
- Film Club - Dieter Schütz / www.pixelio.de
David und Jesse sind ein ungewöhnliches Gespann. David, der Vater von Jesse, hangelt sich mehr schlecht als recht mit Gelegenheitsjobs als Filmkritiker und Schriftsteller durchs Leben, verschleißt dabei mehrere Frauen und viele Flaschen Wein. Jesse, 16-jähriger Teenager in Kanada, hat überhaupt keine Lust mehr auf Schule und nichts kann ihn dazu bewegen diesen Ort jemals wieder aufzusuchen. Jegliche Versuche der getrennt lebenden Eltern Jesse für diverse Schulformen zu begeistern, schlugen fehl. Doch dann macht David Jesse ein überraschendes Angebot: Er muss nicht mehr in die Schule gehen, kann seinen Alltag gestalten wie und mit wem er möchte, jedoch ist er dazu verpflichtet, sich jede Woche zusammen mit David drei Filme anzuschauen und diese kritisch zu reflektieren.
Ein Teenagerleben mit Dramen und Aufruhr
Natürlich nimmt Jesse das Angebot dankend an - und kann nicht schnell genug seinen Freunden davon berichten. David und Jesse ziehen gemeinsam in das Haus von Jesses Mutter, da Davids Loft zu klein für zwei erwachsene Personen ist. Dort bewohnt Jesse die Keller-Etage. Ungestört verschläft er die Tage und bewegt sich erst spät nachts aus dem Haus, trifft seine Freunde und lebt sein eigenes Leben. Die beiden vervollständigen ihren Deal durch den Zusatz, dass Jesse keine Drogen nehmen darf - doch natürlich hält sich ein neugieriger Teenager nicht lange daran, was seine Erziehungsberechtigten ihm verbieten.
Ausgewählte Filmkritiken im Überblick inklusive
Trotz der Höhen und Tiefen, die sowohl David als auch Jesse stark mitnehmen, arrangiert sich das Vater-Sohn-Gespann für ganze drei Jahre voller anspruchsvoller Filme, die David, als Kenner seines Fachs, auswählt. Immer wieder versucht er Jesse für die Filmkultur zu interessieren und gibt ihm Denkanstöße zur Interpretation, der sich zunächst dagegen sperrt.
Dünne Bänder können leicht zerreißen
Die Jahre ziehen vorbei während sich Jesse und sein Vater immer näher kommen. Jesse beweist viel Mut, Vertrauen und Offenheit, wenn er seinem Vater nach und nach von den eigenen Liebschaften, Freundinnen und Beziehungsproblemen berichtet, mit dem er zu Beginn kaum Gesprächsbedarf hatte. David zeigt sich dabei als sehr verständnisvoller und einfühlsamer Vater, er hört Jesse geduldig zu und schwenkt ab und an in Erzählungen aus seiner eigenen Jugend ab, um seinem Sohn Mut für die Belastungsproben zu geben, die das Leben noch bereit hält.
Der Autor
Das Buch basiert auf der wahren Geschichte von Jesse und David Gilmour. Durch seine Arbeit als freier Journalist , Filmkritiker, Fernsehmoderator und Autor konnte sich David seine Zeit für Jesse flexibel einteilen und ihn dadurch sehr unterstützen. Er hat später u.a. das Buch "Die perfekte Ordnung der Dinge" geschrieben, in welchem er sich wieder selbst als Protagonisten inszeniert.
David Gilmour, Unser allerbestes Jahr (Originaltitel: "The Film Club"). Roman. S. Fischer Verlag, 5. Auflage, August 2010, 253 Seiten, 9,95€
