
- Vienna Summer Classic - Dr. Uta Braun
Musikfreunde, die Wien in der zweiten Augusthälfte besuchen, haben ein Problem: Die Spitzenmusiker der Stadt sind nicht da. Die Wiener Philharmoniker spielen in Salzburg, die Wiener Symphoniker in Bregenz, das RSO Wien, das manche noch als ORF Radio-Symphonieorchester Wien kennen, ist auf Tour, und das Tonkünstler Orchester Niederösterreich spielt in der „Sommerfrische“ Grafenegg. Musikfreunde, die die berühmten Spielstätten besuchen wollen, haben nun die Wahl. Sie können sich mit einer Führung zum Beispiel durch die Staatsoper oder den Musikverein zufrieden geben, oder – falls sie Musik erleben wollen - ein Konzert eines zweitklassigen Ensembles besuchen. Die Ensembles haben großartige Namen, sie spielen in verschiedenen Palais, auch in berühmten Sälen, sie spielen sicher gut, keine Frage. Das Problem ist das Repertoire.
Mozart oder Strauß?
Tatsächlich haben Musikfreunde, die sich nicht über das Angebot klassischer Musik informiert haben, bevor sie ihren Trip nach Wien buchten, nur die Wahl zwischen kostümierten und nicht-kostümierten Orchestern beziehungsweise zwischen Musik von Wolfgang Amadeus Mozart oder dem Walzerkönig Johann Strauss (gute Musik, keine Frage!). Buchen kann man übers Internet, über die Hotels oder über kostümierte Straßenverkäufer. „Das kann es doch nicht sein“, sagte sich Uta Braun. „Man kann die Wien-Touristen doch nicht so alleine lassen. Es gibt doch noch so viel freundliche, angenehme, klassische Musik, die man an einem Sommerabend auch genießen kann. Es muss ja nicht immer nur Mozart oder Strauß sein! “
David gegen Goliath
Der Tipp kam von Freunden aus der Hotelbranche. Man gab ihr zu verstehen, dass man über ein Alternativangebot durchaus glücklich wäre. Und so erfand Uta Braun "Vienna Summer Classic" und begab sich auf die Suche nach einem geeigneten Konzertsaal. Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel empfahl ihr das Alte Rathaus als stilvollen Rahmen. Interpreten hatte sie auch bald gefunden: Im Mittelpunkt der russische Pianist Juri Sachno. Er wird solistisch auftreten, er wird mit dem Metropolitan Quartett Musizieren und er wird junge Sänger begleiten. „Jetzt wird man auch im Jahr seines 200. Geburtstags Musik von Chopin hören“, freut sich Uta Braun, „und zwar nicht nur einige seiner schönsten Solowerke, sondern auch eine Rarität: sein 1. Klavierkonzert in der Version für Klavier und Streichquintett. Juri wird auch zwei er bekanntesten Beethoven-Sonaten spielen: die Appassionata und die Mondscheinsonate.“
Durchaus für Touristen geeignet
„Man soll nie jemanden unterschätzen“, schmunzelt Uta Braun. „Stellen Sie sich vor, Sie wären Tourist und bekämen zum Beispiel in Venedig abgrundtief schlecht gespielten Vivaldi vorgesetzt, da wären Sie auch nicht wirklich zufrieden. Ich denke, dass sich sicher ein paar Menschen in jedem Hotel finden, die Lust auf ein etwas bunteres Programm haben. Lieder zum Beispiel von Puccini oder Verdi, oder von Richard Strauss. Kammermusik von Schubert oder Dvorak. Oder auch Musik von Beethoven, der immerhin fast 30 Jahre in Wien gelebt hat. Etwa 100 Personen haben im Barocksaal im Alten Rathaus Platz, das wird doch zu machen sein!“
Die Vienna Summer Classic Kartenverkäufer
Und so laufen nun in Wien ein paar kostümierte Kartenverkäufer mehr herum, die den Menschen ein abendliches Konzert schmackhaft machen wollen: weiße Stutzen, schwarze Kniehosen, weiße Rüschenhemden und ein schwarzes Barrett, das keck und schief auf dem Kopfe sitzen sollte. Ihre Aufgabe: Leichter sein als die ihrer Kollegen: Sie müssen nicht so viele Karten verkaufen wie zum Beispiel die Kollegen des Mozart Orchesters. Was sind etwa 100 gegen 1.700 zu verkaufende Plätze?
… und die Zukunft
„Ich wünsche mir“, sagt Uta Braun, „dass ich Vienna Summer Classic im nächsten Sommer mit noch reichhaltigerem Programm anbieten kann!“
