Dekubitus - Vorbeugung und Hilfe

Infos für Pflegelaien über Druckgeschwüre bei bettlägerigen Menschen

Wenn Angehörige und Pflegeprofis die Haut von Patienten mit stark eingeschränkter Bewegungsfähigkeit nicht sorgfältig beobachten, werden aus Druckstellen Wunden.

Muss ein Mensch längere Zeit liegen, dann entstehen bei nicht fachgerechter Pflege an besonders gefährdeten Körperstellen Druckstellen, die sich zu Liegegeschwüren (Dekubitus) entwickeln können.

Um besser zu verstehen, wie aus einer Druckstelle eine Wunde entstehen kann, muss man wissen, wie sich unser Haut-Bindegewebe aufbaut:

  • Die Oberhaut (Epidermis) schützt vor Umwelteinflüssen und erneuert sich alle 30 Tage.
  • Die Lederhaut (Dermis) sorgt für die Elastizität und Dehnbarkeit der Haut. Sie ist durchzogen von Blut- und Lymphgefäßen und Nerven, hier liegen auch Haarwurzeln und Schweißdrüsen. Die Gefäßstrukturen dieser Hautschicht reichen jeweils bis in Oberhaut und in die dritte Hautschicht darunter
  • Die Unterhaut (Subcutis) besteht aus lockerem Gewebe und beherbergt außerdem die formgebenden Fettzellen.

Presst man einen Finger auf gesunde Haut, wird diese Stelle weiß, weil der Blutfluss in den feinen Gefäßen (Kapillaren) unterbrochen ist. Nimmt man den Finger fort, füllen sich die Kapillaren sofort und die Hautstelle wird weiter mit Nährstoffen versorgt. Bei bettlägerigen Menschen besteht nun an aufliegenden Körperstellen (z.B. Rücken, Steiß, Fersen, Ellenbogen usw.) höchste Gefahr für die Haut. Werden hier die Kapillaren über längere Zeit durch Druck regelrecht „abgeklemmt“, stoppen Nährstoffversorgung sowie und Abtransport von Abfallstoffen über die Lymphgefäße. Das Gewebe beginnt abzusterben.

Neben dem Druck als Auslöser für Dekubitus hat die Pflegewissenschaft einen weiteren Faktor ausgemacht: die so genannten Scherkräfte. Sie entstehen, wenn der Patient umgedreht, gezogen und gelagert wird. Dabei verschieben sich die Hautschichten gegeneinander, so dass die Kapillaren verdrillen oder gar reißen können. Deshalb müssen ältere Menschen, deren Haut aufgrund des abnehmenden Wassergehalts ihre Elastizität verloren hat, besonders umsichtig bewegt werden.

Auch Reibung und Feuchtigkeit schädigt die Haut - besonders dort, wo Haut auf Haut liegt (z.B. Achselhöhle, weibliche Brust, Bauchfalten Gesäßspalte, Kniekehle usw.). Deshalb unbedingt vermeiden:

  • Nähte und Knöpfe an Kleidungsstücken
  • Falten im Laken und Brotkrümel
  • bei schräger Lagerung das Rutschen im Bett
  • feuchtes Bettklima durch Schwitzen
  • Stauwärme durch Inkontinenzmaterial, Gummiauflagen oder Matratzen, die die Feuchtigkeit und Wärme nicht ausreichend ableiten.

Vorbeugung und Pflege

Druckstellen, Scherungen und Hautreizungen vermeiden – das ist also das wichtigste Ziel der Dekubitus-Vorbeugung. Fünf Bereiche umfassen die Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung: Bewegung, Hautpflege, Ernährung, Wundversorgung und Lagerung:

Bewegung – auch Mobilisation genannt – entlastet die gefährdeten Stellen, regt Kreislauf und Durchblutung an, mobilisiert viele weitere Körperfunktionen und fördert so den Wundheilungsprozess. Sie wird behutsam an jedem Gelenk durchgeführt. Im Idealfall motiviert die Mobilisation den Patienten, Bewegungen wieder selbst auszuführen.

Hautpflege mit rückfettenden Waschprodukten und pflegenden Emulsionen verhindert, dass die Haut austrocknet. Außerdem zu beachten: Trockentupfen ist besser als Rubbeln, gefährdete Stellen auf keinen Fall fönen (Austrocknung) und auch nicht massieren (Scherung).

Ausgewogene Ernährung fördert die gesundheitliche Stabilität. Um die Haut vor Austrocknung zu schützen und alle Körperfunktionen in Gang zu halten, muss ausreichend getrunken werden (mind. 1,5 Liter am Tag). Dekubituspatienten haben einen erhöhten Eiweißbedarf (Milchprodukte) und brauchen für eine erfolgreiche Wundheilung viele Vitamine (vor allem A, C, und E), Mineralstoffe wie Calcium, Natrium, Kalium und Spurenelemente wie Zink, Phosphor, Selen und Chlor.

Wundbehandlung ist dann nötig, wenn aus einer Druckstelle schrittweise – von Grad 1 bis Grad 4 – eine Wunde geworden ist. Um Behandlungserfolge oder Rückschritte besser beurteilen zu können, verwenden Pflegekräfte Skalen (Norton, Braden oder Medley) und dokumentieren außerdem die Wunde fotografisch. Dekubituswunden heilen in drei Phasen, nach denen sich jeweils die Auswahl des entsprechenden Verbandsmaterials richtet. Die Heilungschancen und -erfolge hängen auch davon ab, ob die Wunde sich zusätzlich bakteriell entzündet hat.

Optimale Lagerung kann einen Dekubitus ersten Grades schon in wenigen Tagen wieder verschwinden lassen. Das regelmäßige „Umbetten“ (=Lagerung) des Patienten entlastet die Druckstellen. Die Pflegewissenschaftler unterscheiden verschiedene Lagerungstechniken: Während der Mikrolagerung wird die Position des Patienten mit Hilfe von gerollten und gefalteten Tüchern in einem Zeittakt leicht verändert. Hohl- oder Freilagerung sorgt dafür, dass eine geschädigte Stelle vollkommen ohne weiteren Auflagedruck bleibt.

Für welches Lagerungssystem und Pflegebett man sich entscheidet, hängt ganz von den Bedürfnissen des Patienten ab:

  • Weichlagerungssysteme vergrößern die Auflagefläche des Körpers verringern so den Druck (Kubivent).
  • Wechseldrucksysteme pumpen mit einem Kompressor nach vorgegebenem Zeitplan die Kammern einer Matratze unterschiedlich stark mit Luft auf (Meyra Ortopedia).
  • Mircro-Stimulations-Systeme steuern über einen Prozessor bewegliche Elemente in der Unterlage, entlasten Druckstellen und unterstützen den Heilungsprozess (Thomashilfen).

Anregen und motivieren

Zur Passivität verurteilt zu sein, schlägt bettlägerigen Menschen besonders aufs Gemüt und macht sie teilnahmslos und traurig. Und so hilft ihnen jede noch so kleine Ablenkung und jede Aufmunterung aus diesem Tief und erhöht mögliche Heilungschancen. Zuwendung und Aktivierung ist und bleibt deshalb das Wichtigste im Umgang mit pflegebedürftigen Menschen.

Marion Seigel, (Foto: Martin Seigel)

Marion Seigel - Marion Seigel ist Fachjournalistin, PR-Beraterin und Referentin - sie betreibt das journalistische Handwerk, ...

rss