Der Begriff der (Online)-Kommunikation

Eine Definition von (Online)-Kommunikation ist nicht einfach. Paul Watzlawicks Kommunikationstheorie soll helfen, sie wissenschaftlich darzulegen.

Im Alltag begegnet einem immer wieder der Begriff der Kommunikation. Doch was genau ist unter Kommunikation zu verstehen? Dieser Beitrag soll sich in den Ansätzen der Definition von Kommunikation auseinandersetzen und einige ihrer Merkmale anführen. Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick hat eine Kommunikationstheorie entworfen, die auf fünf pragmatischen Axiomen basiert.

Erstes Axiom von Paul Watzlawick – Man kann nicht nicht kommunizieren

Hier soll einleitend auf „die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren“ (Burkart / Hömberg, 2007: 262) eingegangen werden. Das metakommunikative Axiom beruht auf der Tatsache, dass "man […] sich nicht nicht verhalten" (Watzlawick / Beavin / Jackson, 2011: 58) kann. Watzlawick führt den Gedanken fort, indem er festhält, dass jede Art von Verhalten, dass in einer Situation zwischen mindestens zwei Personen stattfindet, einen gewissen Mitteilungscharakter hat.

Auf diese Weise könne man das "Verhalten in einer zwischenpersönlichen Situation" (Watzlawick / Beavin / Jackson, 2011: 58) als Kommunikation verstehen. Daraus ergebe sich die anfangs erwähnte Unmöglichkeit nicht zu kommunizieren. So beinhalte jeder Handlungsversuch oder passive Aktion wie Schweigen einen Mitteilungscharakter. Kommunikationspartner werden von eben diesen beeinflusst und "können ihrerseits nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren und kommunizieren damit selbst" (Watzlawick / Beavin / Jackson, 2011: 59).

Das Problem der genauen Definition von Kommunikation

Betrachtet man das Axiom als Reiz für die Entstehung neuer Kommunikationsformen, kommt der Aspekt der Online-Kommunikation zum Tragen. Doch gerade dieses Bezeichnen von mehreren Phänomenen mit dem Begriff der Kommunikation erschwert eine Definition. Kommunikation wird im Alltagsverständnis mit den Begriffen "Mitteilung" oder "Verbindung" wie auch "Verkehr" oder "Austausch" gleichgesetzt. Lehnt man sich an die Erkenntnisse des Kommunikationswissenschaftlers Klaus Merten, gibt es Merkmale von Kommunikation, die eine differenzierte Definition des Begriffes erschweren. Von Bedeutung sind dabei die Profanität, Universalität, die Flüchtigkeit, die Relationalität wie auch die Heterogenität der Kommunikation.

Profanität

Darunter versteht man die Fähigkeit der Individuen, einen Kommunikationsprozess mit geringstem Aufwand zu initiieren. Die Fähigkeit zur Kommunikation wird bereits im Kindesalter problemlos erlernt und ist deswegen gegeben. Daher können auch Laien den Diskurs praktizieren. In Bezug auf die Kommunikationswissenschaft ist es notwendig, den Begriff der Kommunikation in seiner alltäglichen Verwendung und Betrachtung durch den Laien zu unterscheiden (vgl. Beck, 2010: 13).

Universalität

Kommunikation wird hierbei die Möglichkeit des Erreichens aller Bereiche menschlichen Daseins zugeschrieben. Dadurch ergibt sich die Problematik des scheinbar "unerschöpflich[en]" (Beck, 2010: 13) Erkenntnisgegenstandes der Kommunikation. Man muss eine klare Definition des Begriffes entwickeln, damit man den Gegenstandsbereich der Kommunikationswissenschaft eingeschränken kann.

Flüchtigkeit

Kommunikation versteht man als Prozess, der schnell vorbeigehen kann und damit flüchtig ist. Ein Endprodukt, das man wie eine Substanz untersuchen könnte, existiert in dem Sinne nicht. Die Schwierigkeit der Definition liegt im Beschreiben einer "Sache", die wir nicht anfassen können (vgl. Beck, 2010: 13).

