Datenschutz im Web 2.0: Welche Daten bleiben wie lange im Netz?

Archivierte Suite101-Seite vom 18.04.2008 - Wayback Machine Internet Archive
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Über die Halbwertzeit und Auffindbarkeit von Daten in Social Networks, Archiven und Suchmaschinen wie Google: Wie lassen sich Datenspuren online verwischen

Das Internet weiß alles und vergißt nichts. Doch stimmt das wirklich? Sind alle Daten, die irgendwann einmal hochgeladen, online gestellt oder in Logfiles erfasst wurden, für immer auf irgendwelchen Webservern gespeichert? Und kratzt die Suchmaschine Google, die für viele mittlerweile als Nachweis der digitalen Existenz herhält, in Wirklichkeit nicht nur an der marketingtechnisch optimierten Oberfläche der Datenuniversen, die sich tatsächlich auch jenseits von Marktführern wie Facebook, eBay, YouTube und Xing in alle Richtungen ausbreiten?

Vieles weiß Google, nur Google allein: Abschöpfen der Datenflut durch Suchmaschinen

Ganz praktisch gefragt: Was passiert eigentlich jenseits der staatlichen Datensammelwut mit den Informationen, die von der ständigen Datenflut an die hinteren Enden der Suchmaschinenlisten gespült werden? Googles Datenkapazität wird in Fachkreisen auf mindestens 100 Millionen Gigabyte geschätzt. Werden überholte Suchtreffer irgendwann endgültig vergessen? Oder werden die O`s im Firmennamen deshalb immer mehr, je weiter man in die hinteren Plätze des Suchmaschinen-Rankings vordringt, weil ein normalsterblicher Nutzer ohnehin nie das Ende der Liste erklicken könnte? Vielleicht ist es auch besser so, denn niemand weiß so genau, welche Informationen abseits der Datenautobahn hinter Datenschutzbestimmungen geparkt vor sich hin – ja was eigentlich? Setzen Daten Rost an, verbleichen oder zerbröseln irgendwann?!

Die relative Unsterblichkeit von Suchmaschinen-Daten im digitalen Zeitalter

Im digitalen Zeitalter gilt grundsätzlich: Solange die Daten irgendwo auf Servern gelagert werden, sind sie zunächst technisch vor Alterung gefeit und unsterblich. Doch Google bietet zumindest die theoretische Möglichkeit, Links aus den Listen von Suchmaschinentreffern zu entfernen – auch wenn das nicht so ohne Weiteres geht und in den meisten Fällen ohne das Löschen der Inhalte selbst durch den jeweiligen Seitenanbieter oder Webmaster nicht möglich ist. Besonders im Fall, dass man eben nicht selbst als Seitenbetreiber auf die Inhalte einwirken kann, ist es oft kaum möglich, alle Datenspuren inklusive ihrer irgendwo abgelegten (illegalen) Kopien zu eliminieren. Davon abgesehen füllt der Weltkonzern seine Speicher mit einer ganzen Reihe an Daten über die Nutzer der eigenen Dienste, wie diese Liste des Datenwachschutz-Blogs verdeutlicht.

Peinliche Videos auf YouTube löschen lassen?

Was nun, wenn man auf YouTube peinliche, kompromittierende oder sonstwie ungewollte Videos seiner Person entdeckt, die irgend jemand unerlaubt ins Netz gestellt hat? Bei den Inhalten der Google-Tochter YouTube verhält es sich etwas anders als bei der marktführenden Suchmaschine, weil ihr hier registrierte Nutzer als Anbieter von vermittelten Inhalten gegenüber stehen. Wirft man einen ersten Blick auf die Datenschutzbestimmungen, wird man zunächst nach wenig erhellenden AGB-Formeln auf die Google-Bestimmungen verwiesen. Doch da schon öfter unerlaubte Videodateien ins Netz gestellt wurden und es dahingehend auch immer mehr gesetzliche Einschränkungen gibt, kann über das Sicherheitscenter ein Antrag zur Löschung gestellt werden. Dass es dabei um eine ernste Angelegenheit geht, lässt wohl der Pink hinterlegte Hinweis folgenden Inhalts vermuten: "WICHTIG Wenn du den Verdacht hast, dass du dich in unmittelbarer Gefahr befindest oder eine andere Person auf der Website sich in unmittelbarer Gefahr befindet, verständige die Polizei." Was aber, wenn es lediglich um ein digitales Datenproblem geht und kein analoges Gewaltverbrechen?

