Der andere Blick der alternativen Tiermedizin

Selbstheilung ist eines der Schlagworte, das Tierheilpraktiker gerne zu Felde führen. Die alternative Tiermedizin verspricht ganzheitliche Heilung.

Der deutsche Lyriker Christian Morgenstern hat einmal über den Körper gesagt, er sei der Übersetzer der Seele in das Sichtbare. Und wie beim Menschen, so fängt auch beim Tier die Krankheit viel früher an, als sie für das bloße Auge sichtbar wird.

Die alternative Tiermedizin hat sich zur Aufgabe gemacht, genauer hinzusehen, den Blick von den reinen Symptomen einer Krankheit abzuwenden und Körper und Seele als Ganzes zu berücksichtigen. Ein Tierheilpraktiker ist in der Ausübung seiner Tätigkeit frei, das heißt er unterliegt keiner tierärztlichen Approbation. Er setzt auf die körpereigenen Fähigkeiten der Selbstheilung.

Zusammenspiel von Körper und Seele

Weit verbreitet ist der Irrglaube, Tiere hätten keine Seele. Doch Tierfreunde wissen, dass insbesondere Pferde sehr sensible Tiere sind, deren psychische Konstitution sich sehr schnell in körperlichen Leiden, wie beispielsweise durch Lahmheit, zeigen kann. Aufgabe des Tierheilpraktikers ist es, die gestörte Harmonie des gesamten Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Ein andere Art, wie Pferde anzeigen, dass sie etwas stört, geht den Weg über die Lunge. Ein Fallbeispiel: Ein Wallach, 13 Jahre alt, leidet seit sechs Jahren an Husten und Asthmaanfällen. Das Problem ist chronisch geworden. Das Pferd wurde vom Tierarzt auf tägliche Cortisoninhalationen eingestellt. Trotz intensiver Cortisonbehandlung war er nicht mehr leistungsfähig und litt besonders im Sommer unter Atemnot.

Starke Medikation bei Pferden

Oft führt eine starke Medikation über einen längeren Zeitpunkt dazu, dass die Tiere weiter geschwächt werden und langsam ihre Lebenskraft verlieren. Der kranke Körper kann sich nicht mehr selbst heilen. Einen anderen Weg bietet hier die Akupunktur. Das Praxisbeispiel des Wallachs bestätigt, dass bereits nach der ersten Akupunktur die Besitzerin von einer Verbesserung der Atemprobleme spricht. Nach zwei weiteren Behandlungen war es möglich, das Cortison sehr langsam zu reduzieren. Nach zweijähriger Akupunktur-Behandlung ist das Pferd nun hustenfrei und kann wieder voll eingesetzt werden. Das Cortison konnte ganz abgesetzt werden. Das Pferd bekommt derzeit pro Jahr sechs vorbeugende Akupunkturbehandlungen, sodass das Gleichgewicht im Körper und somit sein Zustand stabil bleibt.

Akupunktur, Homöopathie und Blutegelbehandlung

Neben der möglichen Behandlung mit Akupunktur, ist vor allem die Behandlung mit homöopathischen und pflanzlichen Mitteln bei den Tierheilpraktikern weit verbreitet. Dieselben alternativen Verfahren, die auch beim Menschen Erfolge zeigen, helfen auch den Tieren. Viele Therapieformen werden wiederentdeckt und haben eine tief verwurzelte Geschichte. Eine solche hoch interessante, fast in Vergessenheit geratene, Methode ist die Blutegelbehandlung. Es handelt sich hierbei um ein ausleitendes Verfahren. In der Alternativmedizin kommen die Blutegel beispielsweise bei Durchblutungsstörungen, bei Narben und schlecht heilenden Wunden, und bei chronischen Rückenschmerzen oder Arthrose zum Einsatz.

So wurde bei einer 16 Jahre alten Stute die Diagnose Spat (Arthrose mit Knochenzubildung im Sprunggelenk) gestellt. Die Lahmheit war besonders im Winter und am Anfang der Bewegung schlimmer. Auch mit Schmerzmitteln lief die Stute nicht lahmfrei. Das Pferd konnte im Sport nicht mehr eingesetzt werden.

Tierpatient verspürt keine Schmerzen

Zur Therapie wurden an beiden Gelenken jeweils fünf Blutegel angesetzt. Die Heilwirkung besteht im wesentlichen darin, dass der Egel mit seinem Biss etwa 40 verschiedene Substanzen über seinen Speichel abgibt, die unter anderem durchblutungsfördernd, schmerzstillend und entzündungshemmend wirken. Für das Pferd ist diese Methode nicht schmerzhaft. Begleitend wurde noch mit klassischer Homöopathie und Akupunktur behandelt. Bereits nach wenigen Behandlungen zeigte sich auch hier ein Erfolg. Obwohl Arthrose eine degenerative Gelenkerkrankung ist, war die Stute lahmfrei. Bei regelmäßiger alternativmedizinischer Behandlung etwa vier Mal im Jahr - kann der Zustand konstant gehalten werden. Die Stute konnte sogar wieder auf leichten Turnierprüfungen eingesetzt werden.

Pferde und ihre Besitzer

Ganz besonders wichtig ist dem Berufsstand der Tierheilpraktiker das „Arzt-Patienten-Verhältnis“ beziehungsweise der Bezug des Menschen zum Tier. Vor jeder Erst-Behandlung wird eine gründliche Anamnese erstellt, bei der die Pferdebesitzer dem Tierheilpraktiker helfen, sich in die Krankheitsgeschichte des Pferdes einzufinden. Anhand dieser Anamnese werden dann gangbare Wege aufgezeigt, die das seelische wie körperliche Gleichgewicht des tierischen Patienten wiederherstellen können.

Frank Schairer, Freier Journalist, Frank Schairer

Frank Schairer - Als freier Journalist bin ich ständig auf der Suche nach erzählenswerten Geschichten. Meine eigene führte mich in die ...

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