
- David Cronenberg - ficg (kein echter Name vorhanden)
Der kanadische Regisseur David Cronenberg ist nicht unbedingt einer der kommerziell erfolgreichsten Regisseure, und auch bei Kritikern lösten seine Filme in der Vergangenheit oft Kontroversen aus. Aber Cronenberg hat sich einen dauerhaften Namen gemacht, indem er das Horrorgenre um die Komponente des sogennanten "Body-Horror" bereicherte, bevor er im neuen Jahrtausend auch kommerziellere Filme drehte.
Markenzeichen: Sex, Gewalt und Tod
Was künstlerische Freiheit angeht, merkt Cronenberg an, dass nicht so schädlich für die Kreativität ist wie politische Korrektheit. Sobald man als Regisseur anfängt, sich um das Gemüt der Öffentlichkeit zu kümmern und sich gesellschaftlichen Konventionen zu unterwerfen, würde man sich selbst seiner Fähigkeiten berauben oder sie weichspülen. Gerade Cronenberg musste dies oft beherzigen, als viele seiner früheren Filme von Kritikern verrissen wurden. In seinen Filmen dreht es sich oft um Gewalt, Tod und Sexualität.
Der Body-Horror
Neben diesen Stilmitteln etablierte David Cronenberg vor allem einen neuen Zweig im Bereich der Horrorfilme. Die Rede ist vom sogenannten Body-Horror, einer Stilrichtung, in der das Grauen vor allem durch Veränderungen und Verstümmelungen am eigenen Körper entsteht. Wir alle kennen das Gefühlsgemisch aus Angst und Ekel, wenn wir Unfallopfer mit hässlichen Wunden oder einen offenen Patienten auf dem Tisch von Chirurgen sehen. Oder man denke an das Grauen durch Mutationen oder Degenerierung, das wir zum Beispiel beim Anblick von Krebs- oder AIDS-Patienten im Endstadium erfahren können.
Der ehemalige Biologiestudent David Cronenberg hat daraus eine Filmtugend gemacht. In vielen seiner Filme geht es um eben jene Veränderungen am Körper. Das Grauen manifestiert sich in seinen Werken nicht in Form von Vampiren, Gespenstern oder Zombies. Vielmehr sind es gewöhnliche Menschen, denen man hilflos dabei zusehen muss, wie sie physisch und psychisch so weit verkommen, bis ihnen nicht Menschliches mehr anhaftet. Verlust der Menschlichkeit könnte daher ein Grund dafür sein, warum Cronenbergs Body-Horror so verstörend ist.
Anfänge
David Cronenberg wurde am 15. März 1943 in Toronto, Kanada, geboren. Er wuchs in einem mittelständischen, jüdischen Haushalt auf. Sein Vater war ein Musiker, seine Mutter eine Autorin und Editorin. Er besuchte die Universität von Toronto, wo er zunächst Biologie studierte, jedoch später das Fach wechselte und seinen Abschluss in Literatur machte. Seine ersten beiden Langfilme waren "Stereo" (1969) und "Crimes of the Future" (1970). In beiden Filmen geht es um Gehirnmanipulation und Sexualität. Die Qualität war mäßig, aber die kreative Marschrichtung Cronenbergs war schon damals abzusehen.
Auswahl einiger Werke
Es sollen hier einige seiner bekannteren Filme bis 2000 vorgestellt werden, auch, um Beispiele für Cronenbergs Stil zu geben.
- Die Brut (1979) Dieser Film stellt eine Mischung zwischen Horror und Familiendrama dar. Eine Frau, die in einer zerrütteten Ehe lebt, begibt sich bei einem unkonventionellen Therapeuten in Behandlung. Schon bald muss der Ehemann jedoch feststellen, dass seine Tochter von der eigenen Mutter offensichtlich misshandelt wird. Gleichzeitig wird seine Familie von einer seltsamen Bande deformierter Kinder angegriffen, und der Ehemann vermutet einen Zusammenhang.
- Scanners (1981) In Scanners geht es um eine Gruppe von paranormal begabten Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Sie sind sehr gefährlich, da sie mit bloßer Gedankenkraft andere Menschen steuern und ihnen extreme Schmerzen zufügen können.
