Das Wörterbuch von Paul Robert von 1953-1964

Der "Grand Robert" als Innovation der französischen Lexikographie

Paul Roberts Nachschlagewerk stellt eine Revolution in der französischen Wörterbuchkultur dar. Es liefert den Wortschatz des 19. und 20. Jahrhunderts in höchstem Maße.

Die Veränderungen des 20. Jahrhunderts - der Ausbau des Transportwesens, Massenmedien, Billigpresse, die Annäherung von Stadt und Land etc. - beeinflussen die Menschen in großem Maße. So verändert sich auch die Sprache, für neue Bereiche des menschlichen Lebens müssen neue Begriffe geschaffen werden. Diesen gewachsenen Zustand der französischen Sprache hat Paul Robert versucht, in seinem "Dictionnaire alphabétique et analogique de la langue française", kurz "Grand Robert" festzuhalten.

Zur Person Paul Robert

Paul Robert wird am 19. Oktober 1910 in Orléansville in Algerien geboren. Er wächst in einer gut situierten Familie auf und studiert ab 1930 Recht in Alger. Im Rahmen seines Militärdienstes wird er ab 1936 an das Kriegsministerium zugewiesen und kann sich so in das Institut des Sciences Politiques einschreiben um sein Doktorat abzuschließen. Er arbeitet schließlich auch im Chiffrierdienst, der ihm sein Interesse zur Sprache und Lexikologie immer mehr offenbart. 1951 gründet Robert die „Fondation du Nouveau Littré“, die ihm die Entrüstung des Verlages Hachette entgegenbringt, da es dort keinen Nachfolger des großen Wörterbuchs von Emile Littré geben soll. Paul Robert stirbt am 11. August 1980 in Mougins.

Der "Grand Robert" in der Tradition des 19. Jahrhunderts

Von 1953 bis 1964 wird Roberts Lebenswerk veröffentlicht, das "Dictionnaire alphabétique et analogique de la langue française. Les mots et les associations d’idées", zu deutsch "Alphabetisches und analogisches Wörterbuch der französischen Sprache. Die Wörter und die Gedankenverbindungen."

Es besteht aus sechs Bänden und entstand unter der Mitarbeit der Sprachwissenschaftler Alain Rey und Josette Rey-Debove. Robert selbst sieht es in der Tradition des "Dictionnaire de la langue française" von Emile Littré, der den Wortschatz des Französischen vom 17. Jahrhundert bis 1830 zusammenstellte. Dieses Wörterbuch ist laut Paul Robert für das 20. Jahrhundert nicht mehr genügend, es sei gealtert in vielerlei Hinsicht und es müsse ein Neues geschaffen werden.

Der Aufbau des "Grand Robert"

In der Einleitung zum ersten Teilband erklärt Robert, warum er ein sowohl alphabetisches als auch analogisches Wörterbuch geschrieben hat. Ein Wort wird seiner Meinung nach nicht nur von seiner Herkunft, seiner grammatischen Einordnung und seiner verschiedenen Gebräuche bestimmt. Es erhält seinen vollen Wert erst durch die Beziehungen zu anderen Wörtern. Homonyme, Synonyme und Antonyme stellen ein logisches Geflecht dar und sind wichtig für die unterschiedlichen Bedeutungen eines Wortes.

Zusätzlich zu den etymologischen Informationen bietet das "Grand Dictionnaire" von Paul Robert so eine analoge Verbindung zwischen den Artikeln, die auf einer Logik der Gedanken basiert. Wenn nun jemand einen Artikel zu einem Wort liest, das er bereits kennt, kann er in diesem neue Wörter und neue Sinnzusammenhänge mit anderen Begriffen erfahren. Dieses Verfahren erlaube dem Suchenden, völlig neue Wörter und deren Kontexte zu erlernen und so seine sprachlichen Fähigkeiten auszubauen. Darüber hinaus sorgen die jeweils hinzugefügten zahlreichen Zitate von Autoren des 19. bis 20. Jahrhunderts für eine weitere Prägung des Sprachbewusstseins.

Trotz Kritik viel Erfolg bei den Franzosen

Ungeachtet der umfangreichen Nomenklatur und dem Fleiß Paul Roberts, möglichst alles zusammenzutragen, wurde besonders am ersten Teil nach seiner Veröffentlichung Kritik geäußert. Diese zielt auf die schwachen etymologischen Informationen ab und die Datierung einiger historischer Beispiele. Nichtsdestotrotz werden vor allem die Zitate aus dem 19. und 20. Jahrhundert gelobt. Bis heute gilt der Grand Robert trotz Kritiken als das beste Großwörterbuch der französischen Gegenwartssprache und dient bei jedem Nachschlagen eines Begriffs der Festigung der Sprachnorm. Dies könnte auch daran liegen, dass der "Grand Robert" im Gegensatz zum Wörterbuch von Emile Littre von 1852 nicht nur den gebildeten Wortschatz darstellt, sondern auch das zeitgemäße Vokabular, was die Durchschnittsnutzer eher anspreche.

Eine weitere Revolution: der "Petit Robert"

Eine Wende auf dem Buchmarkt stellt schließlich die Verlegung des "Petit Robert" ("Kleiner Robert") dar, der eine einbändige reduzierte Fassung des "Grand Robert" darstellt und 1967 in der ersten Auflage erschien. Neben der preislichen Erschwinglichkeit dieses Wörterbuchs für den individuellen Konsumenten zeichnet den "Petit Robert" auch die schnelle Reaktionsfähigkeit auf neue Wörter aus, die der "Grand Robert" nicht aufweisen kann. So erschien 1993 eine hervorragende Neuauflage des "Petit Robert" unter dem Titel "Le Nouveau Petit Robert", in dem auch Anglizismen aufgenommen werden wie „walkman“.