
- Französischer Einfluß - Saarbrücker Zeitung
Die Alten werden sich ungern daran erinnern, die Jungen haben das Ereignis gar nicht mehr im Kopf. Aber eigentlich hätte der im Lauf seiner Geschichte immer wieder arg gebeutelte 1. FC Saarbrücken einigen Grund, sich eines besonderen Jubiläums zu erinnern. Im Jahr 2010 sind es 60 Jahre her, dass diese Fußballmannschaft den „Internationalen Saarlandpokal“ gewann, durch ein 4:0 im Endspiel gegen Stade Rennais UC. Was wie eine Fußballhistorie aussieht, ist in Wahrheit Ausdruck politischen Elends um die Jahre 1949 und 1950. Den jenen Pokal mit immerhin 14 europäischen Spitzenmannschaften gab es nur deshalb, weil die saarländischen Fußballer politisch zwischen alle Stühlen saßen: Wegen des Saarstatuts durften sie nicht in der westdeutschen Oberliga kicken, von den Franzosen wurden sie nach einem Jahr in der 2. französischen Division wieder vor die Tür gesetzt.
Aus dem deutschen Spielbetrieb ausgeschlossen
Die Gründung des Vereins unter dem Namen 1. FC Saarbrücken – nach der Auflösung der „Kriegsspielgemeinschaft Saarbrücken“ - am 25. November 1945 hatte anfangs noch unter einem guten Stern gestanden. Beispielsweise gab es schon 1947 ein erstes internationales Spiel gegen Stade de Reims, das zwar mit 3:5 verloren wurde, aber auch deshalb einige Aufmerksamkeit erregte, weil sich sogar der FIFA-Präsident zu dieser Begegnung nach Saarbrücken bemüht hatte. Dies hatte bereits einen politischen Hintergrund. Der 1. FC, der schon 1946 die Südwestmeisterschaft und damit die Meisterschaft in der französischen Besatzungszone gewonnen hatte, musste nämlich 1948 das deutsche Ligasystem verlassen. Das Saarland sollte eigenständig sein – unter Pariser Schutzschirm; Souveränität konnte man es nicht nennen, „Europäisierung“ hieß das Stichwort.
Als FC Sarrebruck in der 2. französischen Division
Politisches Tauziehen hin und her: Die Saarbrückener wollten Fußball spielen. Also bewarben sie sich um die Teilnahme am Spielbetrieb in der 2. französischen Division. In der Tat, für die Spielzeit 1948/49 durften sie dort außer Konkurrenz mitkicken; allerdings mussten sie sich einen französischen Namen zulegen. Der 1. FC Saarbrücken hieß also nunmehr FC Sarrebruck. Zwar wurden ihre Punkte und Tore nicht gezählt, aber zum Schluss der Saison war klar: Saarebruck war Erster geworden vor Girondins Bordeaux. Danach war erneut Schluss, die Franzosen setzten die Mannschaft wieder vor die Tür. Im Westen nicht gelitten, im Osten ausgesperrt; für die Saarländer wurden es bittere Zeiten.
Ein Sieg sogar gegen Real Madrid
Aber sie blieben unverdrossen. Also erfanden sie den "Internationalen Saarlandpokal" und trugen munter internationale Freundschaftsspiele aus. So wurden sie im Zuge dieses Wettbewerbs die erste deutsche Mannschaft, die gegen Real Madrid die Oberhand behielt. Sogar mit einem Traumergebnis von 4:0. Der 1. FC Saarbrücken wurde zu einem internationalen Zugpferd, was den damaligen FIFA-Präsidenten Jules Rimet lobend sagen ließ, die Saarländer seien „die interessanteste Fußballmannschaft Europas“. Und wie es sich so gehörte, gewannen sie 1950 den selbst gestifteten Pokal auch selbst.
Von Edmund Conen bis Felix Magath
Er wurde allerdings auch nur dieses eine Mal ausgetragen. Denn 1951 durfte der 1. FC Saarbrücken in das deutsche Ligasystem zurückkehren, immerhin vier Jahre vor der Eingliederung des Saarlandes als damals 11. Bundesland in die Bundesrepublik Deutschland. Beglückend allerdings war der Auftritt des Vereins in den folgenden Jahrzehnten nicht. Sportlich gab es ein ständiges Auf- und Ab, finanzielle Probleme und zuletzt den Absturz in die Fünftklassigkeit. Dabei war die Mannschaft immer auch eine Talentschmiede – oder zumindest Durchgangsstation für Fußballer, die zu einigen Ehren gekommen sind. Der berühmteste Saarbrücker Nationalspieler ist wohl Edmund Conen, der zwischen 1934 und 1942 28mal das Nationaltrikot trug und 27 Tore schoß. Aber auch andere bekannte Namen begeisterten die Zuschauer im Ludwigsparkstadion; beispielsweise Felix Magath, Dieter Ferner (heute Trainer), Anthony Yeboah, Andy Brehme, Michael Preetz, Dieter Müller oder Marc Ziegler.
Helmut Schön als Trainer der Saar-Nationalelf
Versteht sich, dass 20 Spieler des 1. FC Saarbrücken zur Zeit der Scheinselbständigkeit in der 1951 begründeten saarländischen Nationalmannschaft spielten. Und die, von Helmut Schön betreut, traf in der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz ausgerechnet auf Deutschland und verlor 0:3 und 1:3. 1956 ging dann der saarländische Fußballverband im DFB auf.
