
- Blaues Herz als Symbol gegen Menschenschmuggel - UN/UNODC
Das Schicksal der Opfer von Menschenhändlern erhielt am 4. November 2010 einen deutlichen Aufschwung durch die Auflage eines freiwilligen Treuhänderfonds der Vereinten Nationen zu ihrer Unterstützung. Nur drei Monate zuvor hatte die UNO-Vollversammlung einen weit reichenden Plan zur Bekämpfung des globalen Menschenhandels verabschiedet.
Nach Schätzungen der Weltorganisation werden gegenwärtig mehr als 2,4 Millionen Menschen als Opfer von Menschenhandel ausgebeutet. Der Fonds ist daher eines der wichtigsten Elemente des neuen globalen Aktionsprogramms der UNO zur Bekämpfung des kriminellen Handels mit Personen, der von der Vollversammlung im Juli 2010 angenommen wurde. Dadurch kann den Leidtragenden humanitäre, juristische und finanzielle Hilfe durch offizielle Kanäle wie Regierungen, zwischenstaatliche und nicht-staatliche Organisationen gewährt werden.
Kein Land ist immun gegen Menschenhandel
Auf einer Pressekonferenz in New York vor Eröffnung des Treuhandfonds, wies Juri Fedotov, der neu ernannte oberste Kriminalitätswächter der UNO und Chef des in Wien ansässigen UNO-Büros für Drogen und Verbrechensbekämpfung (UNODC), auf die weltweite Ausdehnung des Problems hin. “Wir müssen erkennen, dass kein Kontinent, kein Land immun ist; wir müssen als starkes globales Team handeln, um diese Herausforderung zu bestehen“, sagte Fedotov. „Wir können nicht dulden, dass die schlimmsten Menschen in der Welt – Menschenhändler – das Leben von Millionen Frauen, Kindern und Männern rund um den Erdball zerstören. Sie brauchen unsere Unterstützung, unsere Solidarität“.
Neben UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, dem Präsidenten der 65. UNO-Vollversammlung Joseph Deiss aus der Schweiz und zahlreichen Aktivisten der Zivilgesellschaft, Akademikern, Polizeibeamten und Überlebenden moderner Sklaverei nahmen auch das Schauspielerpaar Demi Moore und Ashton Kutcher an der Gründung des Fonds teil.
Demi More: Opfer der Menschenhändler werden noch zu oft kriminalisiert
Während der Pressekonferenz erwähnte Demi Moore, dass derzeit nur eines von 100 Menschenhandel-Opfern gerettet wird. Dennoch sind diese oft mit Kriminalisierung konfrontiert und erhalten nicht die nötige Zuwendung, die sie brauchen. Sie verwies auch auf die riesigen illegalen Profite, um die es in diesem schmutzigen Geschäft geht. “Das Durchschnittsalter eines Kindes, das als Sexsklave verkauft wird, ist 13 Jahre. Obwohl Kinder unglaublich belastbar, anpassungsfähig und überlebensfähig sind, glaube ich nicht, dass ein Kind erfolgreich eine Untergrundindustrie bekämpfen kann, in der ein durchschnittlicher Zuhälter 200.000 Dollar aus einem einzigen Mädchen herausholt“, sagte Demi Moore.
Moore und Kutcher hatten bereits vor einigen Jahren „DNA“, die Demi- und Ashton-Stiftung gegründet, die weltweit auf das Problem der Sexsklaverei aufmerksam machen und mit den kulturellen Rechtfertigungen dieses Verbrechens aufräumen sowie den Opfern die Eingliederung in die Gesellschaft erleichtern will.
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich zuversichtlich, dass der Fonds dazu beitrage, mehr Opfer – besonders Frauen und Kinder – aufzufinden und ihnen die Hilfe zu gewähren, die sie so bitter nötig haben, um wieder von der Gesellschaft aufgenommen zu werden und niemals erneut Menschenhändlern in die Hände zu fallen.
Anti-Menschenhandel-Fonds so stark wie UNO-Mitglieder ihn machen
Ban appellierte gleichzeitig an die finanzielle Unterstützung der Mitgliedsländer, von der ein Erfolg des Anti-Menschenhandel-Fonds entscheidend abhänge. „Ich rufe alle Mitgliedstaaten, die Privatwirtschaft und caritativen Organisationen auf, großzügig zu diesem Treuhänderfonds für die Opfer des Menschenhandels beizutragen”, sagte er und fügte hinzu: “Lassen Sie es mich gerade heraus formulieren, ich weiß, dass diese Initiative genügend Treuhänder hat, aber jetzt brauchen wir auch ihre Fonds. Damit geben wir den Opfern des Menschenhandels die Chance zu einem Neubeginn“.
Auf besondere Risiken von Missbrauch, Ausbeutung und Menschenschmuggel für Migrantenkinder aus Lateinamerika und der Karibik weist auch eine neue UNO-Studie vom 9. November 2010 hin. Die Autoren des Berichts „Kinder und internationale Migration in Lateinamerika und der Karibik”, der gemeinsam vom Kinderhilfswerk UNICEF und der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (ECLAC) herausgegeben wurde, räumen ein, dass Auswanderung einige Vorteile wie bessere Bildungs- und Berufschancen bringen kann. Gleichzeitig sind mit Migration aber auch negative Aspekte verbunden, besonders wenn Kinder in der Obhut anderer Personen zurück gelassen werden. Auch erhöhe sich durch das Ziehen von einem Land in ein anderes das Risiko für Missbrauch, Rechtsverletzungen und Menschenhandel. Allein innerhalb Lateinamerikas wurden sechs Millionen Migranten registriert und 25 Millionen Lateinamerikaner wanderten in die USA und nach Europa aus.
Menschenhandel hat viele Gesichter
Laut UNODC ist der Menschenhandel Jahr für Jahr ein Multi-Millionen Geschäft, das fast soviel Profit wie Drogen- und Waffenschmuggel einbringt und dessen Opfer vorwiegend Frauen und Kinder sind. Der Schmuggel mit Personen nimmt verschiedene Formen an, zu denen Zwangs- und Schwarzarbeit, Hausknechtschaft, Zwangsehen, Organgewinnung, Ausbeutung von Kindern als Bettler, Zwangsprostitution und Zwangsrekrutierungen in Rebellenarmeen gehören.
Der Aktionsplan der UNO gegen Menschenhandel fordert die Regierungen auf, koordinierte, umfassende und konsequente Schritte gegen das Schmuggeln von Personen zu unternehmen, und dabei stets auf der Basis der Menschenrechte zu handeln. Das Wiener UNODC-Büro erhielt den Auftrag, den Treuhänderfonds zur Durchsetzung des Aktionsprogramms unter Anleitung eines vom UNO-Generalsekretär eingesetzten Treuhänder-Gremiums zu verwalten.
Derzeit sind 141 UNO-Mitgliedstaaten dem Protokoll gegen Menschenhandel beigetreten, das Bestandteil der Konvention gegen das Transnationale Organisierte Verbrechen (CTOC) ist. Viele Länder haben den Kampf gegen kriminelle Menschenhändler exponiert in ihre Gesetzgebung aufgenommen und spezielle Polzeieinheiten aufgebaut.
