Der BER Flughafen Berlin Brandenburg steht vor der Eröffnung

Infotower, Baustelle Flughafen Berlin Brandenburg - Ruediger Meixner
Infotower, Baustelle Flughafen Berlin Brandenburg - Ruediger Meixner
Vor der Einweihung des nagelneuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt steht ein spektakulärer Umzug auf der nächtlichen Berliner Stadtautobahn an.

Ein spektakuläres Schauspiel wird sich der Berliner und Brandenburger Öffentlichkeit in der entscheidenden Nacht vom 2. auf den 3. Juni 2012 bieten. Alle Materialien, die bei der Eröffnung des neuen Großflughafens BER Berlin Brandenburg benötigt werden, müssen von den bis zu dieser Nacht in Betrieb befindlichen beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld (südöstlich an Berlin angrenzend) auf das Gelände des neuen BER geschafft werden.

Logistischer Großakt vor BER Eröffnung mit Tausenden Trucks

Dafür ist ein logistischer Großakt nötig. Die Materialien werden von den Gebäuden der Flughäfen Tegel und des ehemaligen DDR-Flughafens Schönefeld zunächst auf Trucks geladen. Dann wird sich ein nicht abreißen wollender Lindwurm von etwa 3.000 Lastwagen über die beleuchtete Stadtautobahn von Tegel nach Schönefeld in Bewegung setzen. Die Autobahn muss für etwa 600 Fahrten von Sonder- und Schwertransporten von 22 bis 3 Uhr nachts gesperrt werden.

Neben diesen schweren Abfertigungsgeräten, unter anderem tonnenschweren Flugzeugschleppern, werden weitere Lkws den Inhalt der Büros und Lager der betroffenen Unternehmen der alten Flughäfen und des neuen BER transportieren. Zur Entzerrung werden ab April 2012 bereits Büromaterialien nach Schönefeld transportiert. Die Lastwagenfahrt vom alten Flughafen Schönefeld zum neuen BER wird nur kurz dauern, da das Gelände des BER direkt an das Gelände des alten Flughafens grenzt. So wird eine der beiden Start- und Landebahnen weiterhin vom BER genutzt werden.

Über-Nacht-Umzug von Tegel und Schönefeld zum BER (früher: BBI)

Vor dem Großumzug auf der Autobahn werden am 2. Juni etwa ab 18 Uhr alle für den Flughafen Tegel vorgesehenen Landungen nach Schönefeld verlegt - erst auf den dortigen alten, später nur noch auf den neuen Flughafen. Gegen 22 Uhr wird die letzte reguläre Maschine (wahrscheinlich Air Berlin) den Flughafen Tegel verlassen und die letzte um 23 Uhr dort landen. Gegen 6 Uhr des folgenden Tages werden die ersten Flugzeuge von Lufthansa und Air Berlin sich ausschließlich vom neuen Großflughafen BER in die Lüfte heben. Gleichzeitig landet dann die erste Linienmaschine von easyJet. Die Hauptstadtregion wird ab dem 3. Juni 2012 nur noch einen offiziellen Flughafen in Betrieb haben.

Den Umzug vom Flughafen Tegel zum BER wird die Flughafengesellschaft FMG aus München durchführen, die 1992 den ebenso spektakulären Über-Nacht-Umzug des Münchener Flughafens erfolgreich organisiert hatte. Vier Jahre lang planten sie den Berliner Umzug. Der eigentliche Umzug soll acht Wochen vor Eröffnung des BER beginnen und zwei Wochen danach beendet sein.

Seit November 2011 läuft bereits ein interner Probebetrieb in den neuen BER-Gebäuden mit Personal und freiwilligen Komparsen, um für den Normalbetrieb und eventuelle Störungen gewappnet zu sein.

40.000 bis 73.000 neue Jobs durch BER erwartet

Der Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt trägt erst seit Juni 2011 das Kürzel BER, als internationalen Code für Flugverbindungen. Der Hauptstadtregion ist sein früherer jahrelanger Arbeitsname BBI (Berlin Brandenburg International) besser bekannt, aber dieser Code war international bereits durch einen indischen Airport belegt. Der Bau eines größeren und zeitgemäßen Flughafens wurde nach der Wiedervereinigung nötig, da die industrieschwache Hauptstadtregion so mehr von der globalisierten Wirtschaft mit ihren verstärkten Passagier- und Warenströmen profitieren kann.

