Der bessere Kauf: Neuwagen oder Gebrauchtwagen?

Ein Vergleich von Vor- und Nachteilen am Beispiel des Mercedes SLK

Mercedes SLK Baureihe R171 - Daimler AG
Mercedes SLK Baureihe R171 - Daimler AG
Einen Neuwagen zu kaufen ist chic. Oft wird übersehen, dass es das annähernd gleiche Auto auch als Gebrauchten gibt. Der Käufer kann enorme Summen sparen. Ein Vergleich.

Die Hersteller und Händler von Kleinwagen sowie Autos der unteren Mittelklasse konnten im Jahr 2009 ganz besonders von der Abwrackprämie profitieren. Neuwagen zu kaufen war angesagt. Marken wie Mercedes-Benz, BMW oder Audi mussten jedoch trotzdem Rückgänge ihrer Absatzzahlen hinnehmen, weil die Abwrackprämie im gehobenen Preissegment kein Verkaufsargument war. Selbst der Handel mit Gebrauchtwagen verlor im Hype um die Abwrackprämie deutlich an Aufmerksamkeit. Doch gerade hier bieten sich dem Autokaufinteressent fantastische Möglichkeiten, erhebliche Summen an Geld zu sparen: Eine Erläuterung am Beispiel des Mercedes-Benz SLK, die jedoch vom VW Golf bis hin zu BMW und Audi auch auf viele andere Modelle anzuwenden ist.

Der Mercedes-Benz SLK und seine Eckdaten

Der zweisitzige Roadster der internen Baumusternummer R171 gehört seit Ende 2004 zu den gefragten Fahrzeugen innerhalb der Sportwagengattung. Sein klappbares Stahlverdeck, das er von seinem seit 1996 gebauten Vorgänger gleichen Namens übernommen hat, machte ihn zum Verkaufserfolg. Von der aktuellen Version R171 wurden nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes im Jahr 2007 9.714 und im Jahr 2008 9.815 Stück in Deutschland zugelassen. Die Modellpalette umfasst Motorisierungen von 163 PS beim SLK 200 Kompressor bis hin zu 272 PS beziehungsweise 305 PS beim SLK 350 mit Sportmotor. Wenn sich jemand für dieses Fahrzeug interessiert, muss er für einen Neuwagen rund 65.000 Euro aufbringen.

Es geht auch preiswerter: Sparen Sie 37.853 Euro

Ein neuer SLK 350 kostet derzeit mit ein paar Extras 64.343 Euro. Ebenfalls mit Extras ausgestattet ist ein Fahrzeug gleichen Typs und fast identischer Karosseriegestaltung, das 26.490 Euro kostet. Ein Unterschied von 37.853 Euro. Um transparent zu machen, was der Kaufinteressent für diese Beträge tatsächlich geboten bekommt, hier ein Blick auf die Details.

Der Neuwagen hat 305 PS (224 KW), rund dreieinhalb Liter Hubraum und verbraucht 9,2 l Super auf 100 Kilomter (219 g/km). Er ist mit Siebengang-Automatikgetriebe ausgestattet und in Tansanitblau metallic lackiert. Innen lockt er mit Leder in Gullwingrot. Die wichtigsten Ausstattungsmerkmale sind AMG Leichtmetallräder, die neue Airscarf-Kopfraumheizung, Abbiegelicht, Anbauteile in Wagenfarbe, klappbare Außenspiegel, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Comand-System (Radio und DVD-Navigation), Veloursfussmatten, Infrarotfernbedienung, Innenraum-Lichtpaket, Komfort-Klimatisierungsautomatik, Lederlenkrad und Lederschalt- bzw. –wählhebel, Parktronic-System (PTS), Sitzheizung Vordersitze, Sommerreifen, Sportfahrwerk, Vordersitz rechts elektrisch verstellbar mit Memory.

