
- Schiff - Maren Beßler / pixelio.de
Die Expansion Europas ins neu entdeckte Amerika sowie nach Asien nahm im 15. Jahrhundert ihren Anfang und sollte im Laufe von nur wenigen Jahrhunderten dazu führen, dass beinahe die gesamte Welt von europäischen Königshäusern regiert wurde. Die wichtigsten Königreiche in der Frühphase waren Portugal und Spanien, die versuchten, den Seeweg nach Indien zu finden.
Portugal
Portugal, ein verhältnismäßig kleines Königreich am Rande Europas, hatte nie gute Voraussetzungen für Expansionen jeglicher Art. Schon während der Reconquista geriet es ins Hintertreffen der anderen Iberischen Mächte. Auch wirtschaftlich war Portugal nicht sehr potent und stark landwirtschaftlich geprägt. Dennoch versuchten die Portugiesen, ihren Einflussbereich auszuweiten und wandten sich dem Meer zu. Schon ab Beginn des 15. Jahrhunderts bestritten portugiesische Seefahrer wiederholt Entdeckungsfahrten in den Atlantik Richtung Afrika und stießen dabei immer weiter vor. Südwärts an der Afrikaküste gestaltete sich dieses Unterfangen sehr leicht, da die Nordwinde die Reise begünstigten und die portugiesischen Seefahrer sehr schnell sehr weit in den Süden beförderten. Ein Höhepunkt wurde 1488 erreicht, als Bartolomoeu Diaz das Kap der Guten Hoffnung entdeckte.
Die vermeintliche Entdeckung Indiens durch Kolumbus und die Spanier bedeutete für Portugal jedoch einen herben Rückschlag, nach all der Anstrengung über die Jahre die Südspitze Afrikas zu erreichen. Dennoch wurde 1494 der Vertrag von Tordesillas unterschrieben, der Spanien die westlichen und Portugal die östlichen Meere zusicherte.
Ankunft in Indien
Als Vasco da Gama schließlich 1498 die Westküste Indiens erreichte, war die Enttäuschung vorerst erneut groß. Während die Spanier daran gingen, die Karibikinsel auszubeuten, trafen die Portugiesen auf hochkultivierte Völker, die sich nicht einfach ausbeuten ließen. Über die Jahre schien sich das Engagement im Handel aber bezahlt zu machen. Der in Indien erworbene Pfeffer, aber auch andere Gewürze brachten im Verkauf in Europa enorme Gewinne ein.
Hinter Indien ging die Expansion aufgrund fehlender Konkurrenz ungebremst weiter. In Südostasien traf man schließlich auf andere Händler, allen voran Chinesen, wodurch Portugal kein Monopol errichten konnte. Man begnügte sich mit der Verzollung der Wasserwege. Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts sollte die Situation so bleiben, solange Portugal die einzige europäische Macht in der Region darstellte. Mit dem Einmischen der Holländer und Engländer änderte sich das drastisch.
Spanien
Spanien begann sich wie Portugal auf den nahen Atlantikinseln auszubreiten. Mit der Zeit orientierten sich die Spanier aber immer mehr gen Westen und versuchten, Asien auf diese Art zu erreichen, da zu dieser Zeit den meisten Seefahrern schon klar war, dass die Erde eine Kugel sein musste. Nachdem Kolumbus mit seinem Plan von den Portugiesen abgewiesen wurde, nahm ihn Isabella von Kastilien in ihre Dienste und finanzierte sein Vorhaben. 1492 erreichte er die Karibik. Von diesem Zeitpunkt an konzentrierten sich spanische Seefahrer beinahe ausschließlich auf die Westroute nach Asien, was sich auch im bereits erwähnten Vertrag von Tordesillas äußerte, in welchem die Spanische Krone auf die Ostroute gänzlich verzichtete.
Die neue Welt
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts stellte sich Amerika als eine neue Landmasse heraus. Dies war für Spanien einerseits eine Ernüchterung, jedoch andererseits ein Glücksfall sondergleichen. Die den Europäern technisch weit unterlegenen Ureinwohner der karibischen Inseln stellten kaum eine Gefahr dar und konnten sehr leicht versklavt und ausgeraubt werden. Dennoch erwies sich der relative Mangel an Edelmetallen und sonstigen wertvollen Materialien als außerordentlich enttäuschend.
Am Amerikanischen Festland angekommen, änderte sich die Lage der spanischen Eroberer. Hier trafen sie erstmals nicht nur auf Stämme, sondern auf ausgeprägte Kulturen. Die Azteken in Mexiko und die Majas in Südamerika stellten eine ganz andere Art von Gegnern dar, als die Inselbewohner. Diesmal verhalfen jedoch die importierten Krankheiten den Spaniern zu einem schnellen Sieg. Wirtschaftlich veränderte die Entdeckung des Festlands alles, hier trafen die Spanier erstmals auf große Erzvorkommen, vor allem Silber aber auch Gold. In den folgenden Jahrzehnten wurden so Unmengen an Silber nach Europa exportiert.
Von den Spanischen Besitzungen in Amerika aus erfolgten wiederum weitere Fahrten gen Westen, um doch noch Asien zu erreichen. Besonders erwähnenswert ist hierbei die „Entdeckung“ der Philippinen durch Ferdinand Magellan im Jahre 1521 (die Philippinen sind daher nach dem spanischen Thronfolger Philipp benannt). Dies bedeutete verspätet die Erreichung des ursprünglichen Ziels, doch auch Konfrontation. Zu dieser Zeit waren die Portugiesen schon über die Ostroute bis an die Philippinen vorgedrungen und damit standen sich die beiden Iberischen Mächte nun direkt gegenüber. Der Vertrag von Tordesillas verlor am anderen Ende der Welt seine Gültigkeit. In weiterer Folge hielten sich die spanischen Besitzungen in Südostasien aber in Grenzen, der Großteil der anderen Inseln verblieb in portugiesischem Besitz. Bis die Niederlande und England in das Geschehen eingriffen.
Quellen
- Peter Feldbauer, Jean-Paul Lehners: Globalgeschichte: Die Welt 1000-2000 - Die Welt im 16. Jahrhundert, Wien 2008.
- David S. Landes: The wealth and poverty of nations – why some are so rich and some so poor, New York 1999.
