David Gilmour "Die perfekte Ordnung der Dinge"

Ordnung schaffende Hände - sokaeiko / www.pixelio.de
Ordnung schaffende Hände - sokaeiko / www.pixelio.de
Ein sensibles Selbstporträt eines gealterten Mannes, der sein Leben zurückblickend kritisch reflektiert und dazu zu verschiedenen Stationen zurückkehrt.

David möchte zurückkehren, an die Orte, die eine entscheidende Rolle in seinem Leben spielten. Orte der Veränderung, der Entwicklung, aber auch des Scheiterns und Vergessens. Mit seinen 61 Jahren blickt er zurück auf sein bisheriges Leben. Weiser und distanzierter besucht er nach und nach diverse Schauplätze seines Lebens, mit welchen er emotionale Erinnerungen verbindet. So beginnt er eine Zeitreise bei seiner ersten Liebe, oder besser gesagt, dem Ende seiner ersten großen Liebe. Allein in Südfrankreich besucht David zunächst das Café, in welchem er so oft an sie gedacht hat. Danach kehrt der Autor zu seiner früheren Highschool zurück - mit dem Gedanken an das Mädchen, das er zum ersten Mal geküsst hat. So entsteht die Gedankenreise in die Vergangenheit, über das Elternhaus und die verworrene Beziehung seiner Mutter zu seinem Vater, durchlebt er die gespaltenen Gefühle zu seiner Familie, seinen früheren Beziehungen und Freunden noch einmal.

Reisen um das Leben neu zu entdecken

Nicht umsonst trägt das Buch den Titel "Die perfekte Ordnung der Dinge", denn es geht um Ordnung und Abschluss lange zurück liegender Kapitel im Leben eines erwachsenen Mannes. So leicht kann man sich in David hineinversetzen, der nun Vater mehrerer erwachsener Kinder von verschiedenen Frauen ist, dem Wunsch nach Ordnung des Lebens nachzugehen und endlich aufzuräumen, um der Zukunft entgehen zu sehen.

Heute hier, morgen dort - ein Vagabundenleben mit Zielsetzung

David schlägt sich durchs Leben, wechselt seine Jobs wie seine Hemden, wenn er mal wieder ein Arbeitsangebot bekommt. Er interviewt die Beatles, heiratet mehrmals, jedes Mal der Hoffnung erlegen, die Liebe neu zu entdecken - denn die Liebe und die Leidenschaft sind Werte, die sein Leben prägen. Wie alle Menschen ist er auf der Suche nach dem Glück. Doch zunächst will David herausfinden, was "Glück" eigentlich ist.

Bestsellerautor von "Unser allerbestes Jahr"

Letztendlich ist dieses Werk eine Fortsetzung des Bestsellers "Unser allerbestes Jahr", in welchem der Autor über das Zusammenleben mit seinem Teenager-Sohn berichtet, der mit jungen 16 Jahren beschließt, nicht mehr die Schule zu besuchen. Vater und Sohn schließen ein Bündnis, drei Jahre lang drei Filme pro Woche zusammen anzuschauen, statt des täglichen Schulbesuchs. Es bleibt viel Zeit zum Nachdenken, zum Reden und Austauschen über das Leben und die Liebe.

Dem Protagonisten so nah

Wer David auf seiner Reise zurück in die Zukunft begleitet, lebt, leidet und liebt mit ihm. So eindrücklich, melancholisch und umwerfend ehrlich beschreibt er Misserfolge, Pleiten und Glücksgefühle, dass man meint, er sei selbst seit vielen Jahren ein gut bekannter Freund. Dies mag durchaus darin begründet sein, dass David Gilmour seine eigene Lebensgeschichte erzählt, die so realistisch erscheint, wie sie eben nur das Leben selbst schreiben kann.

David Gilmour, Die perfekte Ordnung der Dinge (Originaltitel: "The Perfect Order of Things"), S. Fischer Verlag, 1. Auflage Februar 2011, 252 Seiten, 18,95€

Jeannine Hélène Teichert - Erfolgreich abgeschlossenes Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien sowie absolviertes ...

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