Bern, die Bundesstadt der Schweiz, hat in ihrem Wappen einen auf einem Rechtsbalken (vom imaginären Wappenschildträger aus gesehen) aufwärts tapsenden schwarzen männlichen Bären. Seine Pranken, seine Zunge und sein Geschlecht sind knalllrot. Der Kanton Bern führt das gleiche Wappen.
Ursprungserklärungen des Berner Bären
Die Berner, denen oft eine gewisse Neigung zur bärenartigen Behäbigkeit und Starrköpfigkeit nachgesagt wird, lieben ihren liebevoll „Mutz“ genannten Bären seit langem. Bereits in der Ritterzeit war Meister Petz Symboltier der Berner.
Angeblich soll Berns Gründer Herzog Berchtold V. von Zähringen die Namensgebung für die von ihm 1191 errichtete Siedlung an der Aare vom Zufall abhängig gemacht haben. Der Sage nach legte Berchtold fest, dass die Stadtgründung nach dem ersten Tier, das ihm an diesem Ort begegnen würde, zu benennen sei. Wenig später kreuzte ein Bär den herzoglichen Weg. Das Tier wurde erlegt und landete im Kochtopf. Der Geist des Bären ging auf die ersten Berner und dann auf deren Nachkommenschaft über.
Nach einer anderen Ursprungssage soll eine Bärin die Edelfrau Mechthild im Wald an der Aare vor Wölfen beschützt haben. Die Bärin wurde dabei schwer verwundet. Sie konnte Edelfrau und den inzwischen herbeigeeilten Herzog Berchtold aber noch zu ihren Jungen führen. Dann starb sie. Der gerührte Herzog war von Heldenmut und Mütterlichkeit der Bärin so gerührt, dass er die Bärenjungen adoptierte. Spontan beschloss er, an dieser Stelle eine Stadt zu gründen. Der Ort sollte in Andenken an die Heldenmutter Bärn heißen und einen Bären im Wappen führen.
Bern = Verona
Wahrscheinlicher ist allerdings, dass Herzog Berchtold sich bei der Namensfindung von der zu seiner Zeit äußerst beliebten Dietrich-Sage inspirieren ließ. Titelheld Dietrich von Bern ist ein gotischer König aus der früher im Deutschen „Bern“ genannten norditalienischen Stadt Verona.
Bärengraben
Seit Ende des 15. Jahrhunderts halten die Berner sich ihr Wappentier auch real. Unter anderem als Kriegsbeute in die Stadt gelangte Bären fanden ein nicht sehr artgerechtes Zwangszuhause im Stadtgraben. Im 18. Jahrhundert wurde der regelmäßig mit bis zu 24 unglücklichen Bären aufgefüllte Bärengraben vor die Tore der Stadt verlegt.
Der derzeitige, 1857 gebaute und 3,5 Meter tiefe Bärengraben ist die mittlerweile vierte Berner Bärenhaltungsanlage. Obwohl 1996 aufwendig erweitert und saniert, entspricht der Graben nicht mehr den heutigen Vorstellungen von artgerechter Haltung.
BärenPark
2008 wurde deshalb der Spatenstich für den neuen BärenPark gefeiert, in dem sich die aktuell fünf Berner Pyrenäen-Bären wohler fühlen sollen. Ende 2009 sollen die Stadtbären, von denen auf Grund einer Abmachung zwischen Staat Bern und Kanton Solothurn immer einer „Urs“ heißen muss, aus dem steinernen Bärengraben in ein 10.000 Quadratkilometer grosses Freiluftgehege unterhalb des gegenwärtigen Bärengrabens umziehen.
