
- Trauer kann sich ähnlich auswirken wie die Demenz. - Paul Georg Meister/pixelio.de
Die Demenz weckt in den Menschen viel Angst. Es ist eine geheimnisvolle Krankheit: Über ihre Ursachen weiß man zu wenig; in ihrem Verlauf vergisst der Betroffene sich selbst.
Wer erkrankt an Demenz?
Das Risiko der Demenz steigt mit dem Alter. In der Altersgruppe 80- bis 90-Jährigen sind 15 bis 20 Prozent davon betroffen – fast jeder fünfte. Nur in Einzelfällen trifft die Demenz auch die ganz Jungen. Insgesamt leidet in Deutschland über eine Million Menschen an dieser Krankheit. Die Prognosen verkünden einen Einstieg in der nächsten Zukunft, als Ergebnis der demographischen Entwicklung: die Gesellschaft wird zunehmend älter. In 20 Jahren soll es über 50 Prozent mehr Kranke geben, wenn keine Fortschritte in der Prävention und Behandlung dies verhindern.
Ich bin vergesslich, also dement?
Die Vergesslichkeit – das wichtigste und am meisten gefürchtete Merkmal - bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung. Ähnliche Veränderungen wie bei der Demenz kann vor allem psychischer Stress hervorrufen. Starke emotionale Belastungen bringen manchmal auch geistige Einschränkungen: Die Gedanken kreisen dann um ein Thema (Trauer, Unglück, Trennung…); neue Informationen werden kaum aufgenommen oder gleich vergessen.
Die älteren Menschen reagieren oft stärker auf die Stresssituationen. So führt ein Wohnungswechsel oder der Tod des Partners nicht selten zu auffallender Verwirrung. Ob sich dabei um eine vorübergehende Beschwerde oder eine beginnende Demenz handelt, erkennt nur ein Spezialist.
Demenz ist nicht gleich Demenz
Es gibt verschiedene Arten der Demenz. Die Diagnose wird manchmal auch dadurch erschwert, dass der Patient an zwei verschiedenen Formen gleichzeitig leidet. Am häufigsten – bei zwei Drittel aller Demenzkranken – handelt sich um den Alzheimer Typ. Bei 10 bis 20 Prozent der Patienten stellt man die vaskuläre Demenz fest, für die die Durchblutungsstörungen als Ursache angegeben werden.
Sind Gene für die Alzheimer-Demenz schuld?
Auf diese Frage geben Wissenschaftler keine klare Antwort. Sie ziehen in Betracht sowohl Erbfaktoren wie auch Umwelteinflüsse und die individuelle Lebensgestaltung. Eine Voraussage lässt sich heute für niemanden erstellen.
Als Risikofaktoren vermutet man starkes Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum, genauso wie dauerhafte geistige Unterforderung. Eine Gefahr stellen auch überlebte schwere Hirnschädigungen, Bluthochdruck und Depressionen. Das hohe Alter gehört zu den größten Gefährdungen.
Der Beginn der Alzheimer-Demenz ist schleichend
Die Krankheit fängt mit Kleinigkeiten an. Die alltäglichen Tätigkeiten bereiten auf einmal Schwierigkeiten: das Kochen, Einkaufen oder Reparaturen gelingen nicht mehr wie früher. Dazu werden die Gegenstände ständig verlegt und die Termine nicht mehr eingehalten. Das Verhalten verändert sich: Ein geselliger Mensch zieht sich zurück, weil er den Gesprächen nicht mehr folgen kann. Oder er wird aufbrausend, weil er nur mit viel Mühe gewohnte Aufgaben erledigt. Zum Schutz vor einer Bloßstellung weisen die Kranken die Schuld für ihr Versagen den anderen zu. Diese Phase ist von depressiven Verstimmungen und Angst begleitet.
Diagnose: Demenz
Bei der Diagnosenerstellung passieren oft Fehler. Daher sollte dies eine Aufgabe des Facharztes sein – einen Neurologen oder Psychiater. In großen Städten existieren „Gedächtnissprechstunden“ oder „Memorykliniken“, die bei Unsicherheiten helfen. Viele gute Ratschläge erhält man bei den Alzheimer-Gesellschaften. Eine gründliche Untersuchung ist besonders für die Ausschließung der heilbaren Demenzerkrankungen wichtig, die beispielsweise durch Schilddrüsenhormonstörungen, Vitamin-B-Mangel, Blutungen im Gehirn oder gutartige Tumore entstehen.
Lob und Anerkennung statt Kritik
Der demente Kranke ist durch widersprüchliche Gefühle zerrissen: einerseits wünscht er sich Hilfe, gleichzeitig befürchtet er eine Bevormundung und den Verlust der Kontrolle über sein Leben. Daher sollte man auf die Kritik verzichten und den Betroffenen für seine Leistungen loben. Hilfe darf nicht als solche erscheinen und muss unauffällig gegeben werden.
Wie kann man der Demenz vorbeugen?
Einige Studien weisen auf die gesunde Lebensführung als die beste Vorbeugung hin. Damit sollte sich das Risiko verringern oder der Beginn um Jahre hinauszögern. Empfehlenswert seien: geistliche Beweglichkeit, gesunde Ernährung und körperliche Ertüchtigung. Ab und zu ein Glas Wein passe auch in diese Liste.
Quelle: Günther Schwarz, Umgang mit demenzkranken Menschen. Psychiatrie-Verlag. Bonn 2009. 140 Seiten.
