In einem Punkt wären sich selbst der Augsburger Kyle Helms und der Ingolstädter Joe Motzko, die drei Sekunden vor Schluss des bayerischen Derbys an diesem Sonntagabend noch ein wenig aneinandergeraten waren, einig gewesen. Es war kalt, sehr kalt im Augsburger Curt-Frenzel-Stadion, wie AEV-Kultfigur Steffen Tölzer und ERC-Coach Rich Chernomaz übereinstimmend feststellten. Letzter sprach sogar vom "kältesten Spiel" seiner insgesamt 17 Jahre in der Deutschen Eishockey Liga als Spieler und Trainer, von denen er auch eines in Schwaben verbrachte.
Im Gegensatz zu den eisigen Temperaturen unter -10 Grad ging es in beiden Spielen des Augsburger Derby-Wochenendes heiß her: Am Freitag unterlagen die Augsburger knapp beim EHC München, machten die Niederlage aber zwei Tage später mit einem dramatischen 1:0-Sieg gegen den ERC Ingolstadt wieder wett. Das Tor durch Neuzugang Brain Roloff fiel erst eine halbe Minute vor Schluss bei einer 5-3-Überzahl der Schwaben, nachdem man zuvor zweimal ans Aluminium geschossen hatte und zwei Treffer der Augsburger nicht anerkannt wurden. Am Freitag konnte man das Spiel in der Landeshauptstadt lange offen halten - auch weil die Münchner zweimal den Puck nicht im leeren Tor unterbrachten - und kassierte erst kurz vor Schluss den letzten Treffer als "empty net goal".
Kanadier sorgen für bayerische Derby-Atmosphäre
In beiden Spielen zeigte sich ein seltsames Phänomen: Obwohl mehr gebürtige Kanadier als Bayern auf dem Eis standen, waren beide Begegnungen durch diese ganz besondere Derbyatmosphäre geprägt. Die Fans sangen ein bisschen lauter, viele Aktionen waren ein klein wenig intensiver - und auch die Ränge etwas mehr gefüllt als üblich. Vor allem in Augsburg, wo man sich nur als hartgesottener Fan freiwillig in die eisige Kälte des einzigen offenen Stadions der Deutschen Eishockey Liga begibt.
Sportlich gesehen war das Wochenende für die Verantwortlichen der Panther ausgeglichen: ein Sieg, eine Niederlage - aber zusammen mit dem unter der Woche erreichten Auswärtssieg in Hannover blickt AEV-Coach Larry Mitchell positiv in den Endspurt um die Pre-Play Off-Plätze - und für die Augsburger Fans waren es zwei großartige Siege gegen die ungeliebten Ingolstädter und Mitchells Intimfeind Toni Krinner, Trainer der Hannover Scorpions, die noch dazu an Wert gewannen, weil die Konkurrenz sich in der Tabelle nicht absetzen konnte. So haben die auf acht stehenden Münchener nur ganze zwei Punkte mehr auf dem Konto als die Iserlohn Roosters auf Platz zwölf.
ERC-Coach Chernomaz freute sich in der Pressekonferenz über das äußerst engagierte Spiel seiner arg dezimierten Panther, auf die Länderspiel-Pause, um seine vielen verletzten Spieler wieder fit zu bekommen - und ein kühles Bier mit Kollege Mitchell.
