Dem Kunsthaus Tacheles droht das Aus

Das von der HSH Nordbank bedrohte Kunsthaus  - Tacheles e.V.
Das von der HSH Nordbank bedrohte Kunsthaus - Tacheles e.V.
Die HSH Bank will das berühmte Kunsthaus in Berlin räumen lassen und verkaufen

Das Tacheles in Berlin ist ein besonderes Kunsthaus. Wuchtig ragt die alte Kaufhausruine an der Oranienburger Straße in den Himmel. Eine Trutzburg der alternativen Kunstszene. Jedenfalls noch. Ausgerechnet die HSH-Nordbank eine Bank im Mehrheitsbesitz der Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein, will es räumen lassen, um es besser verkaufen zu können. Berlins Regierender Bürgermeister, sowie Abgeordnete der SPD, Linken und Grünen.

Von Beust und Carstensen: Keine Einflussnahme auf die HSH-Nordbank

Sowie 70.000 Unterzeichner einer Unterschriftensammlung haben die HSH-Bank und ihre Hauptanteilseigner aufgefordert für den Erhalt des Kunsthauses in der Mitte Berlins zu sorgen. Doch für Ole von Beust und Peter Harry Carstensen handelt es sich beim Verkauft des Gebäudes um ein ganz normales Geschäft. So schrieb Ministerpräsident Peter Harry Carstensen an den Vorsitzenden der Grünen Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein, Dr. Robert Habeck, der geschilderte Sachverhalt berühre „das operative Geschäft der HSH Nordbank AG“ und „solche Auseinandersetzungen zwischen der Bank und ihren Kunden (stellen) grundsätzlich keine Angelegenheiten dar, in die das Land Schleswig-Holstein als einer der Eigentümer der Bank eingreift.“

Wowereit will Tacheles erhalten - es darf aber ncihts kosten

Ähnlich klingende Antworten erhielten auch die Berliner Politiker, die, wie auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, sich in Briefen an die Regierungschefs in Kiel und Hamburg gewandt hatten. Der für Kultur zuständiger Staatssekretär Andre Schmitz besuchte das Tacheles und erinnerte die HSH-Nordbank an ihre gesellschaftliche Verantwortung. Doch die Bank sieht die Schuld bei der Fundus-Gruppe und erklärt: „Die Zwangsversteigerung für das gesamte Areal droht nun, da die Fundus-Gruppe 10 Jahre lang tatenlos geblieben ist. Wir bedauern außerordentlich gerade auch im Hinblick auf den Tacheles e.V., dass diese Situation entstanden ist und dass die Fundus-Gruppe in mehr als 10 Jahren keine nachhaltige Lösung gefunden hat.“Die Fundus-Gruppe gehört dem Dürener Kaufmann Anno August Jagdfeld.Der wiederum hat neben dem Tacheles-Gelände noch ganz andere Probleme, und zwar mit seinen Nobelherbergen.

Adlon, Heiligendamm und Tacheles - Objekte der Fundus-Gruppe

Zu seinem Firmenimperium gehören auch solch noble Adressen wie der Nachbar des historischen Hotels Adlon in Berlin und, das Grandhotel Heiligendamm in Bad Doberan. Berühmt wurde die leuchtend weiße Nobelherberge durch den G 8 Gipfel vor zwei Jahren. Bei allem Ruhm – es gibt zu wenig Gäste in Heiligendamm. So ließ sich Jagdfeld von der Landesregierung

Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr 4 Mio Euro als Darlehn geben, damit er die Edelherberge nicht schließt. Im Adlon betreibt die Familie Jagdfeld die Gastrononie, auch die macht Minus. Deshalb mussten die 5.000 Anteilseigern am Adlon-Fonds für zwei weitere Jahre auf über 2 Mio Euro Pacht verzichten. Das hat die Gesellschafterversammlung der "Jagdfeld Hotel Adlon Fundus Fonds Nr. 31 KG" auf Antrag von Anno August Jagdfeld Mitte März 2010 so bechlossen.

Wie kam das Tacheles in die Fänge der HSH-Nordbank?

Vor mehr als zehn Jahren kaufte Anno August Jagdfeld das Gebäude und die Freiflächen. Jagdfeld versprach eine großzügige Entwicklung des Geländes durch die Johannishof Projektentwicklung GmbH und Co KG,

Von Investitionen über 400 Mio. DM war die Rede,doch passiert ist wenig, Lediglich im denkmalgeschützten ehemaligen Kaufhaus, dem Tacheles, wurde investiert. Die Brachfläche blieb frei. Das Gebäude und die Freiflächen fielen an Gläubiger, federführend im Bankenkonsortium ist die HSH Nordbank. Sie ist die Hauptgläubigerin der Johannishof Projektentwicklung GmbH und Co KG.

Über eine seiner weiteren Firmen gehört Jagdfeld als Schuldner auch zu den Gläubigern. Denn im Grundbuch ist seine Firma Bredero Deutschland GmbH mit einer Forderung von 30 Mio. Euro auf das Tacheles und die Freiflächen eingetragen.

Auf diese Weise - so schrieb der Geschäftsführer des Tacheles-Vereins, Martin Reiter, in einem offenen Brief an die Berliner Staatsanwaltschaft - sitze „Herr Jagdfeld de facto als sein eigener Gläubiger im Gläubigerkonsortium seiner Johannishof Projektentwicklungsgesellschaft.“ Die Staatsanwälte mochten daran nichts Verdächtiges feststellen und lehnten Ermittlungen ab.

Helmut Lorscheid ,  Foto: Yvonne Szallies

Helmut Lorscheid - Ich bin Journalist aus Überzeugung, obwohl es sicherlich Berufe gibt, in denen man deutlich mehr verdient. Ich befasse mich mit ...

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