Drei Versuche brauchte es von David Lama, dann schaffte er mit seinem Partner, dem Osttiroler Kletterer und Eiskletterer Peter Ortner, die gefürchtete Kompressorroute am Cerro Torre „by fair means“, also frei zu klettern. Nun gibt es neben einem Film auch das Buch dazu:
Free: Der Cerro Torre, das Unmögliche und ich.

Die Klettermeldung vom 25. Januar 2012

Am 25. Januar ging die Meldung erstmals durch die Kletterszene: "Die Kompressorroute geknackt."

Originalton "David Lama": „Ich kann es nicht glauben … Mehr als drei Jahre lang war ich von der Idee, die "Kompressorroute" am Cerro Torre frei zu klettern, getrieben – und nun ist dieser Traum Wirklichkeit geworden!“ Weiter schreibt er: „Am 19. Januar starteten Peter Ortner und ich in El Chalten und wanderten zum Nipo Nino, unserem ersten Camp. Am nächsten Morgen kletterten wir auf die Schulter (Col de la Paciencia). 24 Stunden, dann war der Traum erfüllt“, berichtet David Lama auf seiner Facebook-Seite.

Als erste Alpinisten schafften sie ohne technische Hilfsmittel der berühmt-berüchtigten Kompressorroute entlang, über die Südostflanke auf den 3.128 Meter hohen, markanten Granitzahn in Patagonien zu gelangen.

Interview UKClimbing

Der Traum von Cerro Torre, im Buch "High" bereits beschrieben

Nicht nur in seinem Buch "High, genial am Berg", sondern auch in einem weiteren Interview 2009 spezifizierte David Lama nochmals, warum ihn die Kompressorroute so fasziniert. „Früher war für die Alpinisten der Gipfelsieg das große Ziel. Wie man diesen jedoch erreichte stand eher im Hintergrund – so wurden zur Fortbewegung auch technische Hilfsmittel, wie Haken, Trittleitern und anderes Material verwendet.“ "Bergleben 4. 11. 2009". Heute ist "Freiklettern" die Herausforderung.

Was ist die Kompressorroute am Cerro Torre?

Der Cerro Torre (3.128 m) ist ein imposant in den Patagonischen Himmel ragender Granitzahn an der argentinisch-chilenischen Grenze. Nicht nur die sehr steilen und glatten Wände machen ihn so schwierig zu begehen, sondern auch die extremen Wetterverhältnisse.

Die erste Begehung schaffte der Italiener Cesare Maestri 1970 im vierten Anlauf. Allerdings musste er dafür mithilfe eines Kompressors an die 300 Bohrhaken festmachen. Was ihm nicht nur Lob und Anerkennung brachte. Seither ist diese Route als die „Kompressorroute“ bekannt. Der Kompressor hängt heute noch quasi als mahnendes schlechtes Beispiel im Gipfelbereich.

Was bedeutet „frei klettern“ oder „by fair means“?

Eine “freie Rotpunkt-Begehung” – bedeutet, dass bei einer Besteigung lediglich die Felsstrukturen zum Klettern genutzt werden dürfen und die vorhandenen Haken rein zur Sicherung verwendet werden. Auch bedeutet dies, dass die Kletterer nichts im Fels hinterlassen dürfen. Da beginnt auch die Kritik am Projekt "Cerro Torre" rund um David Lama in Verbindung mit Red Bull. Denn es gibt nicht nur uneingeschränktes Lob, sondern auch kritische Stimmen zum Projekt Cerro Torre, zumindest was das Jahr 2009 betrifft.

Red Bullshit: Kritische Stimmen zum Team um David Lama und den Sponsor Red Bull

2009 fügten nämlich Expeditionsmitglieder seiner Crew, die den von Red Bull gesponsorten Athleten filmerisch begleiteten, der Kompressorroute einige neue Bohrhaken hinzu, was zu einem Aufschrei in der Szene sorgte. Was dem erklärten Ziel "Frei Klettern"-Originalwortlaut: “Daniel and myself will be carrying all of our stuff into the park and out again. Transport flights are forbidden, but it’s not in our interest to leave any traces anyway.”, erheblichen Abbruch tat. Zurücklassen von Material am Berg ist in der Szene der Freikletterer nämlich so etwas wie eine Todsünde. Die Mannschaft von Red Bull Media House hat allerdings damals 60 zusätzliche Bolts in die Tour gebohrt und über 700 Fixseile in der Route hinterlassen. Red Bullshit.

David nimmt dazu Stellung, mit der Entschuldigung, dass es ja quasi das Filmteam war und es eigentlich vorgesehen war, alles wieder mitzunehmen. Was leider durch ungünstige Umstände und so weiter verhindert wurde. Tja, "Shit happens." War folgende Aktion die Antwort darauf?

Der Kanadier Kennedy (21) und der Amerikaner Kruk (24) entfernten an die 100 Bohrhaken aus der Kompressorroute

Nur wenige Tage vor der Begehung durch Lama und Ortner schafften die Beiden, Hayden Kennedy und Jason Kruk "by fair means" oder fast „fair means“, am 17. Januar eine zuvor schon oft versuchte Route über den Südostgrat und die Südostwand, die in den entscheidenden Passagen nicht den Bohrhaken von Cesare Maestri aus dem Jahr 1970 folgt. Unter Verwendung von fünf zusätzlichen Bolts konnten Kennedy und Kruk ihre Linie im Grad 5.11 mit einer Passage A2 klettern. Im Abstieg betätigten sie sich als unangemeldete Müllmänner und entfernten, sage und schreibe 100 Bohrhaken. Deren Fehlen allerdings dann David Lama und Peter Ortner ihre Aufgabe ordentlich erschwerten, weil sie zur Sicherung sehr wohl einige dieser Punkte gebraucht hätten. Ein Schelm, der Böses oder Absicht dahinter vermutet.

Kommentar des Patagonienspezialisten Rolando Garibotti: "The Compressor route is no more."

„It takes two to Tango!“

Eine Frage sei dem klettertechnischen Laien, und davon gibt es genug, erlaubt: David Lama als alleiniger Held? Was ist mit dem dazugehörigen Partner? Hat er den eigenhändig als Ballast hochgezogen oder braucht man den zweiten Mann, um das Unterfangen zu bewältigen?

„It takes two to Tango!“, heißt das geflügelte Wort und das gilt auch beim Klettern. Genauso, wie Gerlinde Kaltenbrunner nie alleine die 14 Achttausender bezwungen hätte, sondern immer ein kongeniales Team dazu brauchte, genauso verhält es sich mit David Lama. Ohne seine Leistung zu schmälern, alleine sind solche Begehungen nicht zu schaffen. Darum ist es an der Zeit auch die Partner, die mehr als nur hübsches Beiwerk sind, ebenfalls hervor zuheben.

Man braucht einen Partner, der einen sichert, der einen trägt, wenn die moralischen Kräfte ausgehen. Der einen auffängt, wenn die Ideen ausgehen, der den anderen auch von Leichtsinn abhält. Darum gebührt auch hier die Anerkennung an die Partner. Sowohl bei den zwei erfolglosen Begehungen, die aber viel Wissen brachten, nämlich 2009/10 Daniel Steuerer und 2010/11 und 2012 erfolgreich der Osttiroler Peter "Luner" Ortner. Bitte gemeinsam vor den Vorhang!

Bilder von David Lama von Cerro Torre – veröffentlicht bei redbull.com

Quellen: David Lama Facebook; planetmountain.com; bergleben.de; supertopo.com

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