Der Bilch - oft ein ungebetener Hausgast

Siebenschläfer - Wikipedia free
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Ob Garten- oder Siebenschläfer: Sie können problemlos an Haus- und Zimmerwänden hoch laufen und narren die Menschen. Von Oktober bis Mai im Winterschlaf.

Ungebetene Hausgäste, vor allem wenn es Tiere sind, können für einige Aufregung sorgen. So beispielsweise, wenn die restlichen Fernseh-Kekse vom Abend am nächsten Morgen aus der Schale auf dem Wohnzimmertisch verschwunden sind, genauso wie die drei Schokoladenherzen in der Cellophan-Tüte. Bevor der als Süßschnabel verleumdete Hausherr unter Verdacht kommt, könnte es zur Herbstzeit Entlastung geben. Dann nämlich, wenn zeitgleich auf dem Küchenfußboden vier ordentlich geköpfte und sauber geleerte Walnüsse herum liegen. Somit sprechen alle Indizien dafür, dass ein Bilch, ein Garten- oder Siebenschläfer, im Hause sein Winterquartier gesucht und offenbar gefunden hat. Damit ist eine Jagd eröffnet, die nicht immer erfolgreich ist.

Die Lebendfalle bringt häufig nicht viel

Wer einen Bilch im Hause hat und ihn wieder loswerden will, ohne ihm Leid anzutun – es sind schließlich possierliche Tierchen mit großen Knopfaugen und aufmerksamen Ohren – der greift natürlich zur Lebendfalle. Sie wird bestückt mit feinen Käsescheiben, Pecorino vielleicht, Apfelstückchen und geraspelten Walnüssen. Für den Fall, dass der Bilch zur Nahrungsaufnahme selbst Hand anlegen will, wird auch noch eine ungeknackte Nuss hinzu gelegt. Das Ergebnis ist häufig allerdings gleich Null. Die Falle, über Nacht aufgestellt, bleibt bilchlos. Der Käse vertrocknet, die Apfelschnittchen auch, die Walnuss-Stückchen darben vor sich hin.

„Speisekammer“ hinter den Büchern im Wohnzimmer

Wer einen Hund im Hause hat, kann nun allerdings auf Detail-Suche nach dem Versteck des Tierchens gehen. In der Tat, der Hund, ein schlauer Border-Collie zum Beispiel – der Einstein unter den Hunden – fängt plötzlich an, im Wohnzimmer auf den Hinterpfoten rumzulaufen, die Nase in die Höhe gestreckt. Dann macht er den – vergeblichen – Versuch, an der Bücherwand hochzuklettern. Da oben muss etwas sein. Und in der Tat, hinter der oberen Bücherreihe, genauer, zwischen der voluminösen Buchreihe „Deutsches und europäisches Theater im 19. und 20. Jahrhundert“ und der Wand findet sich – die Speisekammer des Bilches. Alle die Kekse vom Wohnzimmertisch, dazu einige Hunde-Leckerli und die – allerdings leere – Cellophan-Tüte, in der mal Schokoherzen waren. Und rechts davon, so ungefähr in einer Bandbreite zwischen Günter Grass und Ilse Aichinger, war/ist die Toilette des Bilches. Aber weit und breit kein Bilch.

Sie klettern problemlos steile Wände hoch

Bilche, den Hörnchen, also den Eich- oder auch den Streifenhörnchen verwandt, sind nachtaktive Tiere. Dabei ist es egal, ob es Sieben-, Garten- oder Baumschläfer sind. Und sie pflegen den Winterschlaf, der in der Regel von Oktober bis Mai dauert. Dazu suchen sie ein Quartier in Baumlöchern, Vogelhäuschen und alten Bauernhäusern. Je nach Art entwickeln sie ein Gewicht zwischen 17 und 280 Gramm, sind zwischen zehn und 22 cm lang und haben stets feuchte Fußballen, die es ihnen ermöglichen, Bäume und Wände ohne Probleme erklimmen zu können – bis zum obersten Regalbrett mit der Literatur der Neuzeit.

Bei den alten Römern eine Delikatesse

Zu den natürlichen Feinden der Bilche zählen Marder, Katzen und größere Eulen. In Mitteleuropa versucht der Mensch, sie zu schützen. Der Siebenschläfer beispielsweise wurde im Jahr 2004 von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zum Tier des Jahres ernannt. Das war früher anders. Bei den alten Römern galt der Bilch als Delikatesse. Dazu findet sich im „Römischen Kochbuch des Apicius“ auch das passende Rezept: „Fülle den Bilch mit Schweinehackfleisch, ebenso mit Fleisch von allen Gliedmaßen, zusammen mit gemahlenem Pfeffer, Pinienkernen, Laser und Liquamen und gib sie zugenäht und auf Tontiegel gelegt in den Ofen oder koche sie gefüllt in der Backpfanne“. Andere Römer, es könnte Nero gewesen sein, schwärmten von in Honig gesottenen Bilchen.

Winterschlaf hinter der Spülmaschine?

Ein solches Schicksal würde dem in einem gesitteten Haushalt versteckten Bilch im Oktober 2011 nicht widerfahren. Zumal er sich erfolgreich verborgen hält; offenbar räumlich etwas entfernt von seiner „Speisekammer“. Der Border Collie im Hause weiß es offenbar: Er versucht neuerdings – ebenfalls vergebens -, die in die Küchenzeile eingebaute Spülmaschine wegzurücken. Dahinter ist in der Tat ein Hohlraum. Aber da richtet das Tierchen nichts an. Es hält ja Winterschlaf. Im nächsten Mai kann die Lebendfalle wieder aufgestellt werden.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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