
- Keine Angst vorm bösen Wolf - Archiv G. Zimmer
Wölfe kennen die meisten Deutschen, wenn überhaupt, aus dem Zoo und aus dem Fernsehen. Und aus Märchen und Mythen. Rotkäppchen, der Wolf und die sieben Geißlein, sind zwei bekannte Märchen, Peter und der Wolf sogar ein musikalisches Märchen. In allen Fällen ist der Wolf der Bösewicht. Doch woher kommt dieser Ruf?
Urängste
Tatsächlich sind Angriffe von Wölfen auf Menschen bestätigt. Anfang des 19. Jahrhunderts tötete ein Wolf in Schweden zwölf Menschen. Grund war, dass dieser Wolf von Menschen aufgezogen und fehlgeprägt, sozusagen zum Killer gemacht wurde. In Europa kam es in den letzten 50 Jahren zu fünf Angriffen auf Menschen mit tödlichem Ausgang. Grund war immer eine Tollwutinfektion des Wolfs. Die Regionen, in denen heute in Deutschland wieder Wölfe vorkommen, sind aber weitestgehend tollwutfrei. Die Gefahr eines Angriffs durch einen Hund ist deutlich größer als die durch einen Wolf. Denn in Deutschland wurden in den letzten 50 Jahren weit mehr als 50 Menschen durch "zahme" Haushunde getötet. Ein Todesfall durch einen gesunden Wolf ist dagegen selbst aus dem späten Mittelalter, als Wölfe noch reichlich vorkamen, nicht bestätigt.
Hunde und Wölfe
Gelegentlich ist es zu Angriffen auf Hunde gekommen, die in Begleitung von Menschen waren. Dabei ist das Ziel immer der Hund, nie der Mensch. Offensichtlich sieht der Wolf seinen biologischen Verwandten Hund als Rivalen an, so wie er es auch mit anderen Wölfen tun würde. Der Hund ist dem Wolf jedoch so gut wie immer unterlegen (einige Rassen mögen eine Ausnahme machen, wie Türkische Hirtenhunde).
Vorkommen in Deutschland
Inzwischen gibt es in Deutschland wieder etwa 50 Wölfe. Der Schwerpunkt liegt in Brandenburg und Sachsen, vereinzelte Nachweise und Sichtungen stammen aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen Anhalt, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. So gesehen muss man schon großes Glück haben, einen Wolf in Deutschland in freier Wildbahn auch nur aus der Entfernung zu sehen.
Wenn es zur Begegnung mit Wölfen kommt
Wenn Sie einem Wolf begegnen sollten, brauchen Sie nur Geräusche zu machen, also laut zu schreien und mit den Armen zu wedeln. Ein gesunder Wolf nimmt sofort reißaus - es sei denn, er frisst gerade an der Beute oder fühlt sich in die Enge getrieben. Gehen Sie also einfach rückwärts, bis sie aus seiner Reichweite sind, wenn er denn immer noch da sein sollte.
Wenn Sie von einem Hund begleitet werden, sollten Sie diesen, wenn Sie in Gebieten mit Wolfsvorkommen und abends oder sehr früh morgens unterwegs sind, unbedingt anleinen. Das dient nicht zu Ihrer Sicherheit, sondern zu der des Hundes.
Ärgernis Nutztierverlust
Viele Bauern sehen den Wolf als natürlichen Feind an. Denn es ist für einen Wolf erheblich einfacher, ein Schaf zu reißen als ein Reh. Früher wurde in den Schafherden immer ein "Schwarzes Schaf" mitgeführt. Auf dieses konzentrierten sich die Wolfsangriffe und der Rest der Herde war geschützt. Heute ist dies normalerweise nicht mehr möglich und deswegen sind die schwarzen Schafe, zumindest in der Schafhaltung, selten geworden. Im übertragenen Sinn mag es sie noch geben - das bleibt jedem Betrachter selbst überlassen.
Tatsächlich entstehen Bauern durch von Wölfen gerissene Tiere finanzielle Schäden. Um die Akzeptanz des Wolfs als heimisches Wildtier zu fördern, ist es Aufgabe des Naturschutzes, diese Schäden zu ersetzen. Diese relativ geringen Summen sollten uns die Aufwertung der Landschaft wert sein.
Wolf und Naturschutz
Denn Wölfe verbessern aktiv die Gesundheit unserer Wildtierbestände, da vorwiegend alte und schwächere Tiere auf dem Speiseplans der Wölfe stehen. Derzeit haben wir in Deutschland einen zu hohen Bestand an Rehen und Schwarzwild. Die Verbissschäden durch Rehe sind etwa in Schonungen weit größer als die Schäden an Nutztieren, die durch Wölfe entstanden sind. Aus Naturschutzsicht wäre deswegen eine höhere Wolfspopulation wünschenswert.
Bedrohung für den Rehbestand?
Experimente auf abgelegenen Inseln haben den Beweis erbracht: Nicht die Raubtiere bestimmen den Bestand der Beutetiere, sondern umgekehrt die Beutetiere die Raubtiermenge. Ist nicht genug Beute da, ist die Vermehrungsrate der Raubtiere reduziert und es kommt auch zu internen Auseinandersetzungen. Die Rückkehr der Wölfe ist also kein Grund, um unsere Rehbestände zu fürchten.
Die Rückkehr des Wolfs - ein Hoffnungssignal
Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland ist also ein Hoffnungssignal. Denn es bedeutet, dass unsere Umwelt wieder auf dem Weg zurück zu einer Normalisierung ist. Wolf, Luchs und Bär sind Raubtiere, die ganz normal zu unserer Umwelt gehörten, bis sie im Mittelalter vom Menschen ausgerottet wurden. Ob die Rückkehr des Bärs sinnvoll ist, sei dahingestellt. Luchs und Wolf dagegen sind eine echte Bereicherung für unsere Natur in Deutschland.
Literatur:
http://www.nachhaltigkeit.org/201104187181/natur-landwirtschaft/hintergrund/die-angst-vor-dem-wolf-kehrt-zurueck
http://manuela.covers.de/todesfalle_durch_hunde.html
http://www.wolfsregion-lausitz.de/umgang-mit-woelfen
http://www.wwf.de/themen/artenschutz/bedrohte-tiere-und-pflanzen/woelfe/
