Der Architekt Antoni Gaudi

Der Hauptvertreter des katalanischen Modernisme baute gerne rund

Markenzeichen: Schräge Stützen, buntes Mosaik, organische Formen. In Gaudis Barcelona findet man diesen Stil an der Sagrada Familia, der Casa Mila oder im Park Güell.

seinen Wirkungskreis entfaltete der Architekt Antoni Gaudí i Cornet (1852 - 1926) in der katalanischen Stadt Barcelona. Aufgewachsen als Sohn eines Kuperschmieds, kam er schon früh mit geometrischen Formen in Berührung. Auch Gaudi selbst machte eine Leere zum Schmied. Da er als Kind mit einer rheumatischen Krankheit belastet war, konnte er nicht mit anderen Kindern spielen und beschäftigte sich dafür mit Naturbeobachtungen. Man führt seinen späteren Stil als Architekt auf diese frühe Naturverbundenheit zurück. Sein Architekturstudium absolvierte er von 1873 bis 1878 in Barcelona, wo er später durch seine außergewöhnlichen Bauwerke im Stil des katalanischen Modernisme berühmt wurde. Charakteristisch sind die runden, organischen, meist sehr bunten Formen. Scheinbar tauchen keine geraden Linien an seinen Bauten auf. Stützen sind schräg, Grundrisse unregelmäßig, Kacheln zerbrochen und als Mosaik wieder bunt zusammengewürfelt.

Hier ein Ausschnitt seiner Bauwerke

Sagrada Família (ab 1914)

Diese Kirche gilt als Gaudis Meisterwerk. 1883 erhielt er den Planungsauftrag, die ein Jahr zuvor begonnenen Kirche fertigzustellen. Er überwarf alle Pläne und widmete sich ab 1914 bis zu seinem Tod ausschließlich dem Sakralbau. Als letzte Anerkennung ordnete die Regierung an, ihn in der Krypta der Kirche beizusetzen. An der unvollendeten Sagrada wird bis heute gebaut, finanziert durch Spendengelder.

Casa Milà (1906 - 1910)

Sie ist das letzte Werk Gaudis, bevor er sich gänzlich dem Kirchenbau widmete. Im ganzen Haus gibt es keinen rechten Winkel. Die Fassade mit den Balkonen, alle Innenräume und sogar das begehbare Dach überraschen den Besucher mit runden, bizarren Formen. Die Luftrohre und Kamine darauf sind derart grotesk gestaltete, so daß der Volksmund sie Hexenschrecke (espantabruixas) nennt. Das Gebäude selbst fungiert als Eckwohnblock, obgleich die Fassade rund gestaltet ist. Sogar die beiden Innenhöfe, die der Bau umschließt, sind rund. Im Keller befindet sich übrigens die erste Tiefgarage Barcelonas.

Park Güell (1910 - 1914)

Ein Park voller wundersamer Figuren, Elemente, Farben und Formen eröffnet sich dem Besucher. Die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärte Anlage wurde 1895 durch Eusebi Güell in Auftrag gegeben. Auf dem 20 Hektar großen Gelände sollte eine Gartenstadt entstehen, die nicht ganz nach den Vorstellungen des Bauherren (öffentliche Gebäude und 60 Wohnhäuser) umgesetzt wurde. In heutiger Gestaltung eröffnete man sie 1922. Besonders hervorheben muß man den Saal der 100 Säulen. In einer markthallen ähnlichen Umgebung stützen die Säulen eine Decke, in die 84 mit Glas- und Keramikmosaike Plafons abgebildet sind. Ebenfalls bemerkenswert ist die Gran Placa Circular, einer Aussichtsplattform mit der vermutlich längsten Bank der Welt (152 m). Abgesehen von dem herrlichen Ausblick über den Park, kann man sich auf der ergonomisch wellenförmigen Bank niederlassen, die ganz und gar mit bunten Mosaiken geschmückt ist. Der Schlangenweg ist ein besonderes Raumerlebnis. Ein mit schräg angeordneten Säulen gebauter Gang schlängelt sich durch den Park und erinnert beim Durchgehen an eine optische Täuschung. Der Besucher ist förmlich geblendet von Gaudis Fantasiewelten.

Katrin Braun, Foto Sauter München

Katrin Braun - Nach meinem Studium der Geschichte fand ich bald Gefallen am Verlagswesen. Publizieren im Print- und Onlinebereich begeisterte mich von ...

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