Delfinsterben in Delfinarien - Tierschützer fordern Schließung

Toter ConnyLand-Delfin  - WDSF/ProWal ©
Toter ConnyLand-Delfin - WDSF/ProWal ©
Nach-Zuchtversuche von Delfinen im Nürnberger Zoo zeitigen eine lange Todesliste - Betreiber halten trotzdem, offenbar aus Profitgründen, daran fest.

Die Negativ-Schlagzeilen nehmen kein Ende. Wie das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) und ProWal berichten, kam es im Nürnberger Zoo zu einer erneuten Delfin-Totgeburt der Delfinmutter Anke. Der Delfin des Tiergartens war anlässlich der lärmträchtigen Baumaßnahmen für die neue Nürnberger Delfin-Lagune Ende 2008 in das holländische Delfinarium in Harderwijk transferiert worden. Schon damals hatten die Tierschützer vermutet, dass die auswärtige Unterbringung des schwangeren Delfinweibchens unter Umständen auch deshalb erfolgt, um den Nürnberger Zoo nicht mit einem weiteren Todesfall in der Nachzucht direkt in Verbindung zu bringen.

Am 15. Oktober kam das Delfinbaby im holländischen Delfinarium tot zu Welt. Ein herber Schlag für den Nürnberger Tiergarten, denn damit erhöht sich die Todeszahl von Delfinen, die zum Nürnberger Delfinarium gehören, auf 38 verstorbene Tiere. Im Tiergarten selbst verstarben nach Angaben von WDSF und ProWal 28 Große Tümmler und fünf Sotalia-Delfine.

Nürnberger Nach-Zuchtversuche laut Tierschützer gescheitert

Seit 2004 waren sämtliche 10 Nach-Zuchten überwiegend Totgeburten oder überlebten nur wenige Tage. WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: "Die beiden einzigen verbliebenen deutschen Zoos mit Delfinarien in Nürnberg und Duisburg züchten auf Teufel komm raus, um ihre Delfin-Shows aufrecht zu erhalten. Wenn Delfinbabys überhaupt überleben, werden sie lebenslänglich gefangen gehalten, weil eine Auswilderung der sichere Tod bedeuten würde. Das hat mit einem Bildungsauftrag nichts mehr zu tun.“

Bei dem Delfinarium in Münster wurde durch den WDSF und ProWal bauliche Mängel festgestellt, die gegen das Säugetiergutachten verstossen. Dies wurde durch die Höhere Aufsichtsbehörde (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz) mit einem eigenen Gutachten bestätigt: Das Hallendach lässt kaum Sonnenlicht durch, das aber ist rechtlich erforderlich. Daher muss der private Betreiber des Delfinariums im Allwetterzoo Münster die Anlage in 2012 schließen. Denn die finanziellen Mittel für einen Umbau (schätzungsweise mehrere tausend Euros) konnte oder wollte er nicht aufbringen.

Sechs tote Delfine innerhalb von drei Jahren im Schweizer Connyland

Der Schweizer Vergnügungspark der Zirkusfamilie Gasser ist bekannt für Konzerte und Partys. Dagegen hätten auch Tierschützer nichts einzuwenden wenn die oft lautstarken Veranstaltungen nicht direkt neben einem Delfinarium stattfänden.

Im Vorfeld einer für den 29./30. Oktober angesetzten, zweitägigen Technoparty formierte sich breiter Protest. Andreas Morlok von ProWal zeigte sich bestürzt über die Sorglosigkeit der Veranstalter: „Das Veranstaltungsgebäude liegt nur etwa 50 Meter von der Delfin-Winterhalle entfernt, in dem sich fünf Delfine, darunter ein fünf Monate altes Jungtier, befinden. Techno-Musik ist extrem laut und wir befürchten, dass die Delfine unter Stress leiden werden. Feiern ist ja völlig in Ordnung, aber sicherlich nicht neben einem Delfinarium. Mich wundert es nicht, dass sechs Delfine in den letzten drei Jahren im Connyland gestorben sind. Ich kenne weltweit kein Delfinarium, in der die Delfinsterblichkeit so hoch ist, wie auf diesem Rummelplatz.“

Lärm bedeutet Stress, bei Delfinen wie bei Menschen

Während der Geschäftsführer des Connyland, Erich Brandenberger, abwiegelt und in einem Antwortschreiben an den WDSF behauptet, dass im Delfinarium keinerlei Emissionen hörbar seien, widerspricht ihm WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller vehement: "Delfine sind sehr sensible Tiere. Sie nehmen insbesondere Geräusche im Ultraschallbereich wahr, die über dem menschlichen Hörvermögen liegen. Ein Vergleich mit den Auflagen für menschliche Wohngebiete ist daher aus biologischer Sicht hinfällig und zeigt, wie leichtfertig die Problematik abgetan wird. Sind Delfine zu lauten Geräuschen ausgesetzt, kann ihr Gehör nachhaltig Schaden nehmen. Dies ist besonders brisant, da Delfine sich fast ausschließlich akustisch orientieren und miteinander kommunizieren. Sie nehmen Geräusche wahr, die das menschliche Gehör nicht mehr wahrnehmen kann. Auch die Vibrationen des Bodens, ausgelöst von den Musiklautsprechern und tanzenden Gästen, können bei Delfinen Stress hervorrufen, da sie diesem nicht - wie im Meer - ausweichen können. Eine solche Veranstaltung neben einer Delfinhalle ist verantwortungslos gegenüber den Tieren.“

Hoffnung auf späte Einsicht

Am 8.11.2011, also gut eine Woche nach der Technoparty im Connyland, starb der Delfin "Shadow". Nach den Ursachen wird noch geforscht. Sowohl Tierschützer als auch die Betreiber von Connyland warten nun die Obduktionsergebnisse des toten Delfins ab.

Sigrid Lüber, Präsidentin der Schweizer Organisation Oceancare, verweist in ihrem Interview mit "20 Minuten ONLINE“ darauf, dass keiner der wissenschaftlich geführten Zoos in der Schweiz noch Delfine hält. Sie hofft, dass die Besitzer von Connyland auch bald Einsicht und vor allem Erbarmen mit den Tieren zeigen und ihr Delfinarium schließen. Vielleicht helfen ihnen dabei ja die Besucher ihres Vergnügungsparks, indem sie gegen die mörderische Praxis der Delfinhaltung bei der Zirkusfamilie Gasser protestieren.

Bambi für einen großen Freund der Delfine

Immerhin erhielt Ric O´Barry, der Ex-Trainer des Fernsehdelfins "Flipper", in diesem Jahr eine Bambi-Auszeichnung in der Kategorie "Unsere Erde". Als 1970 sein Lieblings-Delfin, den er für die Fernsehserie trainiert hatte, in seinen Armen starb, wurde er fortan zum radikalsten Gegner von Delfinarien.

Quellen:

  • WDSF
  • ProWal
  • 20 Minuten ONLINE

Maico Rigolo - Meine Artikel sind hauptsächlich gedrehte oder ungedrehte Filme und Reportagen für das Fernsehen. Manches Eposé wird ...

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