Der angolanische Bürgerkrieg und die Blutdiamanten

Die angolanischen Blutdiamanten im Kontext des Bürgerkrieges: Von Savimbis´ Unita bis zum britisch-südafrikanischen De Beer-Monopol verdienten alle mit.

Angola wurde von der Natur großzügig beschenkt: Zahlreiche Erdöl- und Diamantenvorkommen befinden sich im westafrikanischen Land – zudem werden noch viel mehr unerschlossene Quellen vermutet –; welche dazu geführt haben, dass Angola zum größten afrikanischen Erdölproduzenten – und Nigeria dabei überholte – avancierte. Leider hat sich dieser Segen für die Bevölkerung des Landes als Fluch erwiesen: Mit der Unabhängigkeit von Portugal am 11. November 1975 entflammte ein mörderischer Bürgerkrieg, welcher ganze 27 Jahre lang andauern sollte und durch die Förderung der Erdöl- und Diamantenvorkommen forciert und intensiviert wurde.

Wurde im vorherigen Artikel die Rolle des angolanischen Erdöls im Kontext des angolanischen Konfliktes hervorgehoben, wird in dieser Fortführung auf den Stellenwert der angolanischen Diamanten als Finanzierungsquelle des Krieges eingegangen.

Angolanische Diamantenvorkommen: Das "Tischlein deck dich" der Unita

Neben der Ölgewinnung ist die Diamantenförderung das Filetstück der angolanischen Ökonomie, die zur Finanzierung und Verlängerung des Bürgerkrieges beigetragen hat. Verantwortlich für die Diamantenproduktion war die Companhia de Diamantes de Angola (DIAMANG), die 1986 in die staatlich kontrollierte und gelenkte Empresa de Diamantes de Angola (ENDIAMA)umbenannt wurde.Die Mehrheit der in Angola geschürften Diamanten (70-80% der angolanischen Produktion) ist im Gegensatz zu Industriediamanten von einer vollkommenen Edelsteinqualität. Wenn man bedenkt, dass lediglich fünf bis zehn Prozent der weltweiten Diamantenvorkommen über eine ausreichende Qualität für Schmucksteine verfügen, lässt sich die hohe Nachfrage nach angolanischen Edelsteinen auf dem internationalen Diamantenmarkt im belgischen Antwerpen nachvollziehen. Die Diamantengewinnung erwies sich von daher als profitbringender Wirtschaftssektor, den die Regierung, aber auch (oder vor allem) die Unita zu explorieren wusste.Die relative Einfachheit der Diamantengewinnung führte dazu, dass die Unita Anfang der 90er Jahre verstärkt auf den Diamantenhandel als Einnahmequelle setzte. Dies hatte zur Folge, dass die Unita die Kampfhandlungen in den mineralienreichen nordöstlichen Regionen Lunda Norte und Lunda Sul intensivierte, um die Vorherrschaft über die Diamantenvorkommen im Territorium zu etablieren. Diese militärische Anstrengung hat sich für die Unita (aus rein finanzieller und logistischer Perspektive aus betrachtet) gelohnt: Zwischen 1992 und 1998 hat die Rebellenbewegung neunzig Prozent der angolanischen Diamantenexporte kontrolliert und etwa 3,7 Milliarden US-Dollar daran verdient. Die Unita förderte vor allem die Diamanten aus den Vorkommen im Schwemmland, wo kein maschineller Aufwand oder technisches Know-how erforderlich waren:Um den Bergbau zu tätigen, rekrutierte die Unita garimpeiros (Bergarbeiter) aus den eigenen Reihen, Kleinbauern aus der Region aber auch zairische Staatbürger, die der ethnischen Gruppe der Bakoongo angehörten.

