
- Debbie Macomber - www.mira-taschenbuch.de
Wer sagt eigentlich, dass Liebesromane langweilig und einfach gestrickt sein sollen? Wieso sollten sie vorhersehbar sein? Debbie Macomber beweist wieder einmal, dass es auch anders geht.
Debbie Macombers „Der Garten des Lebens“ ist ein Liebesroman vom Feinsten.
Nachdem Susannahs Vater starb, ist nichts mehr wie bisher. Plötzlich fühlt Susannah sich in ihre Jugend zurückversetzt, damals, als sie sich heimlich mit Jake, dem „bad boy“ der Stadt, in „Susannahs Garten“ traf. Jake war nicht die Partie, die ihre konservativen Eltern sich für sie ausersehen hatten. Nun, nach zwanzig Jahren Ehe, fragt sich Susannah, was geschehen wäre, wenn sie und Jake doch ein Paar geblieben wären. Hier setzt die Geschichte ein.
Debbie Macombers Frauenroman rund um die verlorenen Möglichkeiten
Jeder Mensch muss in seinem Leben unumgängliche Entscheidung treffen. Später taucht die Frage auf: Was wäre, wenn man sich damals anders entschieden hätte? Wäre das Leben leichter gewesen? Hätte man mehr Liebe erfahren? Wäre der andere Weg der Richtige gewesen?
Müßige Fragen, gewiss, aber auch Ungewissheiten, mit denen sich vor allem Menschen um die Lebensmitte auseinandersetzen. Trauer und Verlust, das Älterwerden und das Erwachsenwerden der Kinder konfrontieren uns mit diesen existenziellen Fragen.
Susannah macht sich auf den Weg und bekommt Antworten. Nicht die, die sie gesucht hat. Auch nicht die, die sie erwartet hat. Aber die, die ihr ermöglichen, sich mit der Vergangenheit und ihrem Vater zu versöhnen.
Debbie Macomber – eine geborene Geschichtenerzählerin
Debbie Macomber wird oft mit Nora Roberts, der Vielschreiberin, verglichen. Aber ihre Personen sind vielschichtiger; die Geschichten runder, und sie vermag die Perspektive zu halten. Als Leser fällt es einem deshalb leichter, sich mit den Personen zu identifizieren, statt nur als Betrachter außen vorzubleiben.
Auch dieser Roman ist komplex. Es geht um Liebe, wie in so vielen Frauenromanen. Natürlich, was sonst, wo Debbie Macomber doch eine der renommiertesten amerikanischen Liebesromanautorinnen ist.
Aber weil Liebe bekanntlich das ist, was die Welt zusammenhält, geht es nicht nur um Liebe zwischen den Geschlechtern. Macomber schreibt auch über die Liebe der Eltern zu ihren Kindern, die oft einen Preis hat, den man nicht glaubte, bezahlen zu wollen oder zu müssen. Es geht um Altwerden und Erwachsenwerden.
Debbie Macomber besticht durch starke Persönlichkeiten und flüssige Sprache
Debbie Macomber liefert gute Geschichten, die in sich rund sind und in denen sich der Leser wiedererkennen kann. Sie zeigt das Leben im familiären Kreis, mit seiner Geborgenheit und seinen Brüchen und kommt damit erstaunlich nah an die Lebenswirklichkeit der Leser heran.
Ihre Personen entwickeln sich; sie sind nicht statisch, sondern voller Profil und starke Charaktere. Und all das vermag die Autorin mit einer flüssigen Erzählsprache zu transportieren, die sich angenehm liest. Gekonnt hält sie die Spannung bis zum Schluss aufrecht und überrascht dann immer noch!
Ein klitzekleines Minus, das man aber als Leser gern in Kauf nimmt: Macomber brauchte nun wirklich nicht alle Gedanken der Personen ausdrücklich auszusprechen. Oft sind sie aus dem Handeln der Person erkennbar.
Alles in allem ein Genuss für alle, die (Frauen) Romane voller Gefühle lieben. Anrührend, ohne kitschig zu sein.
Debbie Macomber: Der Garten des Lebens. Broschiert. 412 Seiten. Mira Taschenbuch 2010. 7,95€.
