäre ein regelmäßiger Besuch in diesem „Vorratshaus“ der Sprache, wie dort zu lesen war, sicher ein Gewinn. Der Grimm wäre dann nicht nur ein, womöglich abgelegtes „Dokument der Sprache“, sondern würde als echte „Schatzkammer“ entdeckt, wie die Presse schon 1961 beim Erscheinen des Abschlussbandes des „Jahrhundertwerkes“ hoffte.

Deutsches Wörterbuch von A bis Z

Auf den Originalton der Gebrüder Grimm wird der Leser beim Blättern in den elekronischen Buchseiten übrigens nur am Anfang des Alphabets stoßen. Als 1854 der erste Band (bis Biermolke) nach fast 15-jährigen Vorarbeiten vollständig vorlag, trug Jacob Grimm das programmatische Vorwort bei. Für die Buchstaben bis zum Artikel „Frucht“ zeichnet er als Bearbeiter verantwortlich. Wilhelm Grimm redigierte den Buchstaben D. Die weiteren Beiträge wurden nach dem Ableben der Brüder Grimm von Mitarbeitern fortgeführt. Ganze Gelehrtengenerationen hat die Entstehung des Wörterbuchs begleitet bis zu seinem Abschluss 1961 mit dem klangvollen Artikel Zypressenzweig.

Deutsches Wörterbuch der Brüder Grimm online

Manfred Schütz - Medienphilosophie

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