"Deep Blue Sea" – Renny Harlins Haie beißen ab 20.8. auf blu-ray

Steven Spielbergs "Der weiße Hai" stand Pate für Renny Harlins "Deep Blue Sea". Technisch glänzender Unterwasserthriller mit Samuel L. Jackson und CGI-Haien

Schreien Sie Barracuda, dann werden sie sagen: Häh? Was? Schreien Sie Haie, dann haben wir am 4. Juli eine handfeste Panik“, bemerkte Murray Hamilton in seiner Rolle als geschäftstüchtiger Bürgermeister in „Der weiße Hai“ sehr richtig. Tatsächlich ist die Gefahr, Opfer eines Haiangriffs zu werden, ungemein gering. Dennoch verbreiten diese Raubfische Angst und Schrecken, wiewohl nur die wenigsten Arten dem Menschen gefährlichen werden können. Kein Wunder also, dass Hollywood die Urangst vor diesen beeindruckenden Lebewesen mit Freude immer wieder aufs Neue bedient.

Der bekannteste und wohl auch beste Film rund um Haie stellt bis heute Steven Spielbergs erster großer Blockbuster „Der weiße Hai“ dar. Ein Vierteljahrhundert später brachte „Die Hard“-Regisseur Renny Harlin seine bissige Tierhorrorversion in die Kinos. Auch wenn der finanzielle Erfolg weitaus bescheidener war, durfte der gebürtige Finne mit den Einspielergebnissen zufrieden sein. Am 20. August 2010 erschien die blu-ray, die Fans von „Deep Blue Sea“ die Möglichkeit einräumt, den Unterwasserthriller in brillanter Bild- und Tonqualität zu genießen.

Hai-Tech für guten Zweck

Einst als U-Boot-Hafen genutzt, wird die unter Wasser gelegene „Aquatica“ von einem Bio-Tech-Konzern als Forschungslabor genutzt. Hier forscht die ehrgeizige Dr. Susan McAlester (Ex-Model Saffron Burrows) an einem Heilmittel gegen Alzheimer. Ausgerechnet in den Gehirnen der riesigen, gefährlichen Mako-Haie befindet sich jene Substanz, die den Durchbruch bei der Behandlung dieser Krankheit bedeuten könnte.

Dr. McAlester – deren eigener Vater einst an Alzheimer erkrankte und verstarb – verändert im Rahmen der Forschungen die DNS einiger Mako-Haie, um deren Gehirne zu vergrößern, was die Menge dieser wertvollen Substanz erhöhen würde. Allerdings erhöht sich auch die Intelligenz der Tiere, was schon rasch zum Ausbruch einiger Exemplare und somit akuter Bedrohung ahnungsloser Schwimmer führt.

Durch diesen Zwischenfall beunruhigt nimmt Finanzgeber Russell Franklin (Samuel L. Jackson) die Station persönlich unter die Lupe. Als ein Sturm aufzieht, geraten die Forschungsmitglieder in höchste Lebensgefahr. Denn die gentechnisch veränderten Haie beweisen ungewohnte Kreativität beim Dezimieren der Besatzung …

„Deep Blue Sea“ ist kein Remake vom „Weißen Hai“

So nahe der Verdacht auch liegen mag: „Deep Blue Sea“ ist keineswegs eine schamlose Kopie von Steven Spielbergs Klassiker „Der weiße Hai“. Im Gegenteil: Regisseur Renny Harlin überhöht den Hai-Mythos ins Absurde und entzieht ihm somit die durchaus realistische Basis, auf der Spielbergs Film fußte. Aus den territorial veranlagten Fressmaschinen modellierte Harlin hochintelligente Raubfische, deren Gehirne durch gentechnologische Updates phantastische Leistungen vollbringen.

Das ist natürlich alles andere als originell oder innovativ. Spätestens seit Mary Shelleys Roman „Frankenstein“ gilt technologischer Ehrgeiz als fürchterliche Hybris, die ihren Schöpfer schlussendlich zerstört. In Filmen wie eben „Deep Blue Sea“ mögen die Gründe für die gefährlichen Experimente noch so hehr sein: Der Preis des Wissensdranges erweist sich ein ums andere Mal als viel zu hoch.

LL Cool J sticht Samuel L. Jackson aus

Der dünnen und moralinsauren Handlung passen sich die schauspielerischen Leistungen nahtlos an. Das ehemalige Model Saffron Burrows ist zwar hübsch anzusehen, verbirgt ihre Rolle als Intelligenzbestie jedoch hinter aufreizender Kleidung, die im Laufe des Filmes an Größe stetig abnimmt.

Weniger figurbetont gibt sich Veteran Samuel L. Jackson, dessen Performance in „Deep Blue Sea“ deutlich unter den Erwartungen bleibt. Überraschenderweise spielt sich Rapper LL Cool J (eine Abkürzung für: „Ladies Love Cool James“) ins Zentrum des Geschehens und legt großes Talent an den Tag, das er etwa in „Mindhunters“ (wiederum unter der Regie von Renny Harlin) erneut unter Beweis stellen konnte. Immerhin gehört doch eine Menge Talent dazu, als Rapper glaubwürdig einen bibelfesten Koch verkörpern zu können.

Special Effects vom Feinsten, Logik vom Kleinsten

Eigentlicher Star von „Deep Blue Sea“ sind aber natürlich die Special Effects, vornehmlich die computergenerierten Haie. Diese sind auch bitter nötig, um von den massenhaft vorhandenen Ungereimtheiten abzulenken.

Beispielsweise erschließt sich nicht, weshalb ausgerechnet eine der gefährlichsten Hai-Arten für die Experimente genutzt wird und nicht eine der vielen ungefährlichen. Genauso wenig lässt sich schlüssig erklären, wie diese Raubfische die Regler eines Herds bedienen können, geschweige denn, wie sie in der Lage sein sollen rückwärts zu schwimmen. Mysteriös muten auch die sonstigen selektiven körperlichen Fähigkeiten an, die die Haie zwar befähigen Metall zu durchstoßen, aber an ganz normalem Glas zu scheitern.

„Deep Blue Sea“: Anspruchslose Unterhaltung

Aber spielt dies bei einem solchen Film überhaupt eine entscheidende Rolle? Denn zugegebenermaßen will sich „Deep Blue Sea“ gar nicht erst als Genreklassiker empfehlen, sondern einfach nur unterhalten. Und dieses Anliegen gelingt dem Film immerhin ganz passabel. Schafft es der Zuschauer über die zahlreichen logischen Brüche und Absurditäten hinwegzusehen, erwarten ihn rund 100 Minuten belangloser Action mit bissigen Kreaturen.

„Deep Blue Sea“ reicht an „Der weiße Hai“ natürlich nicht im Geringsten heran. Für gute Unterhaltung vermag er dennoch zu sorgen, vor allem auf blu-ray, um die Special Effects in würdiger Darstellung genießen zu können.

Erscheinungstermin der Blu-ray „Deep Blue Sea“ ist der 20. August 2010.

Rainer Innreiter, Rainer Innreiter

Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

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