DEL-Saisonvorschau 2011/2012: Die Kölner Haie

In die Saison 2011/2012 gehen die Kölner Haie mit einem aufgefrischten Kader und einem einzigen echten Star - hinter der Bande: Ex-Bundestrainer Uwe Krupp.

Uwe Krupp ist in vielerlei Hinsicht der richtige Mann für die Kölner Haie. Zum Einen ist er immer noch eine Kultfigur in Köln, auch wenn sein letzter Einsatz als Spieler aus den 1980ern datiert. Allein seine Erfolge als Spieler in Nordamerika – lange Zeit war er der einzige deutsche Spieler, der den Stanley Cup gewonnen hat – dürften ihm den Respekt der Mannschaft verschaffen. Und er weiß aus eigener Erfahrung, dass man mitunter durch ein tiefes Tal gehen muss, bevor der nächste Gipfel gestürmt werden kann. Als deutscher Nationaltrainer stieg er mit dem deutschen Team ab, sofort wieder auf, 2009 folgte erneut der sportliche Abstieg, den allein Deutschlands Gastgeberrolle der WM 2010 verhinderte.

Aus der Talsohle zu den 17 Tagen im Mai

Einem enttäuschenden Olympia-Turnier in Vancouver folgten dann aber die magischen 17 Tage im Mai, als die deutsche Nationalmannschaft bei der Heim-WM ins Halbfinale stürmte, dort äußerst knapp gegen Russland verlor und schließlich sensationeller Vierter wurde. In Bratislava war es 2011 zwar „nur“ das Viertelfinale, aber Deutschland gelang unter Führung der erste Sieg bei einer Weltmeisterschaft gegen Rekordchampion Russland und ein mitreißendes Spiel gegen den späteren Weltmeister Finnland.

Nun soll er also bei den Haien richten. Talsohlen hatte der Traditionsclub vom Rhein zuletzt mehr als genug, insofern könnte er die Idealbesetzung sein, um Köln wieder an die Spitze zu führen. Und beim Serienmeister aus Bundesliga-Zeiten muss Uwe Krupp nicht mal alte Strukturen aufbrechen, denn nach den letzten Ergebnissen und der mitunter mehr als kritischen Finanzlage ist das Management offen für seine Vorstellungen und Konzepte. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison scheinen zu stimmen: Der Kader wurde sinnvoll verstärkt, zudem einige Spieler mit relativ üppigem Gehalt wie Akerman und vor allem Ciernik durch günstigere, jüngere Profis ersetzt.

Die Haie-Abwehr: Fünf Neue und ganz Alter

In der Verteidigung kamen Jonathan Paiement und Jonathan D‘Aversa aus Augsburg, Nationalspieler Kevin Lavallée aus München und der 2-Meter-Hüne Andre Lakos, ausgestattet mit reichlich Erfahrung aus Nordamerika, der KHL, der schwedischen Eliteserien und dem gerade gewonnenen Meistertitel mit Red Bull Salzburg. Die beiden Deutschen Torsten Ankert und der vollkommen furchtfrei agierende Moritz Müller sind bestens etabliert in der DEL.

Und an Mirko Lüdemann scheint die Zeit ohnehin vorbeizugehen: Überragende Schlittschuhtechnik, ein guter Schuss und seine Stellung als die Haie-Identifikationsfigur schlechthin machen ihn immer noch so wertvoll für den KEC, dass ihm die Verantwortlichen einen Vertrag bis 2013 gaben. Mit fast 40 wird dann wohl auch „Lüde“ einen halben Gedanken ans Aufhören verschwenden. Besonders im Fokus dürfte zudem Björn Krupp stehen, der sich nach seiner Ausbildung in der kanadischen Juniorenliga nun im Profibereich durchsetzen möchte.

Der Haie-Sturm: Vier von den Erzrivalen

Der Sturm wird angeführt von Matt Pettinger. Der Kanadier, der mehr als 400 NHL-Spiele absolviert hat, war vor allem zum Ende der letzte Saison, als sich die Haie nach erschreckendem Start noch in Play-Off-Viertelfinale kämpften, eine der großen Stützen und sorgte immer wieder mit wichtigen Toren dafür, dass vergangene Spielzeit nicht im totalen Fiasko endete. Daneben dürften die aus Hannover gekommenen „Hans“ Tripp und Rückkehrer Tino Boos Führungsaufgaben übernehmen, ebenso wie der andere Ex-Düsseldorfer im Haie Team, der AHL-erfahrene Philipp Gogulla.

Mit Greg Classen, Jason Jaspers und dem aus Krefeld verpflichteten Charlie Stephens hat der KEC mehr als solides Personal. Auch darf man gespannt sein, ob der ehemalige Eisbären-Stürmer Alexander Weiß den nächsten Schritt macht. Dahinter lauert die junge Garde mit Hauner, Ohmann, MacKay und Ex-Pinguin Philip Riefers auf ihre Chance sich in der DEL auszuzeichnen.

Mit breitem Kreuz und dickem Fell in die Play-Offs

Befindet sich Krupp kommende Saison in einem Dilemma? Ja, denn läuft es gut, sprießen die Hoffnungen gleich wieder ins Uferlose, läuft es nicht, werden auch bei Uwe Krupp die Kritiker nicht verstummen. Kann Uwe Krupp damit umgehen? Definitiv, „King Kong“ Krupp hat zum einen nicht nur physisch ein breites Kreuz, sondern er hat sich in den Jahren auch ein dickes Fell zugelegt.

Wenn die Mannschaft sein Spielsystem schnell umsetzen kann und das deutsche Torhüter-Duo seine Leistungen bestätigt – oder sogar noch eine Schippe drauflegen kann, steht einer erfolgreichen Saison nichts im Wege. Was der eine oder andere Kölner Fan aber wohl nicht so gerne hört: Ein Erfolg wäre es, in der Saison nichts mit den letzten Plätzen zu tun zu haben und vielleicht sogar an der direkten Play-Off-Qualifikation zu schnuppern. Das wäre aber schon das Maximum.

Holger Neumann - Holger Neumann, 37, ist seit fast 20 Jahren passionierter Eishockey-Fan und beschäftigt sich beinahe ein Vierteljahrhundert intensiv ...

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