Fernsehverfilmungen von Theaterstücken sind ausgesprochen selten geworden. Wenn auch nicht Übertragungen von Theaterstücken als solche. Da leisten ZDF-Theaterkanal, 3sat und Arte Beachtliches. Weil die Schauspielerin Christiane Hörbiger ihren 70. Geburtstag feiert – da sieht man wieder einmal, wie die Zeit vergeht –, haben Das Erste und der ORF von den renommierten Film-Produktionen Ziegler Film und Wega Film von Regina Ziegler und Veit Heiduschka Dürrenmatts Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame“ neu verfilmen lassen. Der bereits mehrfach verfilmte Stoff sei von den Autoren Susanne Beck und Thomas Eifler „behutsam modernisiert worden“, sagt die ARD-Filmvermarkterin Degeto. Das „Güllen“ dieser Verfilmung liegt in der Steiermark.

Dürrenmatts umfangreiches Werk

Der Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1993) hat ein überaus umfangreiches Lebenswerk hinterlassen. Noch heute zählen seine Theaterstücke zu den meist gespielten auf den Brettern der deutschsprachigen Bühnenwelt. Der vielseitig begabe Künstler – der auch ein begnadeter Maler und Illustrator war – war schon in jungen Jahren äußerst erfolgreich. Mit 26 Jahren brachte er mit „Es steht geschrieben“ 1947 sein erstes Theaterstück heraus. Um seine bald fünfköpfige Familie zu ernähren, war er in den Folgejahren emsig als Autor von Kriminal- und Fortsetzungsgeschichten sowie von Hörspielen tätig. In rascher Folge kamen seine Bühnenwerke „Die Ehe des Herrn Mississippi“, „Der Besuch der alten Dame“ und „Die Physiker“ heraus. Das brachte ihm ein gutes Auskommen und zahlreiche Ehrungen und Preise ein.

Regie in zahlreichen Häusern

Das aber war Dürrenmatt noch nicht genug. Er stürzte sich in die praktische Theaterarbeit und führte in Basel, Zürich, Düsseldorf und Wien Regie. Zunehmend schrieb er überdies politische Essays und hielt Reden zu den großen Fragen der Zeit.

Seine Arbeiten zeichnen sich vor allem durch Verfremdung und Tragik aus und sind oftmals bizarr grotesk. Sein Werk war so umfangreich, dass viele Arbeiten – nicht zuletzt durch das Betreiben seiner zweiten Frau – erst posthum erschienen sind. Sein Haus im einst preußischen Neuenburg wird heute als „Centre Dürrenmatt“ als Literaturmuseum geführt.

Die Rache einer verlassenen Frau

In seiner Tragikomödie „Besuch der alten Dame“ erzählt uns der Autor eigentlich eine überaus üble Geschichte. Einst lebte in dem völlig herunter gekommen Provinznest Güllen Klara Wäscher und verliebte sich in den feschen Alfred Ill (Michael Mendl). Von ihm erwartete sie ein Kind. Bei einem von Ill verschuldeten Verkehrsunfall verliert sie ihr Kind und wird dauerhaft schwer verletzt. Ill verlässt sie, um die reiche Erbin Angelika (Lisa Kreuzer) zu heiraten.

Klara wandert aus, und es gelingt ihr, durch eine reiche Heirat zu Ansehen zu kommen. Jetzt kommt sie als Ölmilliardärin Claire Zachanasssian nach Güllen zurück. Dort hofft man, dass sie sich ihrer einstigen Heimat wohlwollend erinnern und hier investieren wird. Sie ist auch bereit, Geld einzubringen, doch unter der Voraussetzung, dass ihr Alfred ausgeliefert wird. Und sie lässt keinen Zweifel daran, dass ihr einstiger Geliebter sterben soll.

"Der Besuch der alten Dame" im Fernsehen

Regie Nikolaus Leytner, Kamera Hermann Dunzendorfer

In Deutschland am Montag, 13. Oktober 2008, 20.15 Uhr im ARD