Der amerikanische "New Deal" - Sozialismus der dreißiger Jahre

Franklin D. Roosevelt - kalenderblatt.de
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Die von dem US-Präsidenten Roosevelt vor 80 Jahren betriebene Politik des "New Deal" war eine amerikanische Variante des Sozialismus.

Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Krise in den USA lohnt ein Blick zurück in die Geschichte, nämlich in das Jahr 1929, als die USA mit dem Börsencrash am Donnerstag, dem 24. Oktober 1929, von der schwersten Wirtschaftskrise erschüttert wurden, die das Land bis dahin erlebt hatte. Dieser Tag ist deshalb in den USA als „schwarzer Donnerstag“ (Black Thursday) in die Geschichtsbücher eingegangen. Da die Schockwellen aus den USA aufgrund der Zeitverschiebung in Europa erst einen Tag später ankamen und die Börsen abstürzen ließen, kam es hier zum „schwarzen Freitag“ (Black Friday). Der 24. Oktober 1929 markiert nicht nur einen tiefen ökonomischen Einschnitt in der Geschichte der USA, sondern als Folgewirkung der ökonomischen Krise kam es in den USA zu grundlegenden politischen und sozialen Veränderungen, die dem Land ein völlig neues Gesicht gaben und die unter dem Begriff „New Deal“ in die Geschichte eingegangen sind.

Ursachen und unmittelbare Folgen des „schwarzen Donnerstag“

Hintergrund des „schwarzen Donnerstag“ war der Wirtschaftsboom, den die USA in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts erlebt hatten. Denn dieser Wirtschaftsboom war begleitet von ständig steigenden Aktienkursen, so dass auch wenig begüterte Menschen schließlich verlockt wurden, Aktien zu kaufen, und zwar auf Kredit. Durch diese ständig steigende Nachfrage nach Aktien stieg auch der Wert der betreffenden Unternehmen immer mehr an, allerdings nur auf dem Papier. Hinter den scheinbaren Unternehmenswerten stand keine wirkliche wirtschaftliche Substanz. Es kam zu einer Blase, die am 24.Oktober platzte, als hauptsächlich professionelle Investoren Aktien verkauften, um ihre Gewinne zu realisieren, so dass die Kursrally auf einmal zum Erliegen kam. Der psychologische Effekt war verheerend, denn als auf einmal die Aktienkurse sanken, brach ein regelrechtes Verkaufsfieber aus, die Kurse stürzten auf ein vorher nie gekanntes Niveau ab. Und zwar setzte sich der Kursrutsch noch am 28. und 29. Oktober (Black Monday und Black Tuesday) fort. Insgesamt verlor der Dow Jones, der amerikanische Leitindex, bis Dienstag 25 Prozent seines Wertes. Das entsprach einer Summe von 30 Milliarden Dollar: das Zehnfache des damaligen US-Haushalts.

Unmittelbare Folge des „schwarzen Donnerstag“ war, dass diejenigen, die Aktien auf Pump gekauft hatten, nun immense Schulden angehäuft hatten, die sie nicht zurückzahlen konnten. Ebenso erging es vielen Farmern, weil auch die Rohstoffpreise stark unter Druck geraten waren. Als Folgewirkung wurden zahlreiche Banken in die Insolvenz getrieben. Die Wirtschaft geriet immer tiefer in die Rezession und kam schließlich ganz zum Erliegen, die Zahl der Arbeitslosen – die ohne staatliche Fürsorge und Versicherung leben mussten - stieg rasant an. Schließlich waren 15 Millionen Amerikaner ohne Jobs, ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung. Das soziale Elend war für ein hoch entwickeltes Industrieland, wie es die USA waren, beispiellos. So entstanden an den Rändern der Großstädte riesige Slums, vor den Suppenküchen bildeten sich endlose Schlangen, in New York war jedes fünfte Kind unterernährt.

