DEGAM-Leitlinie für EHEC-HUSEC041: Symptome, Diagnose & Therapie

EHECs haften sich mit Sockeln an Darmzellen - Manfred Rohde, Helmholtz-Zentrum für Infektionsfor
EHECs haften sich mit Sockeln an Darmzellen - Manfred Rohde, Helmholtz-Zentrum für Infektionsfor
DEGAM veröffentlicht S1-Leitlinie mit Algorithmus für Patienten mit Durchfall und Verdacht auf EHEC: Zur Therapie keine Antibiotika, Soliris wird erprobt.

Die Medien berichten über mysteriöse EHEC-Bakterien, in die hausärztlichen Praxen kommen besorgte Patienten mit Angst und Durchfall – doch auch in Norddeutschland, Ostdeutschland und Süddeutschland handelt es sich meist nur um eine einfache Diarrhoe: Wissenschaftler am Institut für Hygiene des Universitätsklinikums in Münster (UKM) um Prof. Dr. Helge Karch bieten seit dem 30. Mai 2011 einen EHEC-Schnelltest mit 100-iger Test-Spezifität für das Serovar HUSEC041 (O104:H4) des enterohämorrhagischen Escherichia coli-Bakteriums (EHEC) an – für Hausärztinnen und Hausärzte hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) am 31. Mai 2011 eine zweiseitige "S1-Leitlinie EHEC / HUS" mit Empfehlungen für Diagnostik, Therapie und Patientenberatung herausgegeben.

Infektionsweg des EHEC-Erregers HUSEC041

Bisher meldeten das Robert Koch-Institut (RKI) und andere Institutionen seit Anfang Mai in Deutschland und im europäischen Ausland über 1.500 Personen mit EHEC-Verdachtsfällen und EHEC-Infektionen, wobei über 300 Personen am sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankten und mehrere Patienten verstorben sind. Nur in Deutschland sind laut RKI bis zum 3. Juni 2011 bisher 17 Todesfälle zu beklagen, 1.213 EHEC-Fälle wurden übermittelt. Als Infektionsquelle für EHEC vermutet man kontaminierte Lebensmittel wie zum Beispiel spanische Gurken: Allgemein ist bei der EHEC-Epidemiologie (Verbreitung) auch eine Ansteckung von Tier zu Mensch, und von Mensch zu Mensch zu erwarten (Kindergärten, Altenheime), da schon etwa 10 bis 100 EHEC-Keime zur Infektion ausreichen – bei etwa 30 Prozent aller bisherigen EHEC-Ausbrüche wurden allerdings keine Infektionsquellen gefunden.

Am EHEC-Keim HUSEC041 erkranken vor allem erwachsene Frauen

Normalerweise sind überwiegend Kleinkinder unter 5 Jahren von den bisher 42 bekannten EHEC-Subtypen bei EHEC-Infektionen betroffen, beim HUSEC041-Ausbruchsstamm handelt es sich jedoch um einen EHEC-Erreger mit einer erweiterten Virulenz, der ungewöhnlicherweise hauptsächlich erwachsene Frauen erkranken lässt, und bei 20 bis 30 Prozent aller Patienten durch Komplikationen zu schweren Krankheitsverläufen führt.

EHEC-Symptome: Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit & HUS

Nach einer Inkubationszeit von 3 bis 4 Tagen treten bei den Patienten die EHEC-üblichen Krankheitssymptome wie Bauchschmerzen, wässriger Durchfall, Erbrechen und Übelkeit auf – im Normalfall tritt bisher kein Fieber auf. Nach einer Zeitspanne von etwa 5 bis 13 Tagen kompliziert als mögliche EHEC-Komplikation das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) die Krankheitssymptome: Begleitet von hämolytischer Anämie (Blutarmut), blutigen Diarrhoen, Nierenversagen, Thrombopenie (Mangel an Blutplättchen) und ZNS-Störungen wie Kopfschmerzen und Verwirrtheit.

EHEC-Diagnose mit Leitlinien-Algorithmus

Der Leitlinien-Algorithmus der "S1-Leitlinie EHEC / HUS" bietet für den behandelnden Arzt klare diagnostische Empfehlungen, die von den DEGAM-Autoren Prof. Dr. Michael M. Kochen und Prof. Dr. Martin Scherer erarbeitet wurden: Die Diagnoseempfehlungen gelten "ausschließlich für den ambulanten, hausärztlichen Versorgungsbereich" und beinhalten zum Beispiel für die Diagnose des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) Angaben über die Harnausscheidung bei Nierenfunktionsstörungen und Blutwerte.

Bei EHEC-Therapie keine Antibiotika und kein Loperamid

Bei entsprechendem klinischen Befund auf HUS wird eine sofortige stationäre Einweisung in die Klinik empfohlen, bei normaler Diarrhoe ohne sichtbares Blut im Stuhl die gewöhnliche symptomorientierte Therapie: Keinesfalls sollten eine antibiotische Therapie oder die Darmbewegung hemmende Opioid-Medikamente wie Loperamid eingesetzt werden. Zwar ist der multiresistente EHEC-Erreger gegenüber Antibiotika wie Carbapenemen und Aminoglykosiden empfänglich, allerdings scheidet der EHEC-Erreger HUSEC041 nach Antibiotikagabe dann verstärkt Toxine aus: Das Serovar HUSEC041 (O104:H4) gehört zu den Shiga Toxin-bildenden E. coli (STEC) und bildet Shiga Toxin 2 (stx2). Hoffnung für EHEC-Patienten bietet die experimentelle Therapie mit dem Medikament Soliris, seit etwa 2009 wird gegen EHECs die Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Eculizumab erprobt – bei drei kleinen Kleinkinder-Patienten mit HUS-Symptomatik führte die Behandlung zur hurtigen HUS-Besserung.

Weitere Informationen

Die zweiseitige "S1-Leitlinie EHEC / HUS" finden Sie seit dem 1. Juni 2011 auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM). Zur Patientenberatung und als Patienteninformation für medizinische Laien empfiehlt sich eine fünfseitige Broschüre des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): "Verbrauchertipps: Schutz vor Infektionen mit enterohämorrhagischen E. coli (EHEC)" – sie kann kostenlos auf der Homepage des BfR herunter geladen werden.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker – nicht ersetzen kann!

Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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