So werden nach einer Studie des Verkehrswissenschaftlers Prof. Hubert Braun (Universität Köln) bis Ende 2012 im BER und dessen Umfeld 40.000 neue Jobs entstehen. Nimmt man den bisherigen Verlauf des Jobaufbaus während der Bauarbeiten als Maßstab, erwarten manche sogar bis zu 73.000 neue Arbeitsplätze. Neue Jobs und Firmenansiedlungen im Flughafen und seiner Umgebung werden in Luft- und Raumfahrtindustrie, Einzelhandel, Gastronomie, Logistik sowie anderen Branchen erwartet. Um den neuen Flughafen herum wird der Bau von Büro- und Dienstleistungszentren, Gewerbeparks sowie Hotels und Konferenzräumen erwartet.

Neuer Standort schont viel mehr Anwohner als Tegel

Der Standort im brandenburgischen Schönefeld belastet zwar die dortigen und entlang der Flugrouten befindlichen Anwohner, aber die Region dort ist lange nicht so dicht besiedelt wie im Umkreis des alten Flughafens Tegel. Um ein Vielfaches mehr Anwohner als beim Betrieb des Flughafens Tegel werden geschont. Derzeit sind gut 225.000 Berliner vom Fluglärm (Dauerschallpegel von 55 dB(A)) betroffen. Nach der Eröffnung des BER und der Schließung von Tegel sollen es lediglich etwa 60.000 sein - bei doppelt so vielen Passagieren (Quelle: Landesentwicklungsplan Flughafenstandortentwicklung, 2006). Denn die Flugzeuge donnerten jahrzehntelang in den Bezirken Pankow und Reinickendorf in tiefer bis sehr tiefer Höhe über zahlreiche Wohnhäuser und Parkanlagen hinweg.

Futuristischer Infotower an BER Baustelle

Bis zur Eröffnung des neuen Flughafens lockt für interessierte Touristen, Berliner und Brandenburger ein Besuch des Infotowers. Dieser befindet sich in der Nähe der 2.000 Fußballfelder großen Baustelle. Im anliegenden Pavillon ist für kleines Geld ein Ticket erhältlich, mit dem man auf den charakteristisch und futuristisch verdrehten Infotower (siehe Bild) gelangt. Entweder besteigt man dann den schnellen Lift oder steigt selbst die Metalltreppe des 32 Meter hohen Turms hinauf, was für die meisten gut zu schaffen ist. Auf den zwei obersten Ebenen kann man mithilfe von Infotafeln die entstehenden Gebäude des Flughafens und der Umgebung samt Infrastruktur bestaunen.

Transparente Architektur mit klaren Linien

Verantwortlich für den Bau des sechsgeschossigen Terminals zwischen den beiden Start- und Landebahnen ist eine Berliner Planungsgemeinschaft, bestehend aus J. S. K. International Architekten und Ingenieure sowie gmp (Gerkan, Marg und Partner) Generalplanungsgesellschaft (beide Berlin). Diese Architektenteams setzten beim Terminalbau auf Funktionalität, klare Linien und eine reduzierte Formensprache. Die offene Bauweise und die lichtdurchlässige untere Dachmembran sollen für eine weltoffene, trendige und transparente Nutzung des Flughafens sorgen. Das riesige Dach wird vorstehen und so die neuen Gebäude dominieren.

Die bereits gebauten beiden Start- und Landebahnen (Nord- und Südbahn) sind ganze 130 Zentimeter tief und bestehen aus unterschiedlichen Schichten mit unter anderem Sand, Zement und oben Splittbeton. Der BER wird zunächst Abstellpositionen für etwa 85 Flugzeuge bereit halten.

Direkt unter Terminals der Airport Bahnhof

Direkt unter den Terminals entsteht ein eigener Bahnhof mit drei Bahnsteigen für vier Fernbahn- und zwei S-Bahngleise. Die Deutsche Bahn will für eine umfassende und kurztaktige Anbindung des Bahnhofs nach Brandenburg und insbesondere dem zentralen Berlin sorgen. Besonders im Fokus ist der Sprung nach Osten mit guten Verbindungen unter anderem nach Polen und Tschechien.

Quellen

Die aktuellen Öffnungszeiten, Preise und weiteren Details zu BER Infotower und geführten Touren finden Sie auf der Website der Berliner Flughäfen.

Weitere Quellen (neben den Textlinks):

Tagesspiegel

Berliner Zeitung

Rüdiger Meixner - Liebe Leserin, lieber Leser, ich heiße Sie auf meinen Artikeln bei Suite101.de willkommen und möchte mich Ihnen kurz ...

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