Burkina Faso, Togo, Zaire und die gute Nachbarschaft

Die Ausfuhr der Diamanten funktionierte in erster Linie über Staaten, in denen die Unita über eine perfekt entwickelte Infrastruktur verfügte. Vor allem Burkina Faso, Togo und Zaire pflegten in den 90er Jahren einen engen Kontakt zur Unita. Sie stellten ihr Staatsterritorium der Rebellenbewegung für Diamantentransfers und als Zwischenstation für heimliche Waffenlieferungen aus Osteuropa zur Verfügung. Der Führer der Rebellentruppe, Dr. Savimbi, manifestierte den politischen Oberhäuptern der befreundeten afrikanischen Staaten seine Dankbarkeit, indem er den Herren Blaire Compaoré, Gnassingbe Eyadema oder Mobuto Sese Seko reichlich Diamanten mit einem Wert in Millionenhöhe zukommen ließ.In anderen Fällen wurden angolanische Diamanten ohne das Wissen der betreffenden Regierungen über Südafrika, Namibia und Sambia nach Antwerpen geschmuggelt.

Schürfrechte als Belohnung für Regierungstreue

Auf der anderen Seite versuchte die MPLA-Regierung, die Kontrolle über die Diamantenproduktion mittels der staatlich kontrollierten ENDIAMA zu sichern, indem diese die offiziellen Schürfrechte verkaufte bzw. durch joint ventures selbst an der Produktion beteiligt war. Die in den diamantenreichen Regionen des Landes lebende Zivilbevölkerung sollte – zumindest formell – bei der Vergabe von Schürflizenzen begünstigt werden. Diese Bestimmungen widersprachen jedoch der realpolitischen Situation bei weitem: Die Regierung kontrollierte 1994 nur zirka 30% des angolanischen Territoriums und war nicht in der Lage, administrative Bestimmungen umzusetzen. Zudem wurden die Schürfrechte in der Regel an ranghohe angolanische Offiziere der FAA (Forças Armadas Angolanas) vergeben – somit sollte ihre Loyalität gegenüber dem angolanischen Staat gewährleistet werden. Um die finanziellen oder technischen Defizite zu kompensieren, konnten die Offiziere getrost auf bereitwillige ausländische Firmen zurückgreifen, die sich mit einem großzügigen Gewinnanteil bereicherten.

De Beers und ihr Monopol

Der Diamantenhandel – für die Unita die wichtigste Einnahmequelle – funktionierte in Zusammenarbeit mit dem britisch-südafrikanischen Diamantenhandelsmonopol De Beers. Die Central Selling Organisation (CSO), die Vertriebszentrale De Beers, erwarb so viel wie möglich von der angolanischen Diamantenproduktion, markierte sie als offizielle De Beers-Diamanten und nahm sie in Gewahrsam. Die CSO reguliert die Anzahl der Edelsteine, die periodisch an sight holder (lizenzierte Händler) verkauft werden, um anschließend in den wichtigsten Diamantenmärkten – Antwerpen, Tel-Aviv und London – angeboten zu werden. Der transnationale Diamantenkonzern kontrolliert ca. 70% des weltweiten Diamantenhandels.

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung sind die nordöstlichen Regionen Lunda Norte und Lunda Sul die am heftigsten umkämpften Gebiete gewesen. Die Kriegshandlungen in der Lundasregion zwischen den Außenstehenden Streitkräften, den in der Hauptstadt angesiedelten Mbundo und den im zentralen Hochland beheimateten Ovimbundo haben die örtlich angesiedelten Lunda-Chokwe zu einer Anti-Regierung und einer Anti-Unita-Haltung bewegt und damit eine neue Dimension ethnisch-regionalen Nationalismus hervorgebracht.

Fazit

Anhand der jüngeren angolanische Geschichte wird ersichtlich, dass ein Segen an natürlichen Ressourcen schnell in einem alptraumähnlichen Fluch münden kann; und anstatt dass die Bevölkerung von diesen Reichtümern profitiert, musste sie für diesen Segen teuer bezahlen. Erst die heimischen Erdöl- und Diamantenvorkommen haben ethnische Divergenzen gefördert und den daraus resultierenden Bürgerkrieg genährt und aufgebläht.

Foto von Sergio Lopes, Sergio Lopes

Sergio Lopes - Als studierter Diplom Politologe befasse ich mich regelmäßig mit nationalen sowie internationalen Ereignissen. Vor allem ...

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