Depressionen heilen ohne Medikamente?

Das Buch "Die Neuen Medizin der Emotionen" greift ergänzende Möglichkeiten zur Behandlung von Depressionen auf.

Kranke Menschen sind besonders empfänglich für Heilsbotschaften, Depressive inklusive. Die Auswahl an Fachliteratur und Büchern, die den ultimativen Schlüssel zur Gesundheit offenbaren, ist immens. Nicht verwunderlich, dass Kopfschmerzen beim Durchstöbern von Gesundheitsliteratur fast schon vorprogrammiert sind. Auf der Suche nach Wissen wie Depressionen überwunden werden können, sticht im Psychologie-, Esoterik- und Erfahrungsberichtdschungel ein Buch ganz besonders heraus: Die Neue Medizin der Emotionen.

Der Mitbegründer des Center for Complementary Medicine und renommierte Psychiater David Servan-Schreiber, unternimmt in diesem Spiegel Bestseller den Versuch, Betroffenen einen Koffer mit Hausmittelchen zusammenzustellen, welche dazu verhelfen sollen, ohne Medikamente gesund zu werden. Eine ernstzunehmende Krankheit wie eine Depression ohne Antidepressiva eindämmen, ja sogar heilen. Muss man dafür nicht ein Schamane sein, um für ein solches Versprechen überhaupt ernst genommen zu werden?

Dem Autor des Buches geht es um alles andere als um Versprechen oder Wunderheilungen. In einer Synthese aus wissenschaftlichen Fakten und persönlichen Erfahrungen mit Patienten gelingt es Servan-Schreiber einen Erfahrungskatalog übersichtlich und nachvollziehbar in sieben Hauptbereiche zusammenzufassen, auf welche im Folgenden etwas genauer eingegangen wird.

1. Kohärenz

Wenn das Herz-Hirn-System aus dem Gleichgewicht gerät, kann dies fatale Auswirkungen haben. Der Gesamtorganismus fühlt sich gestresst, kommt nicht zur Ruhe, ist nicht eins mit sich selber. Um das Gleichgewicht, die Kohärenz wiederherzustellen, kann und muss entgegengesteuert werden. Konkret geschieht dies, auch wenn in erster Linie von kurzfristigem Charakter, durch eine gezielte Atmung, welche relativ einfach erlernbar ist.

2. Die emotionale Integration durch Augenbewegung (EMDR)

Ist dies zwar die einzige der beschriebenen Hilfsmittel, welche nicht alleine angewendet werden kann, beeindruckt sie doch mit deren Erfolgsquote. Eine EMDR-Therapie wird gezielt bei verschiedenen Traumata eingesetzt. Dabei werden die verletzenden und schockierenden Bilder mithilfe von Augenbewegungen, ähnlich wie dies der Mensch während dem Träumen macht, aufgearbeitet. Der grosse Vorteil dieser Methode liegt in der zeitlichen Effizienz.

3. Die biologische Uhr richtig einstellen

Qualitätsfaktoren für guten Schlaf sind vielfältig. Um sich erholt zu fühlen, ist weniger die Anzahl Schlafstunden massgebend, sondern viel mehr, der richtige Zeitpunkt des Erwachens. Diesen kann man mithilfe einer Zeitlichtschaltuhr steuern. Eine solche Uhr simuliert den Sonnenaufgang und sendet dem Hirn durch sanfte Lichtreize die Botschaft, dass die entsprechende Schlafphase einem Ende zugehen soll. Erholt in einen Tag zu starten bedeutet sicherlich ein Stück Lebensqualität.

4. Steuerung des Qi durch Akupunktur

In der traditionell Chinesischen Medizin nimmt der Begriff Qi (kann in etwa mit Lebensenergie übersetzt werden) eine wichtige Rolle ein. Ist das Gleichgewicht in unserem Wesen gestört, resultieren Krankheiten daraus. Obwohl das Qi nicht durch eine Apparatur wie beispielsweise einem Ultraschallgerät ersichtlich ist, kann es durch den Einsatz von Akupunktur oder aber auch Meditationsformen wie beispielsweise dem Qi-Gong in die richtigen Bahnen geleitet werden. Werden die Blockaden gelöst, so fliesst die Energie wieder und das Individuum verfügt folglich auch wieder über mehr Ressourcen.

5. Omega-3-Fettsäuren

Eine ausgewogene Ernährung wirkt sich nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die mentale Befindlichkeit aus. Omega-3-Fettsäuren, hauptvorkommend in Fischarten und Ölen, leisten einen nicht unwesentlichen Beitrag an die Ernährung des emotionalen Gehirns. Zu viele Omega-6-Fettsäuren, diese kommen in vielen Fleischsorten vor, machen müde und träge; eine gesunde Balance dieser Fette sorgen für das nötige Schmieröl im menschlichen Körper.

6. Bewegung

Für die meisten Menschen gar keine neue Erkenntnis stellt die Tatsache dar, dass regelmässige Bewegung gesund ist. Doch dass sich sportliche Betätigung auch auf einen depressiven Zustand positiv auswirken kann,klingt dann wiederum fast schon zu schön. Fakt ist, dass bei regelässiger körperlicher Belastung, dies natürlich im Rahmen der Möglichkeiten, Glückshormone freigesetzt werden, welche sich logischerweise wohltuend auf das psychische Befinden auswirken.

7. Erkenntnisse aus Psychologie und Lebensschule

Im letzten Teil des Buches wird auf vier Bereiche eingegangen, welche den Bereichen menschliche Psychologie und Weisheiten des Lebens zugeordnet werden kann. Es wird die Bedeutung von Liebe als biologischem Bedürfnis erläutert. Ebenso kommt das aktive Zuhören und das Formulieren von Ich-Botschaften zu trage. Schliesslich wird das rund 300 seitige Buch mit der Bedeutung unserer echten zwischenmenschlichen Beziehungen abgerundet.

Empfehlenswert ist dieses Buch nicht nur für Menschen mit Depressionen. In einer verständlichen Sprache verfasst, gelingt es dem Autor wissenschaftliche Erkenntnisse interessant und schmackhaft an den Leser zu bringen, welcher fast schon dazu gezwungen ist, das eine oder andere Hausmittelchen auszuprobieren. Es liegt auf der Hand, dass ein solches Buch keineswegs eine Therapie ersetzen soll, aber ganz nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ darf man sich ohne Bedenken auf die Inhalte des Buches einlassen.

Quellen: David Servan-Schreiber: Die Neue Medizin der Emotionen (Goldmann-Verlag 2006)