Relationalität

Problematisch beim Merkmal der Relationalität der Kommunikation ist die Tatsache, dass sich die Bedeutung und Funktion der am Kommunikationsprozess Beteiligten (mindestens zwei Personen) im Laufe des Prozesses ändern können.

Heterogenität

Zur Erklärung sei hier die Bezeichnung der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft angeführt. Bei dieser wissenschaftlichen "Disziplin" handelt es sich um ein transdisziplinäres Forschungsgebiet. Das heißt, dass dieses Forschungsgebiet mehrere verschiedene Wissenschaften integriert. So werden mit dem Begriff der Kommunikation in verschiedenen Wissenschaften unterschiedliche Prozesse bezeichnet, die sich "unter anderem hinsichtlich der Beteiligten unterscheiden: mal sind es Menschen (etwa beim Small Talk), mal technische Geräte […], mal Tiere und ein anderes Mal wieder Organe [...]" (Beck, 2010: 14).

Besonderheiten für die Online-Kommunikation

Für die Online-Kommunikation ergeben sich damit einige Besonderheiten. Kommunikation aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht kann dann als ein Prozess gesehen werden, wenn an diesem mindestens zwei Kommunikationspartner beteiligt sind. Führt man den Gedanken fort, so lässt sich für die Online-Kommunikation behaupten, dass durch Konvergenztendenzen Interaktivität steigt und somit eine "Many-to-Many"-Kommunikation ermöglicht wird. Die typischen Merkmale der "Face-to-Face"-Kommunikation wie Mimik und Gestik sind (wenn nicht über Online-Chats mit Kamera) nicht vorhanden. Eine Interpretation des Gesagten ist dementsprechend nur über das geschriebene Wort möglich. Voraussetzung ist dabei, dass es sich um einen Austausch von Informationen handelt. Die Konversationspartner befinden sich bei dieser Form der Kommunikation im engeren Sinne nicht zur selben Zeit am selben Ort, was das direkte Feedback-Gespräch zeitlich verzögert. Dennoch bietet die Online-Kommunikation eine Möglichkeit des Informationsaustausches und durch technische Voraussetzungen eine schnelle Übertragung dieser.

Führt man den Gedanken von Höflich an, der zwar von einer "technisch vermittelte[n] interpersonale[n] Kommunikation" (Höflich,1996: 111, zit. nach Hejny, 2009: 41) spricht, wird deutlich, dass durch die angesprochenen Aspekte der Interaktivität und Raum/Zeit-Trennung seine Definition auch auf das Internet übertragen werden kann. Er versteht somit unter computervermittelter Kommunikation, "dass ein technisches Medium in den Prozess der Kommunikation zwischengeschaltet wird. Wesentlich ist hierbei die interaktive Qualität des Mediums, genauer: dessen Potential, Interaktivität zu ermöglichen. Doch gerade die Tatsache der technischen Vermittlung verweist auf mögliche Beschränkungen der interpersonalen Kommunikation, schon deshalb, weil neben einer räumlichen und möglichen zeitlichen Trennung der Kommunikationspartner verbale und insbesondere non-verbale Ausdrucksmöglichkeiten begrenzt oder ausgeblendet werden" (Höflich,1996: 111, zit. nach Hejny, 2009: 41).

Quellen

  • Beck, Klaus: Kommunikationswissenschaft. 2., überarbeitete Auflage. Konstanz: UVK 2010.
  • Burkart, Roland: Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisseeiner interdisziplinären Sozialwissenschaft. 4., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2002.
  • Hejny, Daniela: Total sozial vernetzt! – oder der Trend, alles über sich preiszugeben. EineUnuchung über Anonymität und Privatsphäre im Internet dargestellt am Nutzungsverhalten des Social Networks Facebook. Diplomarbeit. Universität Wien 2009.
  • Watzlawick, Paul / Beavin, Janet H. / Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation. Formen Störungen Paradoxien. 12., unveränderte Auflage. Bern: Hans Huber. 2011.