
- DemenzApp - Georg Nowotny
Im Anfangsstadium einer demenziellen Erkrankung können die betroffenen Menschen mit allerlei Gedächtnisstützen und der Hilfe ihrer Angehörigen ein weitgehend eigenständiges Leben führen. Erst nach und nach nimmt die Hirnleistung ab und damit auch die Fähigkeit, sich Straßennamen oder Hausnummern zu merken, U-Bahn- und Busstationen wieder zu finden oder einfach die richtigen Worte, um jemanden die eigene Notlage zu erklären.
Dann verwirren die visuellen Eindrücke , eine Umgebung wird nicht wieder erkannt, das Zeitgefühl geht verloren. Und plötzlich befindet sich ein Mensch mit Demenz in einer nahezu aussichtslosen Situation, die ihn verzweifeln lässt - und dazu seine vergeblich wartenden Angehörigen. Fast zwei Drittel der Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen werden nämlich zu Hause von den Angehörigen versorgt. Weil demenzkranke Menschen bei fortschreitender Erkrankung immer mehr in ihrer eigenen Vergangenheit leben, kann es auch passieren, dass sie aufbrechen (Hinlauftendenz), um ihre (längst erwachsenen) Kinder vom Kindergarten abzuholen oder in den Krieg zu ziehen. Oft werden sie erst gefunden, wenn sie lebensbedrohlich unterkühlt oder vollkommen dehydriert sind.
Totale Überwachung oder Sicherheit?
Kein Wunder also, dass in Zeiten von Hausnotruf, Handy-Ortung über GSM (Geostationary Meteorological Satellite) und GPS, dem globalen Satellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung in Auto-Navigationsgeräten auch technisch praktikable Lösung entwickelt werden, um Angehörige zu entlasten und demenzkranken Menschen Sicherheit zu geben. Wer in einem solchen Fall vor Freiheitsverlust und der totalen Überwachung orwellschen Ausmaßes warnt, der urteilt leichtfertig. Denn die Alternativen wären, die Betroffenen niemals mehr ohne Begleitung zu lassen oder sie immer wieder hilflos ihrem Schicksal in den Straßen einer für sie fremd gewordenen Stadt zu überlassen - mit viel Glück von der Polizei aufgegriffen, identifiziert und zurückgebracht.
Lange Selbständigkeit trotz demenzieller Beeinträchtigungen
Aber nur, weil die betroffenen Menschen immer mal wieder die Orientierung verlieren, sollen sie nicht gleichzeitig ihre Unabhängigkeit opfern müssen und trotz allem in der Lage sein, ihre sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten. Ohne Begleitung und ohne Bevormundung unterwegs sein - und doch nicht unbeschützt - das wünschen sich nicht nur Menschen im Anfangsstadium einer Demenz. Auch für die Angehörigen ist es eine Entlastung, wenn sie wissen, dass der Partner oder Mutter beziehungsweise Vater nicht verloren gehen. Was für Kinder funktioniert, das geht auch bei Senioren, sagte sich deshalb der Anbieter trackyourkid. Sein Service funktioniert durch Druck auf die Taste 5. Dieser löst einen automatischen Ruf zu vereinbarten Personen aus und gibt gleichzeitig die eigene Position preis - bis auf wenige Meter genau. Diese Konstellation setzt allerdings voraus, dass derjenige, der drückt, bei Bewusstsein ist und auch genau weiß, was er tut, wie eine fünf aussieht und warum er sie drücken soll, wenn er in eine Notsituation kommt. Menschen mit einer Demenz kann allein dies in Stresssituationen schon überfordern.
Demenz-App bringt Sicherheit für Betroffene und Angehörige
Deshalb ging der Münchner Georg Nowotny nun noch einen Schritt weiter. Er hat dafür eine Internetseite entwickelt, die über eine spezielle Software Kontakt aufnimmt zu einer Demenz-App auf dem Smartphone des Trägers. Das System heißt "Demenzbegleitung - Ortung für Menschen" und ermöglicht es Angehörigen oder Betreuern, den Aufenthaltsort des angemeldeten Schützlings jederzeit zu orten und ihn bei Bedarf auch dort abzuholen. Entweder kann man permanent im Internet prüfen, wo sich der demenzkranke Verwandter oder Pflegekunde gerade aufhält. Oder man wird nur für bestimmte, zuvor gemeinsam vereinbarte Situationen benachrichtigt - per E-Mail, SMS oder Anruf - beispielsweise dann, wenn der Betroffene 20 Minuten lang seine Position nicht verändert, einen definierten Bereich verlassen hat oder zu einem verabredeten Zeitpunkt nicht wieder zu Hause angekommen ist.
Wer als Mensch mit einer Demenz noch gerne ohne Begleitung unterwegs sein möchte - ohne die Angst, sich zu verlaufen, den falschen Bus zu nehmen oder sich nicht mehr an den Heimweg erinnern zu können, der sollte sich zusammen mit seiner Familie oder einem Pflegedienst solche technischen Neuerungen zu Nutze machen.
Quellen: Mobile Software AG, ibs Sicherheitstechnik Pieper/Siegle GbR
