
- Tierische Weitsprungrekorde - Andrea Weber
In der Wolfratshauser Altstadt, neben der Stadtkirche St. Andreas, beginnt der Weg zum Erlebnispfad. Soweit das Auge reicht, geht es treppauf, am Kirchengebäude rechts vorbei, bis zum grünen Mischwalddickicht. Auf halber Wegstrecke kommt man an einem niedlichen Landhäuschen vorbei, mit einer wunderbaren Aussicht über Wolfratshausen bis ins Bergland hinein. Ein possierlicher Garten vorneweg wirkt wie anno dazumal und auf einem Messingschild an der Hauswand steht, dass hier vom Mai bis Oktober 1897 der Dichter Rainer Maria Rilke mit seiner Gefährtin Lou Andreas Salome lebte und wirkte. Doch des Dichters wegen ist man ja nicht her gekommen, also geht es weiter und bald steht man am Startpunkt des neu erbauten Bergwalderlebnispfades. Dort begrüßt den Wanderer der Wolf „Lupus“ auf einem hölzernen Hinweisschild. Das buntstiftgemalte Comic-Tier verspricht, sich ab sofort um den Besucher zu kümmern. Er wird den Weg weisen, an den 13 Stationen den Wald, seine Bewohner und das Ökosystem erklären und zum Ausprobieren und Anfassen animieren.
Diplomarbeit Waldlehrpfad mit Unterstützung von Leaderfördermitteln
Die Idee zu diesem Bergwalderlebnispfad hatte der Verein „Lebendige Altstadt Wolfratshausen“ zusammen mit dem Förster Robert Nörr. Die detaillierte Realisierung aller Stationen mit den kindgerechten Informationen und den Erlebnis-Aufgaben in der Natur sowie den Zeichnungen von „Wolf Lupus“, erarbeitete die Studentin Julia Fabi im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Fachhochschule Weihenstephan. Julia Fabi studierte Wald- und Forstwirtschaft und will mit diesem Projekt die Begeisterung für den Wald bei Familien wecken. Die Kosten für dieses Projekt wurden auf 50.000 Euro veranschlagt, laut Gisela Gleißl, Referentin für Kultur-, Tourismus- und Wirtschaftsförderung in Wolfratshausen. Fünfzig Prozent finanzieren sich durch die Leaderfördermitteln aus dem EU-Topf, den Rest zahlt die Stadt aus ihrem Säckel. Gisela Gleißl hat schon viel positive Resonanz bekommen: „Der Bergwald bedeutet den Wolfratshausern sehr viel, denn es ist ein Naherholungsgebiet, das direkt von der Innenstadt erreichbar ist.“
Wolf Lupus erklärt kindgerecht die Natur an den 13 Wald-Lehrtafeln
Das macht neugierig und man will den Hinweispfeilen bergauf folgen. Bei der ersten Naturstation steht eine hölzerne Infotafel, mit der Frage: „Ist der Wald ein Lieferant?“ Ja, das ist er, und was für einer, das sieht man gleich nebenan auf einer Schautafel, wo Holzscheitel, Pellets, Pappe und Korken zum Anfassen verführen. Eine Weile später und jede Menge Treppenstufen höher, kommt die erste Experimentierstation. „Der Schwamm des Waldes“ heißt es hier und Comic-Wolf Lupus will wissen, wohin das ganze Regenwasser fließt. Mit einer verbeulten Kanne, die man am nah gelegenen Bachlauf mit Wasser füllen soll, wird man hier aufgefordert, den Inhalt auf einen Experimentiertisch zu schütten, der zur Hälfte mit erdigen Waldboden und zur anderen Hälfte mit steinigem Kies gefüllt ist. Was dann passiert ist klar, Laub und Erde saugen auf, Steine nicht.
Natur zum Ausprobieren
An Station Nummer drei wird es endlich ernst. Hier lautet der Befehl von Comic-Wolf Lupus: „Ziehe Deine Schuhe und Strümpfe aus und spüre die Natur.“ Also macht der brave Wanderer seine Füße nackig und steiget vorsichtig um das künstlich angelegte Natur-Kare aus verschiedenen Bodenbeschaffenheiten. Hoffentlich zwickt hier nichts, mag sich bei diesem Unterfangen mancher denken und sich fragen, was im Waldboden alles wimmelt, zwischen Baumstücken krabbelt, im Kies gräbt, und im fauligen Laub wuselt. Wer einmal den Parcours herum steigt, wird spüren, wie die Natur unter den Fußsohlen unangenehm pieckst.
An Station Nummer sieben soll man testen, wie weit man springen kann. Lupus der Wolf erklärt dazu: „Wusstest du, dass der beste Mensch im Weitsprung „nur“ das fünffache seiner Körpergröße erreicht. Der Weltrekord liegt bei 8,95 Meter.“ Gut, für Nachahmer, dass die Sprungkiste mit weicher Häckselspäne gefüllt ist. „Der Floh zum Beispiel schafft es 0,6 Meter weit, das 200-fache seiner Körpergröße", steht auf einem Streckenschild am Sprungkistenrand.
Talabwärts Richtung Ausgangspunkt kommt man vorbei, wo der „Marder mit dem Eichhörnchen telefoniert“, wo es „Klatsch und Tratsch aus dem Wald“ zu lesen gibt, wo der „Wald zum Singen beginnt“ und „Totgeglaubtes voller Leben“ ist.. Man kann dort sehen wie alt ein Baum wird und wie verborgen die Waldbewohner leben. Nach einer Stunde Bergspaziergang kommt man zurück in die Zivilisation der Wolfratshauser Altstadt.
