
- Die Preisträger aus dem Bereich Schulen - Fessel
„Jugendarbeitslosigkeit ist für mich einer der schlimmsten Missstände in unserer Gesellschaft, die doch sonst recht gut funktioniert“, sagte Heinrich Deichmann bei der nunmehr siebten Verleihung des Deichmann-Förderpreises gegen Jugendarbeitslosigkeit auf Bundesebene. Auch wenn immer mehr Lehrstellen unbesetzt bleiben und die Quote erwerbsloser Jugendlicher in Deutschland so niedrig ist wie nirgends sonst in Europa, brauche man diesen Preis leider trotzdem noch für junge Menschen, die keinen gradlinigen Lebensweg haben. Und das werde wahrscheinlich immer so bleiben.
JAU: Jung und Alt im Unterricht
Das sehen auch die Preisträger so, egal ob sie aus Schulen, Vereinen oder der Wirtschaft kommen. Bei einigen der ausgezeichneten Projekte spielt das Handwerk eine Schlüsselrolle. Bei dem Gewinner im Bereich Schulen, der August-Claas-Schule in Harsewinkel, betreuen Fachlehrer sowie pensionierte Handwerker im Projekt JAU (Jung und Alt im Unterricht) gemeinsam Hauptschüler und bereiten sie für die Berufspraxis vor. So erhielten in diesem Jahr mehr als 30 Schüler ein spezielles Training, das ihnen Freude und Perspektiven für handwerkliche Berufe vermittelt. Auf einem stillgelegten Gärtnereigelände richteten die Handwerker verschiedene Werkstätten ein, in denen die Schüler der Klassen 9 und 10 das ganze Schuljahr hindurch berufspraktisch arbeiten können.
MeGa: Meckenheimer Garantie für Ausbildung
An dem Meckenheimer Projekt „MeGa“ – ausgezeichnet mit dem zweiten Preis – ist das Kreishandwerk maßgeblich beteiligt. Die „Meckenheimer Garantie für Ausbildung“ sichert in diesem Jahr 69 Schülern der Geschwister-Scholl-Hauptschule einen Ausbildungsplatz in einem der 31 beteiligten Unternehmen zu, wenn sie die damit verbundenen Auflagen erfüllen: keine unentschuldigten Fehlzeiten und mindestens eine glatte Drei in den Hauptfächern. Die Schüler werden von der Schule intensiv gefördert, um dieses Ziel zu erreichen. Um die Schüler fit zu machen für „MeGa“, werden in der Stufe 8 Themen wie Pünktlichkeit, Sozialverhalten und „Coolness-Training“ nach Maßgaben der konfrontativen Pädagogik erarbeitet. In insgesamt 20 Stunden erfahren die Schüler viel über ihr eigenes Verhalten und die Wirkung auf andere, dabei werden Durchsetzungsvermögen und kooperative Fähigkeiten in Einklang gebracht. Die Bereitschaft, an sich zu arbeiten, gehört unbedingt dazu. Schulleiter Peter Hauck ist stolz darauf, dass Mutlosigkeit und Angst vor der Zukunft bei seinen Schülern einer hohen Lernmotivation gewichen sind.
Auch Kreishandwerksmeister Thomas Radermacher ist von diesem Konzept überzeugt. Zwar gebe es kritische Stimmen, die eine vertraglich zugesicherte Garantie für einen Ausbildungsplatz als problematisch ansehen, aber man kaufe ja nicht die Katze im Sack. Der Schüler müsse sich ja ebenfalls an den Vertrag halten und sich anstrengen, dem angestrebten Ausbildungsplatz gerecht zu werden. Von dieser Ernsthaftigkeit können sich die Handwerksunternehmer schon während der Praktikumsphase überzeugen. „Die Rosinenpickerei muss aufhören, wir müssen uns andere Wege ausdenken, um an Azubis zu kommen“, sagt der Tischlermeister, der selbst jedes Jahr einen oder zwei Lehrlinge einstellt. Und die Geschwister-Scholl-Schule sei auch nicht irgendeine Schule, sondern eine mit „unheimlich engagierten Lehrern“.
Der Sinn liege in der besseren Verzahnung des Übergangsmanagements, erklärt Meckenheims Bürgermeister Bernd Spilles. Er hofft, dass dieses Beispiel sich herum spricht: „In einer Stadt mit 25.000 Einwohnern ist der Ausbildungsstellenmarkt begrenzt. Aber wir müssen dafür sorgen, dass die jungen Leute hier bleiben. Dabei hilft uns dieses Netzwerk aus Schule, Stadt und Unternehmen außerordentlich.“
Programm zur individuellen Qualifizierung
Auch in der Essener Gesamtschule Bockmühle gibt es ein Programm zur individuellen Qualifizierung. Die Schule mit 1.560 Schülern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als Auffangstation für Schüler entwickelt, die in anderen Schulen abgelehnt worden waren. 60 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Ab der siebten Klasse werden die Schüler in Projektarbeiten und Schnupperpraktika erstmals mit der Berufspraxis vertraut gemacht, sammeln Erfahrungen und knüpfen Kontakte zu Betrieben. In Schülerfirmen können sie Schlüsselqualifikationen erwerben und lernen, wie Wirtschaft funktioniert. „So vorbereitet wählen die Schüler in der neunten und zehnten Klasse ihre Praktikumsplätze schon sehr zielgerichtet aus“, sagt Schulleiter Klaus Prepens. Er und sein Kollegium aus 127 Lehrern halte es mit der schwedischen Kochbuchweisheit „Man nehme, was man hat, und singe, was man kann“.
Der Schuhmarktführer Deichmann stellt für den Förderpreis jährlich 100.000 Euro zur Verfügung, die auf fünf schulische Präventivmaßnahmen, fünf Projekte von Unternehmen, Vereinen oder öffentlichen Initiativen, einen Sonderpreis und 16 Preise auf Bundesländerebene verteilt werden.
