DDR-Motorräder leben durch Jürgenstorfer Oldtimerclub e.V. weiter

Sonderausstellung 2010: 60 Jahre IFA RT 125 ccm - Foto: Klämt, Gundula (08/2010)
Sonderausstellung 2010: 60 Jahre IFA RT 125 ccm - Foto: Klämt, Gundula (08/2010)
Seit 2007 existiert im mecklenburgischen Jürgenstorf ein DDR-Motorrad-Museum, in dem neben einer Dauerausstellung wechselnde Sonderschauen zu sehen sind.

40 Jahre DDR brachten nicht nur Schlechtes zutage, so insbesondere die Zschopauer Motorräder. Darauf besannen sich anno 2002 acht bekennende Liebhaber der DDR-Zweiräder und gründeten den „Jürgenstorfer Oldtimerclub e. V.“, um sich organisiert für die Erhaltung und die Überlieferung von Motorrädern aus der DDR-Produktion zu engagieren.

Sammlerleidenschaft fand seltene Maschinen aus dem Osten

Fünf Jahre nach der Gründung war eine stattliche Sammlung alter und neuer, besser oder schlechter erhalten gebliebener Modelle von vor 1990, nicht nur aus der DDR, sondern auch aus den damaligen Ostblockstaaten Tschechoslowakei, Ungarn und UDSSR (CCCP) zusammengekommen. In ungezählten Stunden ihrer Freizeit restaurierten die Hobbybastler vergessene Maschinen und retteten sie vor dem Verfall.

Motorrad-Oldtimer-Museum im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns

Die Idee, eine Dauerausstellung einzurichten, lag nahe. Zu den eigenen Motorrad-Oldtimern sollten sich Leihgaben der wachsenden Zahl an Vereinsmitgliedern und anderer DDR-Zweirad-Besitzer gesellen. In der Gemeinde Jürgenstorf zwischen Waren an der Müritz und der Reuterstadt Stavenhagen wurde bis 2007 ein Gebäude aufwendig saniert, renoviert und modernisiert. Nunmehr schließt sich einem Saal von circa 300 m² Ausstellungsfläche über eine Glasvitrinenwand die Gaststätte „Radhaus“ an. Sogar übernachtet werden kann neben dem Motorrad-Oldtimer-Museum in vier Fremdenzimmern.

Wechselnde Sonderaustellungen seit 2008

Neben der begeisternden Dauerausstellung von circa 100 Exponaten wurde erstmals im Jahr 2008 eine Sonderausstellung und zwar über die einst beliebten SIMSON-Mopeds aus Suhl gezeigt. Alle Typen von der Vogelserie Schwalbe, Star, Habicht und Spatz über SR1 und SR2 bis zur S50 und S51, die zwischen 1955 und 1989 vom Band rollten, waren vertreten. Im Jahr 2009 folgte eine Sonderausstellung zur MZ-ETS. Diese Maschine aus Zschopau wurde nur vier Jahre lang zwischen 1969 und 1973 gebaut. 1969 kam die 130 km/h schnelle Straßensportmaschine ETS 250 „Trophy Sport“ mit einem 22-l-„Büffeltank“ heraus. Sieben ETS-Modelle konnten schließlich ausfindig gemacht und für die Sonderausstellung 2009 des Museums gewonnen werden.

Dauerexponate seit 2007

Unter den Einzylinder-Teleskopgabel-Schwingen (ETS) der Motorwerke Zschopau (MZ) war eine ETS Escort, die DDR-Regierungsmitglieder begleitete. Dieses Motorrad ist heute Exponat der Dauerausstellung. Daneben sind Maschinen der Marken AWO, MZ mit den Typen RT, BK, ES, ES „Trophy“ und ETZ als auch der Marken SIMSON, tschechische JAWA, ungarische PANNONIA sowie Ludwigsfelder Motorroller wie TROLL und WIESEL ständige Schau-Zweiräder des Museums. Viele Exemplare wurden sowohl solo als auch im Gespannbetrieb wie etwa die BK (Boxer, Kardan) 350 oder die ES 300 jeweils mit Seitenwagen der Leipziger Firma Stoye hergestellt.

