Demenz und Kommunikation: Wie führt man ein Gespräch?

Mimik und Gestik helfen sich zu verständigen. - Rainer Sturm/pixelio.de
Mimik und Gestik helfen sich zu verständigen. - Rainer Sturm/pixelio.de
In einem Gespräch mit dem Demenzkranken kommt es nicht auf den Inhalt an. Es ist eine andere Art der Kommunikation.

Das Gespräch setzt grundsätzlich ein Mitwirken der Beteiligten voraus. Ein Demenzkranker merkt schnell, dass er diese Bedingung nicht erfüllen kann. In der ersten und der mittleren Phasen der Demenz leiden die Betroffenen meist sehr unter Sprachstörungen. Sie suchen nach Worten für bekannte Begriffe und finden sie oft nicht. Sie bleiben mitten im Satz hängen, verlieren den Faden, wiederholen sich stets. Sie verwechseln ähnlich klingelnde Worte sowohl beim Sprechen wie auch beim Hören. Ein Gespräch scheint unter diesen Umständen kaum möglich zu sein.

Wichtig bei Demenz: die Kommunikation mit Kranken, auch wenn sie nicht mehr verstehen

Die Gespräche mit Demenzkranken sind dennoch nötig und wichtig. Es geht nicht nur um die Vermittlung von Informationen. Auch dann, wenn sich die Dementen nicht verständigen können, verstehen sie meist lange noch gut, was man ihnen mitteilen will. Die Sprache dient jedoch nicht nur dazu, Inhalte zu transportieren. Genauso wichtig ist ihre soziale Rolle: Sie verbindet Menschen, lässt sie an Geschehnissen teilnehmen, gibt das Gefühl der Zugehörigkeit.

Das gesprochene Wort beinhaltet viel mehr als eine sinnvolle Substanz. Wo die Schwierigkeiten bei der Verständigung auftreten, gewinnen an Bedeutung die nonverbalen Komponenten wie der Klang der Stimme, die Melodie der Sprache und der Einsatz des Körpers. So entsteht eine andere Art der Kommunikation.

Gesprächsregel bei Demenz: auf Augenhöhe

Die Demenz schränkt in jeder Hinsicht ein. Ein Betroffener scheint nur das wahrzunehmen, was in sein verengtes Blickfeld gelangt. Deshalb ist es sehr wichtig einen Blickkontakt mit ihm zu suchen und am besten auf Augenhöhe ansprechen. Manchmal hilft es bei der Kontaktaufnahme, wenn man gleichzeitig Schulter oder Arm berührt.

Auf das Thema kommt es nicht an.Der Gesprächstoff darf sich wiederholen. Die Kranken werden ihn wieder neu erleben. Die Sätze sollen kurz und konkret sein; die Fragen einfach und mit Ja oder Nein zu beantworten. Mimik, Gestik, Zeigen und Vormachen – diese pantomimische Hilfestellung verbessert wesentlich die Verständigungsmöglichkeiten. Wenn man also fragt, ob der Kranke einen Kuchen will, sollte man ihn gleichzeitig zeigen.

Im Gespräch mit einem Demenzkranken verschiebt sich der Fokus vom Inhalt auf die Gefühle. Sie wahrzunehmen und zu akzeptieren gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Gesprächspartners.

Intuition als Wegweiser bei Kontakten mit Demenzkranken

Da die Gefühle und Stimmungen eigentliche „Kommunikate“ der Demenzkranken sind, erweist sich die Intuition als der richtige Weg in der Betreuung. Intuitives Handeln hilft eigenes Verhalten der Situation anzupassen. Die Entscheidungen fallen zwischen dem Eingehen auf die Gefühle oder nicht, dem Setzen der Grenzen oder der Wahl der Nähe. Keineswegs bedeutet Intuition eine unprofessionelle Vorgehensweise; im Gegenteil – sie muss erst gelernt werden.

Bildnachweis: Rainer Sturm/pixelio.de

Quelle: Günther Schwarz, Umgang mit demenzkranken Menschen. Psychiatrie-Verlag. Bonn 2009. 140 Seiten.

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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