Definition von Kunst

Eine Untersuchung philosophischer Positionen

Wodurch definiert sich Kunst? Für viele Philosophen steht bei der Beurteilung eines Werkes der Betrachter im Vordergrund. Ein Kunstwerk muss etwas im Rezipienten auslösen

Nicht jedes Bild, welches mit Gefühl, einer Intention oder nach den Maßstäben einer Epoche gefertigt wurde, wird als Kunstwerk bezeichnet (Vgl: Was ist Kunst?). Wichtig ist also die Frage nach dem gemeinsamen Nenner, den alle Kunstwerke in sich vereinen. Wonach wird Kunst von wem bewertet und wann wird ein Werk zur Kunst? Bestimmen Kenner den Wert von Kunstwerken oder können auch einfache Laien Bilder und Skulpturen bewerten? Gerade in Zeiten, in denen moderne Kunst eine Rolle spielt, stellt sich für viele die Frage, was eine Arbeit zu einem Kunstwerk macht.

Der Rezipient als Bewertender

Für die Bewertung eines Kunstwerks muss der Rezipient zwangsläufig zuständig sein, da wohl jeder Künstler sein eigenes Werk als Kunst bezeichnen würde, damit aber noch lange nicht die Zustimmung in Fach- oder Laienkreisen erhält.

Zunächst einmal muss ein Rezipient da sein, der einem Werk einen künstlerischen Wert zuspricht. Das Kunstverständnis der Rezipienten unterliegt, ebenso wie die Ansprüche der Epochen an die Kunst, einem Wandel. So konnte Vincent van Gogh etwa zu Lebzeiten keines seiner Werke verkaufen, zählt aber heute zu den bekanntesten Künstlern.

In früheren Epochen der Kunstgeschichte waren Kunstwerke noch nicht in dem Maße umstritten wie in der heutigen Zeit. Ein Grund hierfür könnte die Ständegesellschaft sein: Handwerker, Bauern und niedere Schichten arbeiteten hart für ihr tägliches Brot und hatten weder Zeit, noch Geld um sich mit Kunst zu beschäftigen. Dadurch, dass es noch keine Medien wie Buchdruck oder Internet gab, war der Bereich der Kunst nur wenigen Leuten zugänglich, vornehmlich dem Adel und dem reichen Bürgertum. Hier war also das Publikum, welches über Werke diskutierte, ein viel kleineres als in der Moderne und der zeitgenössischen Kunst. Hinzu kommen die Anforderungen an die Kunst, welche durch die jeweilige Epoche gegeben werden. Der Personenkreis der Rezipienten war von der gleichen Kultur geprägt, wie der Künstler selbst. Durch die neuen Medien wächst nicht nur der Rezipientenkreis an, auch Kulturen werden vermischt, Künstler und Rezipienten kommen vermehrt in Kontakt mit Idealen und Wertvorstellungen anderer Nationen. Durch dieses Wachstum von Einflüssen und Rezipienten müssen zwangsläufig die verschiedenen Meinungen der unterschiedlich geprägten Rezipienten weit auseinander gehen in der Beurteilung moderner und zeitgenössischer Kunst, welche ebenfalls durch die verschiedensten Einflüsse geprägt wird.

Dennoch reicht es nicht, wenn ein Rezipient ein Werk als Kunst beurteilt oder viele Rezipienten einem Werk den künstlerischen Inhalt absprechen. Ein allgemeingültiges Urteil, ob ein Werk nun Kunst ist oder eben nicht, sollte gefunden werden.

An erster Stelle sollte hier das Argument des ästhetischen Empfindens stehen: Ein Werk ist dann als Kunst zu bezeichnen, wenn es im Rezipienten ein ästhetisches Erlebnis auslöst. Die Ästhetik darf hierbei jedoch nicht in dem alltagssprachlichen Verständnis aufgefasst werden, welche Ästhetik mit Schönheit gleichsetzt. Ein ästhetisches Empfinden beim Betrachten, Lesen oder Hören eines Werkes muss nicht bedeuten, dass der Rezipient das Werk „schön“ findet. Die Beurteilungen nach den Kategorien „schön“ beziehungsweise „hässlich“ ist eine subjektive Betrachtungsweise und damit nicht geeignet, um eine möglichst allgemeine Definition für Kunst zu finden. Daher sollte der Begriff der Ästhetik im Sinne der sinnlichen Erkenntnis nach Alexander Gottlieb Baumgarten verstanden werden. Sie ist eine sinnliche Wahrnehmung und Erfassung von Eindrücken. Diese Formulierung bleibt wertneutral und schließt damit nicht aus, dass der Rezipient einen schönen, hässlichen, eleganten, witzigen oder schockierenden Eindruck von dem Werk bekommt.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass ein Werk in den Rezipienten einen Eindruck hinterlassen muss, völlig egal, ob dieser Eindruck positiver oder negativer Natur ist. Nach Immanuel Kant zeichnet sich Kunst etwa dadurch aus, dass sie im Menschen Lust und Unlust zugleich auslöst, also besteht auch hier der Ansatz, dass der Rezipient etwas empfinden muss, wenn er sich mit einem Kunstwerk beschäftigt. Laut Kant müssen die zu beurteilenden Werke zudem ausschließlich durch sich selbst wirken.