Sonderschau zum 60. Geburtstag der IFA-RT 125 ccm im Jahr 2010

2010 lautet das Motto der Sonderschau „60 Jahre IFA-RT 125 ccm“. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1946/47 wagte die Industrievereinigung Fahrzeugbau (IFA) den Neustart in der Motorradkonstruktion, nachdem die DKW bereits 1940 eine richtungweisende RT 125 entworfen hatte und das Werk 1945 zwischenzeitlich demontiert worden war. DKW stand für "Des Knaben Wunsch" und später für "Das Kleine Wunder". 1949 stellte die IFA den Prototyp des Leichtmotorrades IFA-RT 125 auf der Leipziger Messe vor. Die Maschine der Zschopauer Motorradbauer setzte in ihrer Klasse international neue Maßstäbe. Ab 1950 wurde die Maschine mit 123-cm³-Einzylinder-Zweitaktmotor, 5 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h produziert.

DDR-Zweirad RT 125 setzte international neue Maßstäbe im Motorradbau

Neu waren das Fahrwerk mit geschlossenem Stahlrohrrahmen, die Teleskopgabel vorn und die Geradeweg-Hinterradfederung. Mit dieser fortschrittlichen Motorradkonzeption galt die IFA-RT 125 jahrelang als Niveau bestimmend unter den Zweitaktmotorrädern. 1953 kam die Weiterentwicklung des Motorrades zur RT 125/1, und drei Jahre darauf zur RT 125/2 mit 6 PS und 80 km/h heraus. Die RT 125/2 wurde bis 1958 gefertigt. Es folgte die RT 125/3, die von 1959 bis 1962 mit einer Gesamtstückzahl von 300.000 vom Band lief.

Das Vereinsleben der (N)ostalgie-Biker

Der Jürgenstorfer Oldtimerclub e.V. betreibt nicht nur das Technikmuseum. Die Mitglieder nehmen mit ihren liebevoll restaurierten und gepflegten Zweirädern an etlichen Kfz-Treffen und lokalen Festen und Umzügen teil. So fahren sie beim Lichterfest am Kummerower See, beim Landesschützenfest MV in der Reuterstadt Stavenhagen oder bei Turnieren des Reit- und Fahrvereins in Voßhagen vor. Teilgenommen wird zudem am Ivenacker Gemeindefest und selbstverständlich am Dorffest der Gemeinde Jürgenstorf, das die (N)ostalgie-Biker mit organisieren. Als Tradition haben sich die Frühjahrs- und die Herbstausfahrt sowie die Vereinsweihnachtsfeier etabliert.

Öffnungszeiten des Oldtimermuseums und Mitgliedschaft im Verein

Interessierten stehen die Türen des Zweiradmuseums im Sommer (1.5.-30.9.) Mittwochs bis Sonntags zwischen 13.00 und 17.00 Uhr sowie im Winter (1.10.-30.4.) Mittwochs von 16.00-19.00 und Samstag/Sonntag 14.00 bis 17.00 Uhr offen. Außerhalb dieser Zeiten können Museumsführungen vereinbart werden. Neue Vereinsmitglieder sind immer willkommen (Jahresbeitrag z. Zt. 25,- €). Zudem werden Sponsoren für die Anschaffung neuer Exponate, die Unterhaltung des Museums und für Vereinsaktionen gesucht.

Über die Sonderausstellung 2011 zum Thema "DDR-Motorsport" >>

Quellen:

  • Klämt, Hans-Jürgen (2010): Museumsführung mit dem Vorstandsmitglied des Jürgenstorfer Oldtimerclub e. V., Hofweg 10, 17153 Jürgenstorf
  • Pester, Eberhard (1989): MZ - Konzept des Fortschritts. In: Urania Universum, Band 35, S. 99ff. Urania-Verlag Leipzig, Jena, Berlin

Gundula Klaemt - Liebe Leserinnen und Leser, als universitärer Master of Science (M.Sc., früher Dipl.-Ing.) in "Umweltschutz" interessieren ...

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