Dem Volk aufs Maul schauen - Martin Luther hielt sich daran

Martin Luther - Dieter Schütz/pixelio.de
Martin Luther - Dieter Schütz/pixelio.de
Bekanntlich nahm Martin Luther kein Blatt vor den Mund und sagte volksnah, was er dachte - deftig und derb. Einiges davon hat die Zeit überlebt.

Der Reformator Martin Luther hat Geschichte geschrieben und ist in selbige eingegangen. In seinem Glauben und Denken orientierte sich Luther ausschließlich an Jesus Christus als dem "fleischgewordenen Wort“. Nach diesem Maßstab wollte er Fehlentwicklungen in der Christenheit überwinden, die unübersehbar waren. Seine Gewissheit der Gnade Gottes und seine Predigten und Schriften, einschließlich die von ihm übersetzte Bibel, die Lutherbibel, veränderten die von Rom aus an die Kandare genommene Gesellschaft im ausgehenden Mittelalter und der beginnenden Neuzeit nachhaltig.

Der junge Luther

Martin Luher wurde am 19. November 1483 in Eisleben geboren. 1505 trat er in das Kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein. Zwei Jahre später wurde er zum Priester geweiht. In Wittenberg und Erfurt studierte er anschließend Theologie; 1512 dann begann Luther in Wittenberg seine Lehrtätigkeit als Theologieprofessor. Er widmete sich in seinen Studien der Lehre des Apostel Paulus und des Kirchenlehrers Augustinus und gewann die Gewissheit, dass der biblische Begriff "Gerechtigkeit Gottes“ nicht einen strafenden und zürnenden, sondern einen gnädigen und barmherzigen Gott meint. Einen, der die Menschen wegen ihres Glaubens mit Gnade beschenkt.

Luther, der Felsenfeste

Es kam zum Konflikt zwischen Luther und der römischen Kirche. Rom ließ durch seine Ablassprediger - in Luthers Wirkungskreis war es Johann Tetzel - Schriftstücke (Ablässe) mit der Zusicherung der Vergebung der Sünden gegen Geld verkaufen. "Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seel' aus dem Fegfeuer springt", ist einer von Luthers Aussprüchen. Luther predigte vergeblich gegen diese Geschäftemacherei. Am 31. Oktober 1517 rief Martin Luther mit dem bekannten Anschlag seiner 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg zu einer akademischen Disputation auf. Was daraufhin folgte, war ein Ketzerprozess gegen ihn, ausgehend von der römischen Kirche. Im Januar 1521 wurde er von dieser exkommuniziert. Schließlich und am Ende eines langen Streites folgte die Kirchenspaltung: hier die römisch-katholische Kirche – da die evangelisch-lutherische Kirche. Die Reformation, die mit dem Anschlag der 95 Thesen Luthers am 31. Oktober 1517 in die Geschichte einging, war auch für die weitere Entwicklung im Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nicht ohne Folgen. Mit der Reformationsbewegung folgte 1525 der Bauernkrieg und als Spätfolge, knapp einhundert Jahre danach, der Dreißigjährige Krieg.

Luther: auf ein trefflich Wort

Martin Luther war ein unermüdlicher Arbeiter. Er hat geschrieben, gepredigt, übersetzt, verfasst. 1534 brachte er die Übersetzung des Alten und Neuen Testaments zu Ende. Neben all dem schöpferischen Wirken hielt er sich im Alltag an die Sprache des Volkes, ging unter dieses und schaute ihm aufs Maul. So gibt es von Martin Luther Deftiges und Derbes, das in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist. Hier einige von Luthers Aussprüchen:

  • Die Welt ist wie ein trunkner Bauer. Hebt man ihn auf einer Seite in den Sattel, so fällt er zur anderen wieder herab. Man kann ihr nicht helfen, man stelle sich, wie man wolle, sie will des Teufels sein.
  • Ein Mensch, sonderlich ein Christ, muss ein Kriegsmann sein und mit den Feinden in Haaren liegen.
  • Ein Weib ist bald genommen, aber sie stets lieb haben, das ist schwer.
  • Bei der Kindererziehung muss der Apfel neben der Rute liegen.
  • Wir Deutschen sind ein wildes, rohes und tobendes Volk, mit dem nicht leicht etwas anzufangen ist, es treibe denn die höchste Not.
  • Will die Frau nicht, so komm' die Magd!
  • Warum rülpset und ferzet ihr nicht? Hat es euch nicht schmecket?
  • Wenn ich hier furze, riecht man das in Rom.
  • Unser deutscher Teufel muss ein guter Weinschlauch sein und muss Sauf heißen.
  • Die Lüge ist wie ein Schneeball: Je länger man sie fortwälzt, je größer wird sie.
  • Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.
  • Hier stehe ich und kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen.

Bildnachweis: © Dieter Schütz / pixelio.de

Annelore Poljasevic, Annelore Poljasevic

Annelore Poljasevic - Ich bin 1952 im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber geboren und habe (weil es sich so ergeben hat) den nüchternen Beruf der ...

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