Wenn Degus in ein neues Zuhause kommen, sind sie oftmals noch sehr scheu. Der Transport, die fremde Umgebung und die unbekannten Menschen bedeuten Stress für die Tiere. Deshalb sollte ihnen in der ersten Zeit vor allem Ruhe gegönnt werden. Leises, liebevolles Zureden hilft jedoch dabei, sich an die Stimme des Besitzers zu gewöhnen und Vertrauen zu ihm zu fassen.
Eingewöhnungsphase der Degus
Wie lange diese Eingewöhnungsphase dauert, ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Zum einem kommt es auf den Charakter an. (Auch unter Degus gibt es mutige und ängstliche Gesellen.) Zum anderen spielt auch die Herkunft eine Rolle. Degus, die aus einer liebevollen Hobbyzucht stammen und eventuell bereits Kinder kennen gelernt haben, werden in der Regel schneller zahm als solche aus dem Handel, die keine feste Bezugsperson hatten.
Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass Degus zwischen einem Tag und einer Woche brauchen, um sich einzuleben. Während dieser Zeit sollte man es auf jeden Fall vermeiden, nach den Tieren zu greifen und sie zu berühren. Denn in diesem Stadium würden sie es noch als lebensbedrohenden Angriff empfinden, was im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass sie gänzlich das Vertrauen zum Pfleger verlieren und niemals zahm werden. Auch wenn es schwer fällt, sollte man deshalb unbedingt das Ende der Eingewöhnungsphase abwarten. Dieses ist leicht zu erkennen. Sobald sich der Besitzer dem Käfig nähert, flüchtet das Tier nicht mehr kopfüber ins nächste Versteck, sondern bleibt neugierig sitzen oder kommt ihm sogar ein Stück entgegen. Erst dann sollte man versuchen, den Degu zu streicheln oder aus der Hand zu füttern.
Degus nicht zu oft aus der Hand füttern
Letzteres sollte man allerdings nicht zu oft machen. Degus können sich zu richtigen Bettlern entwickeln und finden schnell heraus, wie sie ihren Pfleger um den Finger wickeln. Daher kann es leicht passieren, dass man ihnen nicht widerstehen kann und sie zu oft mit zu vielen Leckerbissen verwöhnt. Auch wenn man sich so natürlich bei den Tieren "einschmeicheln" kann, tut man ihnen letztendlich keinen Gefallen. Denn es drohen Verfettung und daraus resultierende Herz- Kreislauferkrankungen.
Nächster Schritt bei der Zähmung von Degus
Es ist daher besser, die Hand einfach still in den Käfig zu legen. Sie darf jedoch nicht nach Futter riechen, sonst riskiert man Bekanntschaft mit den scharfen Zähnen der Tiere zu machen. Ein wenig Geduld ist erforderlich, doch irgendwann wird sich der mutigste und neugierigste Degu trauen, auf die Hand zuzugehen, daran zu schnuppern oder gar auf sie zu klettern. Bemerken die anderen in der Runde, dass von ihr keine Gefahr ausgeht, werden sie sich ebenfalls näher wagen.
Sollte einem Tier doch mal der Mut verlassen und es umkehren, darf man nicht nach ihm greifen und versuchen, es festzuhalten. Damit könnte man sämtliche bisherigen Bemühungen der Zähmung wieder zunichte machen. Ratsamer ist es, die Hand weiterhin still zu halten und zu warten, bis der Degu zurückkommt oder sich ein anderes Tier aus der Gruppe nähert. Wenn man allerdings merkt, dass man keinen Erfolg mehr hat, sollte man es lieber am nächsten Tag noch einmal probieren. So vermeidet man am ehesten, die Geduld zu verlieren.
Das Ziel erreicht hat man, sobald der Degu beginnt, vorsichtig am Finger, an der Hand oder auch am Arm zu knabbern. Dieser Vertrauensbeweis zeigt, dass er seine Scheu verloren und den Pfleger im Familienverband akzeptiert hat.
Quellen
- Michael Mettler: Alles über Chinchillas und Degus, Falken-Verlag GmbH, Niedernhausen 1996
- Broschüre vom Zoohandel