- Die Fliege (1986) Vielleicht der beste Body-Horror-Film überhaupt, auf jeden Fall aber der repräsentativste. Ein Wissenschaftler namens Brundle (gespielt von Jeff Goldblum) entdeckt das Geheimnis der Teleportation. Als sich jedoch eine Fliege unbemerkt zusammen mit Brundle teleportieren lässt, vermischen sich die Gene. Mit dem Resultat, dass sich Brundle von diesem Zeitpunkt an langsam aber unaufhaltsam in ein monströses Hybridwesen zwischen Mensch und Fliege verwandelt.
- Die Unzertrennlichen (1988) Ein Psycho-Thriller mit Jeremy Irons in einer Doppelrolle. Ein eineiiges Zwillingspaar, beide Brüder als Gynäkologen tätig, gerät in Streit und Rivalität, als sie eine Beziehung zu einer Frau aufbauen.
- Crash (1996) Hier geht es vor allem um den Zusammenhang zwischen Verstümmelung und sexueller Vorlieben: Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Gruppe von Leuten, die einen Hang zu absichtlichen Autounfällen haben, um durch die daraus resultierenden Verletzungen und Schmerzen sowie durch den Reiz der Gefahr sexuelle Energien freizusetzen.
- eXistenZ (1999) Ein Zukunftsthriller, in dem man Computerspiele in virtuellen Welten spielen kann. Eine Programmiererin und ein einfacher Angestellter verlieren sich in den künstlich geschaffenen Welten. Die Handlung erinnert stark an Matrix (1999) und Inception (2010), wobei eXistenZ im Schatten von Matrix kommerziell völlig unterging, während Inception durchaus davon inspiriert sein könnte.
Die Wende hin zum Mainstream ab 2000
Wenn auch seine Filme bis zu diesem Zeitpunkt nicht die größten Straßenfeger waren, so erregte David Cronenberg doch mehr und mehr Aufmerksamkeit bei immer wichtigeren Produzenten und bekannteren Schauspielern. Die Filme, die Cronenberg ab der Jahrtausendwende drehte, boten Themen, mit denen sich insgesamt mehr Zuschauer identifizieren konnten, sowie bekanntere Stars. Trotzdem bereichert Cronenberg weiterhin die Filmwelt mit seinem Stil, anstatt sich ihr anzubiedern.
- Spider (2002) Ein Schizophrener, gespielt von Ralph Fienns, versucht sich an seine Kindheit zu erinnern, während er die Ausmaße seines Realitätsverlusts festzustellen versucht. Der Film pendelt dabei zwischen Gegenwart und Vergangenheit des Protagonisten, um zu beleuchten, wie die Erinnerung das gegenwärtige Handeln bestimmt.
- A History of Violence (2005) Ein Familienvater verhindert in seinem eigenen Café einen Überfall und tötet die beiden Verbrecher aus Notwehr. Kurz darauf wird er von der Mafia verfolgt. Ihm wird vorgeworfen, seine wahre Identität zu verschleiern und eine schreckliche Vergangenheit zu vertuschen. Der Hauptdarsteller hier ist Viggo Mortensen.
- Eastern Promises (2007) Ein Mafiafilm, der in London spielt, wo zwei Todesfälle in den ersten Szenen zwei Handlungsstränge begründen, die sich durch den gesamten weiteren Film ziehen. Viggo Mortensen spielt hier die Rolle des undurchsichtigen Chauffeurs Nikolai, der in zahlreiche Konflikte hineinrutscht und dabei arg in Mittleidenschaft gezogen wird.
Ausblick: Kommende Filme
- A Dangerous Method (2011) Zum dritten Mal hintereinander spielt Mortensen eine Hauptrolle in einem David Cronenberg-Film, diesmal ist es die Rolle des Psychoanalytikers Sigmund Freud. Der Film spielt im späten 19. Jahrhundert und erzählt den Konflikt zwischen Freud und Dr. Carl Jung im Laufe der Therapie einer Patienten (gespielt von Keira Knightley).
- Cosmopolis (2012) Viel ist noch nicht bekannt, der Film soll sich jedoch innerhalb einer 24-Stunden-Handlung abspielen.