Das ästhetische Empfinden des Rezipienten allein kann allerdings auch nicht ausschlaggebend für die Beurteilung sein. So wird etwa ein Bild, welches ein Tier angefertigt hat, nicht als Kunst bezeichnet, da das Ergebnis des Malprozesses ein zufälliges ist. Die Definition muss also um den Aspekt der Intention erweitert werden: Der Künstler muss etwas empfunden, sich etwas gedacht haben, was dazu führt, dass er ein Werk schafft. Dabei bekommt das Werk eine Mitteilungsfunktion.

Die Intention des Künstlers ist nicht immer offensichtlich, manchmal diskutabel, teilweise muss man sich mit dem Umfeld und der Gesellschaft, in der der Künstler lebt, beschäftigen, um beispielsweise Gesellschaftskritik zu erkennen oder die Gefühle nachzuempfinden. Das Kunstwerk besteht folglich aus mehr, als dem sichtbar Dargestellten, schließlich kann man Gefühle und Ideen nicht darstellen, sondern höchstens vermitteln. Es zeugt von Kunstfertigkeit, wenn es dem Künstler gelingt, durch sein Werk etwas an den Rezipienten weiter zu geben, ihn zu berühren und zum Nachdenken zu bringen. Diese unsichtbare Funktion eines Kunstwerks lässt sich nur erfahren.

Positionen einiger Philosophen

Einige Theoretiker machten den Versuch, das Unsichtbare der Kunst begrifflich zu fassen. Walter Benjamin etwa beschäftigt sich mit dem Begriff der Aura. Diese bezeichnet die Ausstrahlung eines Kunstwerks, welches sich durch Einmaligkeit auszeichnen muss und dadurch, ein nicht reproduzierbares Empfinden im Rezipienten auslösen zu können. Auch Georg Wilhelm Friedrich Hegel befasste sich mit dieser Aura, welche er als „sinnliches Scheinen der Idee“ bezeichnete. Bei Theodor W. Adorno wird dieses Thema unter dem Begriff des „Mehr“ aufgegriffen. Nach seiner Theorie besteht ein Kunstwerk aus mehr als den bloßen Einzelteilen. Zerlegt man das Werk in seine Bestandteile, so fehlt dieses „Mehr“. Dieses Element erscheint nur in einem vollendeten und aus den Einzelteilen zusammengesetzten Werk. Es lässt sich also sagen, dass dieses „Mehr“ beziehungsweise die Aura oder das Scheinen ein Kunstwerk ausmachen. Unter der vorangegangenen Argumentation könnte man dieses unsichtbare Element, das „Mehr“, welches schon verschiedene Philosophen beschäftigte, schließlich auch mit der Intention und den vermittelten Gefühlen des Künstlers gleich setzen.

Zusammenfassung

Zum Schluss lässt sich also sagen, dass Kunst sich dadurch auszeichnet, dass sie in allen Menschen gleichermaßen ein ästhetisches Empfinden auslöst – also einen Eindruck hinterlässt – und dass sie den Rezipienten das unsichtbare „Mehr“ vermittelt und spüren lässt – also zum Nachdenken oder Fühlen anregt. Dabei ist jedoch wichtig, dass das Kunstwerk etwas Neues und Einzigartiges hat (Vgl. W. Benjamin) und der Künstler ein gewisses Können hat, welches ihn von der Masse abhebt.

Patricia Kutsch, Patricia Kutsch

Patricia Kutsch - Ich bin in Marburg geboren und lebe noch heute im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Von 2005 bis August 2010 war ich dort für die ...

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