Die politische Umbruch in den USA nach dem „schwarzen Donnerstag“

Politisch wurden die USA seit 1896 von der Republikanischen Partei dominiert, mit Ausnahme der Präsidentschaft von Woodrow Wilson, der das Land von 1913 bis 1921 regierte. So war auch 1929 mit Herbert Hoover ein republikanischer Präsident im Amt, der entsprechend dem republikanischen Ideal des „Laisser-faire-Kapitalismus“ zunächst vor allem auf die Selbstheilungskräfte des Marktes setzte und einen ausgeglichenen Staatshaushalt anstrebte. Gegen demonstrierende Arbeitslose ließ er das Militär aufmarschieren, was ihm den Vorwurf einbrachte, jegliches Mitgefühl für die Opfer der Krise vermissen zu lassen. Allerdings verfolgte Hoover, als sich die Krise verfestigte, zunehmend eine Politik direkter staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft und forderte auch Steuererhöhungen. Eine wirkliche Wende in der Politik begann jedoch erst 1932 mit der Wahl des Demokraten Franklin D. Roosevelt zum amerikanischen Präsidenten. Roosevelt versprach den Amerikanern einen „New Deal“, eine neue, gerechtere Verteilung der Chancen, und begann gleich nach seinem Amtsantritt, die Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik zu reformieren.

Ziele und Durchführung des „New Deal“

Drei Ziele standen beim „New Deal“ im Vordergrund: die Bekämpfung der Notlage vieler Menschen, die Ankurbelung der Wirtschaft und der Aufbau eines nationalen Sozialversicherungssystems. Der Erreichung dieser Ziele dienten einerseits staatliche Investitionen als Initialzündung für weitere Investitionen der Wirtschaft, andererseits Arbeitsbeschaffungsprogramme, um damit die Nachfrage der privaten Haushalte zu steigern, sowie die Einführung einer Altersrente für erwerbslose alte Menschen und von Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe für Bedürftige. Da die Demokraten sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus eine überwältigende Mehrheit erlangt hatten, konnte Roosevelt die Gesetze des „New Deal“ problemlos durch das Parlament bringen. Die Republikaner leisteten zunächst auch keinen nennenswerten Widerstand gegen die Rooseveltsche Reformpolitik. Dies änderte sich erst Mitte der dreißiger Jahre, als die Arbeitslosigkeit immer noch nicht spürbar zurückgegangen war. Widerstand regte sich nun auch von Seiten des Obersten Gerichtshofs. Er stoppte „New Deal“-Projekte wegen scheinbarer Unvereinbarkeit mit der Verfassung. Und auch in konservativen Unternehmerkreisen stieß die Rooseveltsche Politik auf immer mehr Kritik.

Die historische Bedeutung des „New Deal“

Der „New Deal“ war die Umsetzung einer staatsinterventionistischen, nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik, wie sie der britische Ökonom John M. Keynes propagiert hatte. Für ein Land mit wirtschaftsliberaler Tradition war das – so der Journalist Adam Soboczynski - revolutionär. Roosevelt nahm auch selbst in einer für sein Amt ungewöhnlichen Schärfe Stellung zum Versagen des Wirtschaftsliberalismus und scheute dabei, wie Soboczynski betont, auch vor Klassenkampfrhetorik nicht zurück. Für den amerikanischen Historiker David M. Kennedy ist es selten in der amerikanischen Geschichte zu so substanziellen und anhaltenden sozialen Veränderungen gekommen, wie es beim „New Deal“ der Fall war. Für Gauti Eggertsson, Ökonom bei der US-Notenbank Federal Reserve, hat es ab 1933 in den USA vor allem wegen der psychologischen Wirkungen durch Roosevelts Politik eine Wende zum Besseren gegeben. So hätten durch den New Deal die Amerikaner wieder Hoffnung geschöpft. Ähnlich betont der Journalist Hans Schmid, dass es in den USA infolge des „New Deal“ zu einer regelrechten Aufbruchstimmung kam. Der „New Deal“ sicherte – so der Journalist Axel Frohn - der Demokratie in Amerika ihr Überleben. Insgesamt kann die Politik des „New Deal“ als eine amerikanische Variante des Sozialismus betrachtet werden, Sozialismus verstanden als das Streben nach sozialer Gerechtigkeit.

Quellennachweis:

Bildnachweis:

  • kalelderblatt.de
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Melitta Konopka, Melitta Konopka

Melitta Konopka - Ich bin promovierte Sozialwissenschaftlerin und habe bisher mehrere wissenschaftliche Bücher sowie zahlreiche wissenschaftliche ...

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