
- Altenberger Dom - Jacqueline Wicki
Der Altenberger Dom liegt in der Gemeinde Odenthal im Rheinisch-Bergischen-Kreis und wurde als Weltkulturerbe anerkannt. Er ist ein anschauliches Beispiel für die schlicht gehaltene Baukunst der Mönche, die diesen Ort Anfang des 12. Jahrhunderts gründeten und rasch zu einem wirtschaftlichen Zentrum ausbauten. Doch bereits zu Beginn der Neuzeit verfielen das Kloster und die Kirche zusehends, bis sie fast zur völligen Nutzlosigkeit verkamen. Erst in späteren Jahren gelang es eifrigen Gönnern, den Altenberger Dom, so wie er uns heute bekannt ist, wieder zur Pracht zu verhelfen.
Der Zisterzienserorden
Die Zisterzienser (lat. Sacer Ordo Cisterciensis) waren ein benedektinischer Reformorden. Schon vom 6. Jahrhundert an befolgten die Klöster die Regel des Heiligen Benedikt von Nursia: ora et labora (arbeite und bete). Ende des 11. Jahrhunderts entstanden jedoch mehrere Abspaltungen inmitten der Benedektiner. Robert von Molesne gründete in Citeaux, von deren Namen später "Zisterzienser“ abgeleitet wurde, ein Kloster, das zwar die vorbildliche Benedektinerregel befolgte, von der komplizierten Liturgie und der pompösen Zurschaustellung der benedektinischen Gebäude jedoch deutlich Abstand nahm. Um 1132 entstand der weibliche Zweig der Zisterzienserinnen.
Mit der Zeit nahm besonders der wirtschaftliche Einfluss der Zisterzienserklöster in ganz Europa weiterhin zu. Durch die Autonomie von Klerus und Adel, die sie von Anfang an inmitten ihrer einzelnen Klöster genossen, entwickelten sie sich zu landwirtschaftlichen und handwerklichen Betrieben, die über ihre normale Produktion hinaus intensiven Handel betrieben und sogar ganze Städte mit Lebensmitteln versorgten.
Die Zisterzienser in Altenberg
Als die ersten Zisterzienser im Jahre 1133 in das Gebiet des heutigen Rheinisch-Bergischen-Kreises kamen, wurde ihnen Hilfe von Graf Adolf II. von Berg zugesprochen, einem Adligen, der den Mönchen vor allem finanzielle Hilfe versprach. Das Kloster wurde damals in erster Linie für die Zisterzienser aus Morimond in Burgund erbaut und entwickelte sich im Lauf der Jahre besonders durch die großzügigen Schenkungen des Erzbischofs Bruno II. von Köln zu einem wirtschaftlichen Dreh- und Angelpunkt der Region und weit darüber hinaus. Die Ländereien des Erzbischofs stellten insbesondere in der Anfangszeit den Grundstock für den wachsenden Reichtum des Ordens dar. Sein Grundbesitz dehnte sich daraufhin bis auf die linke Rheinseite aus.
Im Jahre 1145, nach acht Jahren Bauzeit, fand die Kirchweihe statt. Zum ersten Mal wurde im Jahre 1195 von dem Kloster "Altenberg“ gesprochen. Das Kloster entwickelte sich durch die Schenkungen und den daraus resultierenden Wohlstand zu einem geschäftigen Ort. Bereits Ende des 12. Jahrhunderts, nicht ganze siebzig Jahre nach seiner Gründung, beherbergte das Kloster Altenberg 107 Mönche und zusätzlich 138 Konversen. Zusätzlich wurden fünf Töchterklöster gegründet, von denen zum Beispiel eines in Marienthal bei Helmstedt (1136/1138) erbaut wurde. Aber auch über die Grenzen des Heiligen Römischen Reiches hinweg weitete sich der Einfluss des reichen Klosters aus. In den Jahren 1143 und 1175 wurden Töchterklöster in Lekno und Lond in Polen gegründet.
Adolf II. von Berg und seine Beziehung zum Kloster Altenberg
Wie bereits erwähnt, war Graf Adolf II. von Berg einer der wichtigsten Gönner in der Anfangszeit des Klosters. Im Jahre 1160 trat er selbst in das Kloster ein, um Mönch zu werden und starb dort nur wenig später. Sein Leichnam wurde in Altenberg bestattet und Adolf II. legte damit den Grundstein für eine damals sehr populäre Tradition. Das Kloster wurde nunmehr als Grabstätte der Grafen und Herzöge von Berg und der Herzöge von Jülich-Berg genutzt.
Neben Adolf II. von Berg liegen dort unter anderem noch die Körper der Grafen Everhard von Berg (ca. 1145-1152) und Wilhelm I. von Berg (1308) sowie des Probstes Konrad I. von Berg (1313) und des Herzogs Wilhelm II. von Berg (1408). Die fürstlichen Herrscher ließen sich dort noch bis ins 16. Jahrhundert bestatten. Kurz danach begann der wirtschaftliche Niedergang des Klosters.
Säkularisation und Wiederaufbau des Altenberger Doms
Während der Säkularisation im Jahre 1803 (auch Reichsdeputationshauptschluss genannt), in deren Verlauf die Abtei aufgelöst und für andere Zwecke genutzt wurde, wechselte das Kloster mehrfach den Besitzer, wobei die Kirche immer mehr verfiel. 1815 brannten die Gebäude des Klosteres fast vollständig ab.
Ganz zuwider dem Gebot der Zisterzienser, die weltliche Gewalt keinen bestimmenden Einfluss auf ihr Tun und ihr Kloster innehaben zu lassen, gelangte die Anlage 1820 in den Besitz der Familie Fürstenberg. Diese widerum übergab es der Kirche des preußischen Staates. Und seitdem ging es wieder aufwärts für den Altenberger Dom. 1834 wurde sofort mit dem Wiederaufbau der Gebäude begonnen und nur dreizehn Jahre später, im Jahre 1847, wurde der Dom eingeweiht. Unter anderem war der preußische König Friedrich Wilhelm IV. anwesend, der den Großteil der Gelder zum Wiederaufbau erübrigt hatte.
Die simultane Nutzung des Altenberger Doms
An die großzügige Hilfe des preußischen Königs war jedoch eine Bedingung geknüpft, die den weiteren Verlauf der Geschichte des Doms prägen sollte. In den Räumlichkeiten sollte nun nicht nur ein katholischer, sondern auch ein Gottesdienst der evangelischen Gemeinde stattfinden dürfen. Im Jahre 1857 fand der erste evangelische Gottesdienst statt. Es bedeutete den Anfang der Evangelischen in Altenberg.
Seit 1869 war die Kirche zunächst mit Schlebusch als eine Gemeinde Schlebusch-Altenberg in einem Pfarrsystem verbunden. Seit 1990 darf sie sich „eigenständige evangelische Kirchengemeinde Altenberg“ nennen. In neuerer Zeit sind weitere Instandsetzungen und Sanierungsarbeiten am Dom durchgeführt worden, um den Altenberger Dom als Weltkulturerbe in allen Ehren zu halten.
Quellen:
- Website der evangelischen Gemeinde Altenberg
- Website der katholischen Gemeinde Altenberg
- Jehle, Manfred u.a., Faszination Mittelalter – Rätsel und Geheimnisse einer Epoche Helmut Lingen Verlag GmbH, Köln, 2007
