
- Demenz-Clown Marcel Briand - Marcel Briand
„Menschen mit Demenz und Clowns sind Seelenverwandte“, das sagt der Schweizer Marcel Briand, einer der es wissen muss, weil er seit sieben Jahren als Clown in Seniorenheimen arbeitet. Und er begründet es damit, dass sich der Clown ebenso auffällig verhalte und ebenfalls Probleme mit Realität und Rationalität habe wie sein hochbetagtes, vorwiegend demenzkrankes Publikum im Pflegeheim.
Bei seinen regelmäßigen „Clowntagen“ gelingen dem Mann mit der roten Nase und seinem Markenzeichen, dem Nachttopf, oft kleine Wunder: Unerwartete Reaktionen bei Menschen, die ihr Gedächtnis und sich selbst scheinbar längst verloren haben und gar nicht mehr fähig scheinen, sich ihrer Umwelt noch mitzuteilen.
Der Klinik-Clown verdankt seine Entstehung dem Zufall
Die Begeisterung der Kinder auf dem Sommerfest eines New Yorker Krankenhauses, als sich der Clown einen Arztkittel überstreifte und Blödsinn machte, brachten den Humorprofi Michael Christensen 1985 auf die Idee, den Spaß auch direkt ans Krankenbett zu bringen.
Seit einigen Jahren schon besuchen Clowns in Deutschland schwerkranke Kinder auf den Stationen der Krankenhäuser, um sie abzulenken, aufzumuntern und einfach mal wieder zum Lachen zubringen. Die positive Wirkung und Popularität ihrer Einsätze hat aber auch die Mediziner und Forscher aus einem anderen Fachbereich, der Alters- und Alternswissenschaft (Gerontologie), inspiriert.
Einer, der auch auf den Stationen von Seniorenheimen künftig mehr Gelächter hören möchte, ist der Leiter der Abteilung für Gerontopsychiatrie der Rheinischen Kliniken in Bonn, Professor Rolf Dieter Hirsch. Er begrüßt nicht nur, dass sich immer mehr Clowns auch auf den Weg in die Seniorenheime machen. Er kämpft außerdem dafür, dass auch Pflegende den Humor als Teil ihrer Arbeit erkennen und nutzen, um schwierige Situation bei Verweigerungsverhalten, Aggressionen, Beschimpfungen zu lösen oder um Demenzkranken Beklemmungs-, Angst- oder Beschämungsgefühle zu nehmen.
Gero-Clown oder Demenz-Clown
Das sieht auch Marcel Briand so: Der gelernte Psychiatriepfleger veranstaltet deshalb neben seinen Clownstagen auch Seminare für die Mitarbeiter in der Pflege und schult sie im humorvollen Umgang mit demenzkranken Bewohnern. Nach seiner Meinung hat Humor nicht nur eine heilsame Wirkung auf Menschen in schwierigen Lebenssituationen, er hilft auch, Institutionen zu verändern.
Für den Einsatz als Demenz-Clown genügt jedoch nicht nur guter Wille, viel Humor und Einfühlungsvermögen. Ohne eine ordentliche Vorbereitung und Ausbildung geht es auch hier nicht. In Deutschland bieten verschiedene Vereine (siehe unten) für professionelle Clowns entsprechende Fortbildungen an.
Es geht aber auch so: Einen richtigen hauseigenen Clown wollte das Seniorenheim St. Joseph in Selfkant-Höngen nahe Düsseldorf haben. Geschäftsführer Marcel Ballas ließ dafür seine Mitarbeiterin Carmen Hörter an einer Theaterakademie in Eindhoven zum Demenz-Clown ausbilden. In den Niederlanden arbeiten übrigens schon 44 Demenz-Clowns mit Diplom in Pflegeheimen. In St. Joseph kommt nun Clowndame Rosa regelmäßig im Cafe Vergißmeinicht vorbei oder besucht die demenzkranken Bewohner in den Wohngruppen und in ihren Zimmern.
Spendengelder sind die Basis der Clownsarbeit
Weil ihre Arbeit wird überwiegend aus Spendengeldern bezahlt wird, entstanden verschiedene Vereine. Sie haben sich wiederum in einer Art Dachverband zusammengefunden: Buntes Bundes Bündnis BuBuBü – Clowns in Kliniken und Seniorenheimen e.V.: Im Vorstand ist Gerontopsychiater Prof. Rolf Dieter Hirsch, auf Jahrestreffen besteht die Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung. In der Mitgliederliste des BuBuBü findet man Initiativen in ganz Deutschland wie zum Beispiel folgende:
> Rote Nasen Deutschland e.V.: Das Projekt wird besonders unterstützt von Bestsellerautor, Mediziner und Kabarettist Eckhart von Hirschhausen. Der Verein engagiert sich mittlerweile auch in Seniorenheimen – vor allem im Raum Berlin.
> Die KlinikClowns e.V. – Verein zu Förderung der Betreuung und Therapie kranker Menschen: Die Proficlowns besuchen auch Altenheime, bietet Ausbildungsmöglichkeiten und arbeitet vorwiegend im Großraum München
> Clowns und Clowns e.V.: Die Mitglieder sind professionelle Clowns mit regelmäßigen Einsätzen in Altenheimen im Großraum Leipzig. Sie dokumentieren ihre Einsätze, nehmen an Fort- und Weiterbildungen teil, bieten wöchentliches Clownstraining für Mitglieder.
Und warum verstehen sich nun Demenzkranke und Clowns so gut?
Demenzkranke erschrecken oft über ihre Orientierungslosigkeit und ziehen sich zurück, sind depressiv. Clowns sind immer unbeschwert, nicht kontaktscheu und tasten sich ihnen spielerisch „entgegen“. Demenzkranke können sich oft schwer artikulieren. Clowns können auch ohne Worte gut kommunizieren. Demenzkranke sehnen sich oft besonders nach körperlicher Zuwendung. Clowns haben keine Berührungsängste.
Demenzkranke sind verunsichert, haben Schamgefühle und Angst, das Falsche zu tun oder sich zu blamieren. Clowns benehmen sich oft ordentlich daneben, blamieren sich nach Kräften, sind dabei liebenswert und gut gelaunt. So verscheuchen sie Ängste und Bedenken und helfen, fröhlicher und gelassener ins Leben zu blicken.
„Humor ist die Waffe der Seele im Kampf um Selbsterhaltung“
(Viktor E. Frankl (1905-1997), Wiener Neurologe und Psychiater)
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