Denkmalpark in Budapest – der Memento Park

Frontansicht des Monumento-Parks in Budapest - Wolfgang Weitzdörfer
Frontansicht des Monumento-Parks in Budapest - Wolfgang Weitzdörfer
Hunderte Tonnen Kommunismus kann man in einem letzten Blick hinter den eisernen Vorhang im Memento Park in Budapest bestaunen.

Eine besondere Art der Aufarbeitung der eigenen kommunistischen Vergangenheit hat man in Budapest in Ungarn gewählt. So wurden alle jener monumentalen Statuen und Denkmäler, die die Kommunisten in dem ihnen eigenen Größenwahn in der ganzen Stadt aufgestellt hatten, nicht vernichtet, sondern nach dem Umbruch der Jahre 1989/90 gesammelt. Im Jahre 1993 schließlich wurde nach mehrjähriger Entscheidungs- und dann Bauphase der „Memento Park“, der Denkmalpark im XXII. Bezirk von Budapest eröffnet. Seitdem – und vor allem nach einer durchaus stürmischen ersten Betriebsphase – ist der Denkmalpark ein wichtiger und gleichwertiger Partner in der Museumslandschaft von Budapest.

Ein demokratischer Park über die Diktatur – der „Memento Park“ in Budapest

Ákos Eleöd jr., der Architekt des „Memento Parks“ in Budapest, wollte die, wie er es beschrieb, „heikle Angelegenheit“, das „unheimlich ernsthafte Problem möglichst ernsthaft behandeln“ – und schuf mit seinem Denkmalpark einen Ort an dem die Bildnisse der Diktatur in derart geballter Art und Weise praktisch in Reih und Glied stehen, um damit auszudrücken, mit dieser Konzentration sichtbar zu machen, dass „nur die Demokratie uns die Gelegenheit bietet, frei zu denken; über die Diktatur – und über die Demokratie... und über alles Andere.“

„Ein Satz über die Tyrannei“ – Widmung am „Memento Park“ in Budapest

Der ungarische Dichter Gyula Illyés (1902 – 1983) erlebte zwar den Untergang des Kommunismus in Osteuropa nicht mehr, war jedoch ein vehementer Gegner der Unterdrückung des Menschen jedweder Richtung. Sein Gedicht „Ein Satz über die Tyrannei“ (geschrieben 1950, veröffentlich 1956) ziert den Eingangsbereich des Denkmalparks und ist eindringliche Mahnung und tragische Zustandsbeschreibung zugleich: „...denn beizeiten steht sie/an deinem Grab,/sie sagt dir, was du gewesen bist,/sogar dein Staub wird ihr dienen.“

Lenin, Marx und Engels – die Troika des Sozialismus im Schatten von „Stalins Stiefel“

Geht man auf den „Memento Park“ zu hat man direkt die drei vermeintlichen sozialistischen Heilsfiguren vor sich – Vladimir Ilic Uljanow Lenin, Karl Marx und Friedrich Engels –, die salopp gesagt als Türsteher in der kommunistischen Werkschau in Budapest fungieren. Dreht man sich mit einem unguten Gefühl um, findet man auf der etwa 100 Meter entfernten Tribüne eine schaurige Reminiszenz an das personifizierte Böse des Schreckbilds des Kommunismus: Josef Stalins – Füße... Denn nur diese blieben nach dem Oktober-Aufstand von 1953 übrig, als die Menschenmasse sich gegen die Unterdrückung auflehnte und symbolisch das acht Meter hohe Bronzedenkmal, das auf dem „Aufmarsch-Platz“ stand und von dem aus die kommunistischen Führer den Massen huldvoll zuwinkten. Stalins Stiefel wirken auch ohne den dazugehörigen Körper durchaus einschüchternd.

41 Denkmäler in drei liegenden Achten – „Memento Park“ in Budapest

Angelegt ist der Denkmalpark in drei liegenden Achten, die einen Weg symbolisieren sollen – den des Sozialismus. Dass dieser jedoch keineswegs für die Ewigkeit sein würde, wird man am Ende der Ausstellung feststellen. Auf diesem Weg findet man jedoch das eine oder andere durchaus eindrucksvolle, riesenhaft wirkende Denkmal. Etwa das Béla Kun Denkmal (1986) von Imre Varga, einem der bekanntesten Künstler des Spätsozialismus, das sich ebenso in der „Unendlichen Allee der Figuren der Arbeiterbewegung“ findet, wie Bronze-Denkmäler von Lenin, Dimitrow oder Árpad Szakasits. Diesen voraus geht jedoch die „Unendliche Allee der Befreiungsdenkmälern, die sich natürlich alle in der einen oder anderen Weise auf die Befreiung durch die sowjetische Rote Armee im Zweiten Weltkrieg beziehen. Eindrucksvoll anzusehen – und beim Betrachter so manches Mal den durchaus bewegenden Schauer des tatsächlich-Dagewesenen auslösend – sind diese steinernen und metallenen Zeitzeugen durchaus!

Architektonisches Schmankerl im „Memento Park“ – die Sackgasse

Da der „Memento Park“ kein Gruselstück, keine Schauermär aus (noch gar nicht so lang) vergangenen Zeiten sein will, sondern ein zum Nachdenken anregendes Mahnmal über das kommunistische Unrechtssystem Osteuropas, wurde bei der Architektur auf Symbolik Wert gelegt. Ist man den Weg der 41 Denkmäler über den die Ewigkeit suggerierenden Weg abgegangen, endet dieser an einer einfachen Mauer. Einer Sackgasse. Der Besucher ist, trotz der übergroß, übermenschlich und so unbezwingbar wirkenden Zurschaustellung der kommunistischen Ideologie dazu gezwungen, umzukehren. Denn eine Sackgasse führt nirgendwohin – außer zum Neubewerten und schließlich sich-Abwenden von scheinbar Bewährtem. Genau das hatte dem Kommunismus letztlich seine Daseinsberechtigung gekostet...

Informationen zum „Memento Park“ in Budapest

  • Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr, 1. November bis 30. April an Wochenenden und Feiertagen ab 10 Uhr bis zur Dämmerung. Bei schlechter Witterung ist der Park grundsätzlich geschlossen.
  • Adresse: Budapest XXII., Ecke Balatoni út – Szabadkai utca.
  • Internetauftritt: http://www.szoborpark.hu/ oder: www.mementopark.hu
  • Telefon: #36 (1) 227 7446
  • Fax: #36 (1) 337 5050
  • Email: office@szoborpark.hu

Quelle:

Ákos Réthly: Denkmalpark. Gigantische Denkmäler der kommunistischen Diktatur. Budapest 1994.

Wolfgang Weitzdörfer, Fotostudio Sabine Winkler

Wolfgang Weitzdörfer - Werdegang Abitur 1996Ausbildung zum Heilerziehungspfleger 1998-2001Berufstätigkeit 2001-20082008 - 2011: Studium BA ...

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