
- Am Leuchtturm: Ende des Po-Radwegs - Judith Weibrecht
Der erste Teil des Po-Radwegs und der zweite Abschnitt der Radroute am Po führten bis Ferrara, in die Fahrradhauptstadt Italiens. Ab hier ist der Weg nun „ausgeschildert“: ein weißes Fahrradlogo und die Aufschrift „Destra Po“ wurde auf den Asphalt des Dammwegs gesprüht. Doch verfahren kann man sich nicht. Es geht auf dem Deich geradeaus bis an die Adria.
Das letzte Teilstück des Po-Radwegs ab Ferrara nach Guarda
Dieses 132 Kilometer lange Stück ist vielleicht das schönste. Steigungen? Fehlanzeige! Eine horizontale Welt ist das. Dem Himmel so nah, dass er mit der Erde verschmolzen scheint. Der Po so breit, grenzenlos wie das Meer. Ein Meer? Nein, das kommt erst noch. Vorher schiebt sich die etwas überdimensionierte Kirche von Guarda ins Blickfeld, die mit dem Rücken zum Dorf und dem Eingang zum Fluss hin steht. Guarda, das ist hier Guarda Ferrarese, gegenüber liegt Guarda Veneto. Solche Zwillingsdörfer gibt es am Po viele, und sie schauen sich über den trennenden oder einenden Fluss hinweg an. Dieser Strom vereint: Opern, grandiose Literatur, Anglerromantik. Und dieser Fluss polarisiert: Früher schon zwischen österreichischer und päpstlicher Staatlichkeit, dann Don Camillo und Peppone, Kommunisten und Faschisten, Emilia Romagna und Lombardei, Schweine- und Lammfleischgrenze, die irgendwo hier verlaufen soll. Die Wirren des Po sind unendlich.
Der Radweg im Po-Delta bis ans Wasser und zum Leuchtturm
Am Beginn der Wasserwüste des Deltas, bei Seravalle, gabelt sich der Po in den Po di Venezia und den Po di Goro, den man gleich weiter entlang radeln wird. Dieser Fluss, diese Landschaft, diese Menschen und ihre Eigenarten erschließen sich nicht auf die Schnelle, das sollte man wissen. Zeit und Offenheit sind von Vorteil. Voraus sehen Radler das mächtige achteckige Castello Estense von Mesola, und es lohnt sich unbedingt, der „Locanda Duo“ einen Besuch abzustatten (fragen Sie sich durch!). Dort sitzt man wie im Wohnzimmer der Familie und speist Platten über Platten von Meeresfrüchten: Canocchini zur Vorspeise, dann Schollen, Rochen, Aal... Zu viel. Molto bene! Grazie!
Vorbei geht’s nun noch an der klapprigen Ponte di Barche in Goro, man riecht schon das Meer oder träumt davon, glaubt, den Wellenschlag zu hören, über einen sehr holprigen Pfad am alten Leuchtturm vorüber zum neuen Faro di Gorino: Das Meer. Das Ende? Infolge der Stickstoffe wächst das Delta jedes Jahr um 50 Hektar ins Meer hinaus. Es bleibt also abzuwarten, wie weit der Po-Radweg nächstes Jahr schon führt... Am Ende? Liegt man also doch wieder an der Adria wie zu Kinderzeiten, Sand knirscht zwischen den Zähnen. Ein vino frizzante vom Fass geht über den Tresen und die Welt perlt, schäumt über. Das „gelato“ leuchtet giftgrün und bonbonrosa, das Meer quietschblau, der Himmel azzurro. Es ist fast wie damals... nur noch viel schöner. Finito! Und eine Verdi-Oper käme jetzt gerade Recht...
Informationen, Literatur und Karten
- Weitere Informationen zum Po-Radweg und zu den Orten am Wegesrand gibt es bei Emilia Romagna Turismo und bei der Touristinformation Ferrara.
- Gut recherchiert ist der Bikeline-Radwanderführer „Po-Radweg“, Radtourenbuch und Karte 1:75.000, Verlag Esterbauer, ISBN 3-85000-143-1.
- Echte Fans lesen während der Reise Giovannino Guareschis "Don Camillo und Peppone".
