Der beste Finanzminister aller Zeiten

Einmal mehr ist Karl-Heinz Grasser selbstverständlich unschuldig

Karl-Heinz Grasser geht es gut - Elvira Riegler
Karl-Heinz Grasser geht es gut - Elvira Riegler
Wenn schon Staatsvermögen verscherbelt wird darf man zumindest seine Freunde nicht vergessen. Die Analyse eines alltäglichen österreichischen Geschäfts.

Es ist also schon wieder nichts passiert, man kann dem ehemals “besten Finanzminister aller Zeiten“ (BeFinaZ) nichts vorwerfen.

Warum auch? Wenn man nur das Beste für die Republik beabsichtigt, so muss man ja wohl nicht zwangsweise selbst zu kurz kommen. Upgraden, ein wahrlich geflügeltes Wort im Zusammenhang mit unserem Ex-Finanzminister und ein Schelm wer Böses denkt…, denn auch Freunde können finanziell upgegradet werden.

Verkauf von Staatsvermögen

Da verkauft Herr Grasser in seiner Amtszeit 60.000 Wohnungen des Bundes, der Staat bezieht 830 Millionen Euro von der Immofinanz, der Bestbieter liegt damit nur erstaunlich knapp über dem Gebot des Zweitbieters. Abermals ein Schelm, wer hier über Insiderinformationen spricht. Der Speck war also ruckzuck weg. Die Immofinanz gibt den Wert des erworbenen Wohnungspaketes heute mit 1950 Millionen an.

Der erste Blick: Billig Staatsvermögen verscherbelt!

Der zweite Blick: Geh komm, wer wird schon zweimal hinsehen, wenn Freunde des Finanzministers (Walter Meischberger und Peter Hochegger) durch den Deal 9,6 Millionen Euro Provision von der Immofinanz einstreichen. Da hat keiner die Zahlen des Zweitbieters verraten.

Grasser, Meischberger, Hochegger

Alles moralisch einwandfrei, versuchen Herr Grasser, Herr Meischberger und Herr Hochegger dem Steuerzahler weiszumachen. Und ein Mann, für den ein guter Tag mit einer ansprechenden Frisur beginnt; ein Mann, der immer darauf geachtet hat, Beruf und Freundschaft zu trennen; ein Mann, der lange Zeit der Traumschwiegersohn aller “Krone“-Leserinnen war; ein Mann, der Augen so blau und so tief wie ein Kärntner See sein eigen nennen darf…, nein…, können diese Augen lügen.

Und was da jetzt auffliegt: Scheinfirmen, Briefkastenfirmen in Zypern, Steuerhinterziehung, dem gelernten Österreicher kommt dies alles sonderbar bekannt vor. Hier wurde das quasi unglaubliche Ausmaß an Geboten und Verboten der Steuergesetzgebung ein wenig liberal ausgelegt.

Freunderlwirtschaft

Aber man sollte kein vorschnelles Urteil ziehen, denn Konsequenzen wurden gezogen, der “beste Finanzminister aller Zeiten“ hat Freund Meischberger die Bürogemeinschaft aufgekündigt und geht mit seinem ehemaligen Gefährten auch nicht mehr gemeinsam zum Frisör. Na bitte, wenn das nicht einmal Durchgreifen der saubersten Art ist. Und man sollte tatsächlich nicht kleinlich sein. Was sind schon 9,6 Millionen unter Freunden gegen den jahrelangen Unterhaltungswert des BeFinaZ.

Außerdem kann man nur hoffen…, und dies ist sehr wichtig, wie es Herrn Karl-Heinz Grasser selbst inmitten dieser Causa geht, die den österreichischen Wert “Freunderlwirtschaft“ perfekt nach außen kommuniziert.

Aufklärung

Der Staatsanwalt ist jedenfalls interessiert und weder sollte man überrascht sein, wenn dies nur die Spitze eines titanischen Eisbergs ist, noch wenn alle Ermittlungen seltsamerweise im Sand verlaufen.

Selbstverständlich hat die Unschuldsvermutung zu gelten und ohne Zweifel sollte man niemanden zum Vorwurf machen, wenn bei ein paar Nullen mehr am Konto der Anstand auf der Strecke bleibt.

Für den Artikel verwendete und abgewandelte Zitate von Karl-Heinz Grasser

“Der Speck muss weg!“ Budgetrede 2003

"Ein guter Tag beginnt mit einem sanierten Budget." Budgetrede 2000

“Wir sehen die Lösung vieler Probleme unseres Landes in weniger Einschränkung durch ein unglaubliches Ausmaß an Geboten und Verboten.“ Budgetrede 2000

“Die Antwort auf die Frage – “Wie geht es mir?“ ist sehr wichtig“ Budgetrede 2006

A.P.Schlöglmeier, Michael Stoifl

A.P. Schlöglmeier - A.P. (Andreas Pankraz) Schlöglmeier wurde 1970 unter anderem Namen geboren, ist Gastronom, Maler und Schriftsteller. Lebhaft zur ...

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