Das Gegenbeispiel: Der gebrauchte SLK gleichen Typs und seine Ausstattung für 26.490 Euro

Sein Sportmotor hat 272 PS und schon 42.000 Kilometer gelaufen. Das Auto wurde im September 2004 erstzugelassen und ist in Obsidianschwarzmetallic lackiert. Die Lederpolsterung im Inneren präsentiert sich makellos. Seine Ausstattungsliste liest sich ebenso beeindruckend, wie die des Neuwagenbeispieles: Airbag für Fahrer und Beifahrer, Außenspiegel beheizt und elektrisch verstellbar, Audio 50 APS Radioanlage mit CD-gestütztem Navigationssystem, Batterie m. größerer Kapazität, Bremsassistent (BAS), Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), Fahrlichtassistent, Fensterheber elektrisch 2-fach vorn, Siebengang-Automatikgetriebe, Innenraum-Lichtpaket, Komfort-Klimatisierungsautomatik, Leichtmetallräder, Lenkrad-Schaltpaddels, Reiserechner, Scheibenwischer mit Regensensor, Servolenkung, Sidebags, Sitzheizung Vordersitze, Sportfahrwerk und Tempomat gehören zum Ausstattungsumfang des Gebrauchtwagens. Auf die aktuelle Frontschürzengestaltung und das Airscarf-System muss hier in jedem Fall verzichtet werden.

Wer argumentiert, dass der Neuwagen bei der Garantieleistung besser gestellt ist, liegt falsch

Der Gebrauchte bietet 24 Monate Fahrzeuggarantie, zwölf Monate Moblilitätsgarantie, das TÜV/AU Siegel jünger als drei Monate, zehn Tage Umtauschrecht und eine Wartungsfreiheit für sechs Monate und bis 7.500 Kilometer. Derartig interessante Angebote finden sich auch mit niedrigeren Kilometerständen, also beispielsweise einem ähnlich ausgestatteten Vorführwagen SLK 350, der im Februar 2009 erstzugelassen wurde, 6.000 Kilometer gelaufen hat und 39.900 Euro kostet. Der Kunde spart 24.443 Euro nur dadurch, dass er einen sechs Monate jungen Vorführwagen anstatt eines Neuwagens kauft.

Bietet ein fünf Jahre alter SLK weniger Fahrspaß als ein Neuwagen?

Autofachmann Gottlieb Schulz: „Natürlich nicht. Gebrauchtwagen vom Fachhandel sind heutzutage werkstattgeprüft. Nicht ohne Grund gibt es umfangreiche Garantieleistungen. Glauben Sie mir, dass Sie keinen Unterschied spüren, wenn Sie mit Ihrem SLK auf die Landstraße fahren. Sie öffnen das Dach und genießen puren Fahrspaß. Egal, ob am Wochenende oder beim täglichen Fahren ins Büro werden Sie keinen Unterschied zwischen neu und gebraucht feststellen können. Die Autos werden lange halten und Sie sind durch Garantien abgesichert. Und Sie haben sehr viel Geld gespart, wenn Sie einen Gebrauchten kaufen und können mit der Ersparnis notfalls auch eine Reparatur oder neue Reifen bezahlen.“

In der Luxusklasse wird der Preisunterschied besonders deutlich spürbar

Zwischen dem Kaufpreis für eine neue S-Klasse und einer drei Jahre jungen, gebrauchten Ausgabe des W221 liegen oft ganze 70.000 Euro Differenz. Ein ebenfalls drei Jahre laufender VW Phaeton für 40.000 Euro fährt ebenso gut, wie ein Neuwagen, der das zweieinhalbfache kostet. Nach Ansicht des Autofachmanns gibt es nicht den geringsten Grund, den Neuwagen einem Gebrauchtwagen vorzuziehen. Schulz betont, dass sich das Beispiel des Mercedes-Benz SLK auch auf den 3er BMW, den Audi A4, Gölfe und Passate anwenden lässt. Und gerade vor dem Winter sind die Verkäufer nochmals rabattbereit.

Die Abwrackprämie reduziert auch das Kundenaufkommen in den Werkstätten

Zudem locken die Werkstätten vieler Automarken auch mit Nachlässen bis zu 20 Prozent für Reparaturen der alten Schätzchen, was das Leben mit einem Gebrauchtwagen nochmals verbilligt. Eine Folge dessen, dass Autos, die Dank Abwrackprämie in der Schrottpresse endeten, nicht mehr in der Werkstatt gewartet werden. Was zu Umsatzeinbußen derselben führt.

Vor dem Hintergrund, dass ein Neuwagen nicht nur mehr kostet, sondern im Moment seiner Erstzulassung schon ein Drittel seines Wertes eingebüßt hat, kann der Kauf eines Gebrauchtwagens auch aus der Sicht des weiteren – geringeren – Wertverlustes als sinnvolle Alternative in Betracht gezogen werden, ohne, dass auf Spaß verzichtet werden muss.

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