Der Beruf des Fahrradkuriers

Fahrradkuriere sind schnell, umweltfreundlich und zuverlässig

Mythos und Realität des Fahrradkurierberufs - ein Bericht über deutsche Fahrradkuriere, die dem Klischee vom rücksichtslosen Straßenrowdie nicht entsprechen.

Der Beruf des Fahrradkuriers ist eigentlich so alt wie das Fahrrad selbst - so boomte dieses Geschäft schon im 19. Jahrhundert unter Namen wie „Blitzgesellschaften" oder „Messenger-Boy-Compagnien", bis 1899 die Reichspost das Monopol auf die Briefpost erhielt. Von da an verschwanden die Fahrradkuriere für längere Zeit von der Straßenoberfläche. 1985 startete erstmals wieder ein deutscher Fahrradkurierdienst in den Wirtschaftsverkehr. Seitdem radeln deutsche Fahrradkuriere täglich 1,5 mal um den Äquator und legen jährlich ca. 17 Mio. Kilometer zurück.

Blumen per Expresslieferung

Die Aufgaben eines mit Funkgerät und Rucksack ausgestatteten Kuriers sind unglaublich vielfältig. So werden die „Messenger" heutzutage von den verschiedensten Branchen gebucht. Sie transportieren Werbematerial, Datenträger, Blutproben, Blumen, Druckaufträge, Reisetickets, wickeln kleinere Bankgeschäfte ab und lehren Postfächer.

Die Gründe aus denen private Kunden und Firmen Fahrradkuriere beauftragen (und nicht z.B. Autokuriere) sind endlos. Dazu gehören Termin- und Ortsunabhängigkeit, sowie Preisvorteile und natürlich auch Schnelligkeit. Einer der Hauptgründe ist allerdings der ökologische Faktor, denn schließlich benötigt man zum Radeln kein Sprit sondern nur starke Lungen und kräftige Oberschenkel. Von Nachteil für die deutschen Fahrradkuriere ist allerdings immer noch der mit negativem Beigeschmack angereicherte Mythos vom amerikanischen „Messenger". Dieser Mythos ist bereits über den großen Teich geschwappt, bevor die deutschen Fahrer ihr Können hierzulande überhaupt unter Beweis stellen konnten. Aus diesem Grund denken die meisten Menschen beim Anblick der Biker stets zuerst an den unnachgiebigen Straßenkämpfer, der für die Kunden durch den Großstadtdschungel rast und in einer feindlichen Umwelt ständig waghalsig Hals- und Beinbruch riskiert. Dieser verwegene Mythoskurier kennt keine Verkehrsregeln und bedroht auch schon gern mal unschuldige Autofahrer. Er liebt sein Rad und fährt es dennoch zu Schrott, während er permanent gegen die Zeit und den Rest des Verkehrs ankämpft.

Starke Nerven bei schlechtem Wetter

Um diesem Mythos auf den Grund zu gehen, wurde für diesen Artikel ein Fahrradkurierladen in Bonn einmal genauer unter die Lupe genommen. Nach all den Legenden über wilde, anarchische Straßenrowdies schließlich Mädels und Jungs in der dortigen Kurierzentrale anzutreffen, denen man ohne Funke und Rucksack niemals ansehen würde, dass sie zu jenem oben beschriebenen verwegenen Menschenschlag gehören sollen, ist schon fast eine Enttäuschung. Gut - so manch eine/r hat auf dem oftmals längeren Weg zum Kunden schon mal ein paar überflüssige Pfunde gegen härtere Beinmuskeln eingetauscht. Der eine oder an dere schlängelt sich hin und wieder auch mal unerlaubt durch undurchschaubare Menschenmassen oder huscht ausnahmsweise flink über eine rote Ampel, doch alles in allem sind die Kuriere ganz „normale" Menschen, die zumindest eines verbindet: Spaß am Fahrrad fahren. Tatsächlich sollte man als Fahrradkurier jedoch schon etwas abgehärtet gegen schlechte Wetterverhältnisse sein. Die Gunst der Kunden hängt schließlich auch zu einem großen Teil von der Tatsache ab, wie schnell und mit welcher Laune der Fahrer bei ihm in Erscheinung tritt. Klar dass ein Fahrradkurier aber auch körperlich fit sein sollte, denn fünf bis sieben Stunden ohne größere Pausen im Sattel, sind keine Seltenheit.

Warum tut Man(n) oder Frau sich dann so etwas überhaupt an? Gute Frage! Als an einem verregneten Freitagnachmittag einige der Fahrradkuriere des Bonner Fahrradkurierladens mit dieser Frage konfrontiert wurden, war auch schon mal ein gequältes Lächeln gepaart mit schwachem Achselzucken bei den Antworten mit dabei. Doch trotzdem lautet das große Motto der tapferen Kuriere weiterhin: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!". Und auch wenn sie mit einigen Unannehmlichkeiten zu kämpfen haben, sieht man den schnellen Fahrern doch an, dass sie hier nicht einfach nur einem gewöhnlichen Job nachgehen. So finden sich unter den engagierten Kurieren auch nicht wenige, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Dies taten sie nicht zuletzt auch der Umwelt zuliebe und aufgrund des angenehmen Arbeitsklimas. Letzteres dürfte auch ausschlaggebend dafür sein, dass es keine Seltenheit ist, wenn man die Kuriere noch lange nach ihrer Schicht in der Zentrale bei einem gemütlichen Bierchen vorfinden kann. Nun wird eines vollkommen klar: Fahrradkurier zu sein, ist nicht einfach nur ein gewöhnlicher Job, sondern eine Lebenseinstellung.

Fazit: Wahr an dem amerikanischen Mythos ist eigentlich nur, dass Fahrradkuriere täglich mit giftigen Abgasen und lebensgefährlichen Autoschlangen konfrontiert werden und jedem Witterungsverhältnis hoffnungslos ausgeliefert sind. Die Fahrradkuriere sind im Grunde keine derben Straßenrowdies sondern umweltfreundliche Idealisten, denen ein unbändiger Freiheitsdrang innewohnt.