Datenschutz und Datenspeicherung in sozialen Netzwerken

Ist das Recht am eigenen Bild online relativ? Fotos auf Facebook können ausschließlich von demjenigen gelöscht werden, der die Bilddateien einst eingestellt hat – nicht aber zusätzlich von der abgebildeten Person. Im Januar 2011 wurde auf Wirken von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner die Firefox-Erweiterung X-pire vorgestellt, mit der Fotos mit einem "digitalen Verfallsdatum" versehen werden können und nach diesem Datum nicht mehr abrufbar sein sollen. Dieses Substitut medialer Nutzerkompetenz soll den Anwender monatlich voraussichtlich 9,90 Euro kosten. Staatlich geförderte Geschäftemacherei mit der Unbedarftheit der Social Surfer?

Zur medialen Kompetenz der Nutzer von Social Media-Plattformen, deren vielfältige Entwicklung noch lange nicht am Ende zu sein scheint, gehört auch das Bewusstsein für die eigenen Stammdaten und ihre Preisgabe. Denn ein genauerer Blick in die Datenschutzbestimmungen der Anbieter lässt den Umgang mit den persönlichen Daten durchaus zwielichtig erscheinen. StayFriends.de beispielsweise verspricht eine "Löschung bzw. Sperrung" aller im Profil hinterlegten Daten auf Anfrage innerhalb von 48 Stunden. Hinter der Ungenauigkeit der Formulierung steckt allerdings eine Datenhaltungs-Philosophie, die auch bei anderen Sozialen Netzwerken wie Facebook, MySpace, Lokalisten oder auch eBay verfolgt wird: Auf Antrag oder gar Kündigung werden die Daten abgemeldeter Nutzer gesperrt, bleiben aber weiterhin im Netz auffindbar – dieses Phänomen digitaler Daten und ihrer Relikte auf Festplatten kennt jeder Besitzer eines gelegentlich abstürzenden Computers. So ist es allerdings denkbar, dass er selbst keinen direkten Zugang zu seinen Daten mehr hat, diese aber über eine der vielen verschlungenen Verknüpfungen im Web weiter (Unwesen) treiben.

Datenarchive im Internet: Gefahrstoffreiche Müllhalden der Informationsgesellschaft?

Der Zwergnachrichten-Dienst Twitter löscht alle »tweets« genannten, für die Öffentlichkeit bestimmten Beiträge eines Nutzers nach seiner Abmeldung automatisch. Doch abseits des Kerngeschäfts werden auch hier »Meta-Daten« erhoben: "when you Tweeted, but also the lists you create, the people you follow, the Tweets you mark as favorites or Retweet and many other bits of information." Aus technischer Sicht sicher nötig, doch was mit diesen vielen kleinen Informationen passiert, bleibt weitestgehend offen. Ein weiterer Aspekt der Kontrolle eigener Daten im Web betrifft die Langzeitarchivierung von Momentaufnahmen des Internets. Das staatlich geförderte us-amerikanische Internet Archive beispielsweise speichert neben kulturellen Artefakten wie Büchern, Konzerten und Software auch Websites, die veraltete Informationen, Forenbeiträge oder weitere datenschutzrechtlich bedenkliche Inhalte enthalten können. Zwar können einzelne Seiten unkompliziert entfernt werden – doch es ist recht unwahrscheinlich, dass man selbst auf ungewollte Daten unter den mehreren Billionen Bytes aufmerksam wird, selbst wenn man den eigenen Namen durch eine der bekannten Suchmaschinen laufen lässt.

Damit die Mediennutzung im Web trotz unscharfer Gesetzeslage und Unverständnis in der Politik keine unangenehmen Folgen hat, gibt es ja auch noch die niederländische Seite Suicidemachine.org. Allerdings hilft die nur bei der Löschung von Accounts in den großen sozialen Netzwerken. Alles weitere liegt weiterhin in der Medienkompetenz einschließlich Kenntnis der konkreten Gesetzeslage und dem Datenumgang eines jeden Nutzers.

FxReid Ständiger Autor Australien&Ozeanien-Reisen, © FxReid

Felix Reid - Ständiger Autor im Ressort Australien- & Ozeanien-Reisen; Freier Autor für unterhaltsame Golfsport-Beiträge; Ghostwriter ...

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