Der aktuelle Mietspiegel der Stadt Essen

Villa Hügel - in sehr guter Essener Gegend - Thomas Max Müller, Pixelio
Villa Hügel - in sehr guter Essener Gegend - Thomas Max Müller, Pixelio
Der derzeit gültige Mietspiegel in Essen stammt aus Dezember 2009, wobei im Jahr 2011 die Herausgabe einer aktualisierten Version geplant ist.

Der Mietspiegel bestimmt sich generell nach Lage der Wohnung, Größe, Balkon/Loggia (die allerdings zu maximal 50 Prozent in die Berechnung einbezogen werden), Garten (Gemeinschaftsgarten oder Garten zur Alleinnutzung), Alter des Gebäudes, Geschoss, Anzahl der einzelnen Wohnungen im Gebäude und Ausstattung. Je mehr Wohneinheiten sich in einem Haus befinden, zum Beispiel in Hochhäusern mit mehr als fünf Stockwerken, desto mehr nimmt der Punktwert für die einzelnen Wohnungen ab. Wohnungen, die in Zwei- bis Vier-Familien-Häusern gelegen sind, werden also nach diesem Gesichtspunkt am besten bewertet, gefolgt von Wohnungen, die sich in einem maximal Zehn-Parteien-Haus befinden.

Entscheidend ist auch die Lage des Hauses, in dem sich die Wohnung befindet. Wohnungen, die sich in einer ruhigen Seitenstraße befinden, wie etwa der Riekenbank in Borbeck werden besser bewertet als Wohneinheiten, die an einer viel befahrenen Hauptverkehrsstraße wie beispielsweise der Gladbecker Straße (B224) liegen, die zwischen dem Nordviertel und Karnap in der äußersten Nordspitze Essens verläuft.

Definitionen von einfacher Ausstattung

Zu den Ausstattungsmerkmalen zählen gemeinhin Art der Fassade, Fußböden, Art der Heizung (Öl, Gas, Holzpellets oder Nachtspeicher), Treppenhaus, Fußbodenbeläge, Fenster, Warmwasserversorgung et cetera. Einfach ausgestattet sind Wohnungen mit Nachtspeicherheizungen, PVC-Böden oder Böden ohne Belag (zum Beispiel einfache Holzdielen), einfach verglaste Fenster. Befinden sich diese in einem Haus mit einfachem Putz oder nacktem Mauerwerk (Backstein), wie es in Einzelfällen immer noch an alten Zechenhäusern zu finden ist, ist auch dies als einfache Ausstattung zu werten.

Differenzierung bei der Ermittlung des Mietspiegels nicht nur Stadtteilen

Nicht nur der Stadtteil, in dem die jeweilige Wohnung liegt, wird zur Ermittlung des Mietspiegels – also zur Berechnung des Quadratmeterpreises für Wohnraum in diesem Gebiet – herangezogen, sondern es wird auch nach Straßenzügen definiert, was sich insbesondere bei größeren, dicht besiedelten Stadtteilen wie etwa Altenessen (Nord und Süd), Altendorf oder Frohnhausen anbietet.

In Altendorf beispielsweise werden die Häuser entlang der Haus-Berge-Straße, die zwischen den Einmündungsbereichen Sterkrader Straße und Buschhauser Straße liegen, als einfach ausgestattet eingruppiert, während die Kleinhaussiedlung in unmittelbarer Nähe der Bockmühle als mittel bis gut bewertet wird.

Auffallend ist zudem, dass in bestimmten Stadtteilen maximal das Gütesiegel mittel oder mittel bis gut vergeben wird, so zum Beispiel in Altendorf im Nordwesten Essens, Altenessen im Norden der Stadt, Bochold im Nordwesten oder Frillendorf im Nordosten. In anderen Stadtteilen werden bestimmte Wohngegenden als gut oder sogar sehr gut bezeichnet. Dazu zählen Bredeney im Südwesten Essens, das fast angrenzende Fulerum, Heisingen direkt am Baldeneysee und Huttrop im Südosten. Allerdings wird auch hier wieder nach Straßenzügen unterschieden.

Indirekte Auswirkungen der Wohnlage auf den Einzelnen

Diese gelten nicht nur für die Einwohner der Stadt Essen, sondern sind auch auf jede andere deutsche Stadt übertragbar. Im konkreten Fall Essens berichten vielfach Menschen, die in Altenessen leben oder gelebt haben, dass ihnen mit Vorurteilen begegnet wird und sie sich zum Teil rechtfertigen müssen, da die nördlichen Stadtteile Essens immer noch einen schlechten Ruf genießen und dort praktisch keine Straße als gut eingestuft wird, sondern bestenfalls als mittel bis gut.

Auch bei der Kreditvergabe bei Banken spielt die Angabe der Adresse eine Rolle. So haben Menschen, die beispielsweise aus finanziellen Gründen in der Straße Am Alfredspark leben, teilweise Schwierigkeiten, einen Kredit zu bekommen – auch wenn keine negativen Schufa-Auskünfte über sie vorliegen und sie zudem über ein geregeltes Einkommen verfügen. Dies ist damit zu begründen, dass die vorgenannte Straße nicht als gut eingestuft wird, zumal sich diese direkt oberhalb der A40 befindet. Wohnungen und Bewohner, die direkt an der A40 leben, wird ohnehin eher mit negativen Vorurteilen begegnet, wie auch ein Artikel der NRZ im Herbst 2010 festgestellt hat. Die Wohnsituation spielt auch beim Scoring der Banken, mit dem die Kreditwürdigkeit des Einzelnen geprüft wird, eine Rolle.

Inoffizielle Kriterien losgelöst vom Mietspiegel

In die Beurteilung eines Menschen beziehungsweise seiner Kreditwürdigkeit fließen nicht nur formale Kriterien wie seine Wohnsituation ein, sondern auch informelle Kriterien wie zum Beispiel Vorurteile, die vielfach durch Mund-zu-Mund-Propaganda entstanden sind, ob im jeweiligen Straßenzug ein hoher Ausländeranteil zu verzeichnen ist und ähnliches. Altendorf und zum Teil auch Altenessen, Karnap und Katernberg sind unter den Essener Bürgern häufig mit negativen Vorurteilen behaftet, da gerade dort viele Menschen mit Migrationshintergrund leben.

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Bildnachweis:

Villa Hügel: (c) Thomas Max Müller, Pixelio

Zeche Zollverein: (c) Thomas Max Müller, Pixelio

Schloss Borbeck: (c) Dieter Schütz, Pixelio

Abendhimmel nach Starkregenschauer: (c) Alexandra Döll, Essen

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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