Die Ursachen für psychische Probleme im Alter wie depressive Störungen und Wahnerkrankungen können ganz unterschiedlich sein. Sie zu erkennen und richtig zuzuordnen ist schon für Experten keine leichte Aufgabe.
So treten Depressionen bei Menschen im höheren Alter auf, wenn sie beispielsweise herausgerissen aus einem erfüllten Arbeitsleben mit dem Eintritt ins Rentenalter und ihrem Dasein als Großeltern nicht zurechtkommen. Ebenso bei denen, die mit ihrer Lebensbilanz unglücklich sind, über verpasste Chancen und falsche Entscheidungen ins Grübeln kommen, resigniert aufs Lebensende warten.
Altersdepressionen haben verschiedene Ursachen
Depressionen können aber auch bei einer beginnenden Demenzerkrankung entstehen, wenn man sich seiner nachlassenden Hirnleistungen bewusst wird und unter seiner Hilflosigkeit, dem Gefühl des „Ausgeliefertseins“ und der Ausweglosigkeit leidet. Auch der Tod des Partners zu einem Zeitpunkt, da man endlich gemeinsam den Lebensabend genießen wollte, kann dazu führen, dass der Zurückgebliebene in tiefe Trauer und Depressionen fällt.
Depressive Störungen können sich auch zu besonders schweren Formen entwickeln, die begleitet werden von Psychosen – das sind seelische Störungen, bei denen die Betroffenen weitgehend ihren Realitätsbezug verlieren. Sie haben dann Wahnvorstellungen und Halluzinationen.
Alterspsychosen werden ausgelöst durch viele Faktoren
Solche Psychosen treten aber nicht nur bei schweren Depressionen auf, sie können durch verschiedene andere Faktoren ausgelöst werden. Wahnvorstellungen und Halluzinationen entstehen bei älteren Menschen nicht selten auch durch
- Medikamente: Weil der Stoffwechsel von älteren Menschen verlangsamt und reduziert ist, werden zum Beispiel Medikamente nicht mehr so schnell abgebaut. Und so kann die Konzentration dieser Substanzen oder ihrer Abbauprodukte im Körper dauerhaft zu hoch sein. Auch Neben- und Wechselwirkungen von Arzneimittelstoffen können sich dabei stärker ausbilden. Besonders auf Symptome achten bei der Einnahme von Medikamenten gegen Parkinson und Epilepsie, bei manchen Antihistaminika, Digitalis-Präparaten, Beta-Blocker, Cortison, aber auch bei frei verkäuflichen oder pflanzlichen und alternativen Heilmitteln.
- Alkohol : Ältere Menschen vertragen davon weit weniger als jüngere.
- Austrocknung, Hunger, Überhitzung und Unterkühlung
- Infektionen (Fieber)
- Störungen des Stoffwechsels (Unterzuckerung bei Diabetes)
- Störungen des Hormonsystems (Schilddrüsenerkrankungen)
- Krebserkrankungen
- Blutarmut, Vitaminmangel (B12, Pantothen- und Folsäure)
- Vergiftungen (Schwermetalle und Kohlenmonoxid)
- Sehbehinderungen und Schwerhörigkeit: Sie können dafür sorgen, dass Eindrücke falsch wahrgenommen und illusionär verkannt werden. Wenn durch diese Wahrnehmungsstörungen die Verständigung mit der Umwelt immer schwieriger wird, führt das in die soziale Isolation und macht die betroffenen Menschen immer einsamer, misstrauischer und ängstlicher.
Organische Psychosen
Für bestimmte Formen, die so genannten organischen Psychosen, sind dagegen Erkrankungen des Gehirns (Demenz) oder des zentralen Nervensystems (Hirntrauma, Hirntumor, Schlaganfall, Parkinson, Multiple Sklerose, Epilepsie) verantwortlich. So zeigen über die Hälfte der Demenzkranken wahnhafte Symptome.
Wahnhafte Störung (Paranoia)
Und schließlich können diese Symptome auch in Form von wahnhaften Störungen (Paranoia) besonders im Alter als ganz eigenständiges Krankheitsbild auftreten. Gerade dann, wenn Menschen zunehmend und über Jahre hinweg vereinsamen, ihre sozialen Kontakte abbrechen oder verlieren. Sie werden misstrauisch, ängstlich, hören Stimmen, befürchten Diebstahl oder Verfolgung, leiden also unter einem so genannten Kontaktmangelparanoid.
Wahnvorstellungen und Halluzinationen können sich in ganz unterschiedlichen Formen zeigen und Angehörige, Nachbarn und Pflegepersonal vor große Probleme stellen. Wie man es schafft, dennoch das Vertrauen des „Wahnkranken“ zu gewinnen und ihm zu helfen, wird in dem Artikel „Wahnvorstellungen im Alter“ beschrieben.
